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Mitarbeiter packt aus: Das habe ich erlebt, als ich bei Netto gearbeitet habe

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NETTO SUPERMARKT
Ein Mitarbeiter erzählt, wie es hinter den Kulissen des Supermarktes zugeht | Johannes Simon via Getty Images
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  • Auf Reddit verrät ein Netto-Filialleiter, wie es hinter den Kulissen des Discounters zugeht
  • Er berichtet von gewalttätigen Kunden und dreckigen Filialen
  • Eine Zusammenfassung des Textes seht ihr im Video oben

In Supermärkten und Discountern wie Netto kaufen viele von uns mehrmals wöchentlich ein. Was hinter den Kulissen abläuft, bekommen wir dabei normalerweise nicht mit. Doch nun packt ein Netto-Filialleiter aus. Auf der Online-Plattform Reddit stellte er sich den Fragen der Nutzer.

Der 24-Jährige arbeitet seit vier Jahren in einer Netto-Filiale in Schleswig-Holstein und beantwortete auf der Plattform alle Fragen vom Gehalt bis zur Sauberkeit.

Denn am meisten stört die Reddit-Nutzer offenbar, dass es in einigen Netto-Supermärkten so schmutzig aussehe. "Ihr solltet viele Filialen in Ghetto-Netto umbenennen", meinte einer der Nutzer. "Aber im Ernst, woran liegt es, dass so viele Filialen einfach unglaublich dreckig sind? Ich würde dort nie offene Lebensmittel kaufen."

Die ehrliche Antwort des Filialleiters: "Wenn zu viel Arbeit auf zu wenig Leute kommt, die Reinigungskraft evtl. noch erkrankt oder im Urlaub ist, hat Reinigen leider sehr oft nicht oberste Priorität."

Außerdem erzählte der Filialleiter, dass er vertraglich 38 Stunden pro Woche arbeite, ohne dabei irgendwelche Benefits oder Rabatte zu bekommen.

"Wir schmeißen so viel weg, dass die Tonnen nicht ausreichen."

Ein anderer Nutzer ärgerte sich über den vielen Müll, den der Supermarkt produziere. "Darf ich fragen, wie du dich fühlst dabei zuschauen zu müssen, wie jeden Tag so viel an Lebensmitteln weggeschmissen wird?", fragte er. Die Antwort des Mitarbeiters offenbart viel darüber, wie bedacht die Netto-Supermärkte auf ihre Umwelt sind: anscheinend nicht besonders.

"Ich fühle mich dabei persönlich nicht schlecht oder so", antwortete der Netto-Mitarbeiter. "Es ist eher ein gesellschaftliches, perfektionistisches Problem. Und es gibt Vorgaben. Brot, das aus dem Backshop Abends übrig ist, muss konsequent vernichtet werden. Allerdings ist es traurig, wenn man dann Kartonweise Brot wegschmeißt, schließlich ist dafür Arbeitskraft und endliche Ressource aufgewendet worden, die einfach zunichte gemacht wird.

Manchmal schmeißen wir so viel weg, dass die Tonnen nicht ausreichen. In den ländlichen Gebieten wird dann in einigen Filialen alles an Landwirte inoffiziell abgegeben, die es ihren Schweinen vorwerfen."

Mitarbeiter: "Kunde bewarf mich mit Tiefkühlpizza"

Die Kunden erzählten aber nicht nur, was ihnen missfiel, genauso interessierte sie, was den Filialleiter an den Kunden stört.

Das Kurioseste wäre laut dem Filialleiter ein verwirrter Kunde gewesen, der darauf bestanden hätte, mit seiner Krankenkassenkarte zu bezahlen. "Er war sehr umgänglich, steckte aber andauernd seine Krankenkassenkarte ins EC-Gerät und wunderte sich, wieso es nicht funktionierte", erzählte der Netto-Mitarbeiter.

Dass es in Netto-Märkten teilweise offenbar sogar gefährlich zugehen kann, zeigte ein anderer Vorfall.

"Der schlimmste Kunde war jemand, der uns als seine Leibeigene angesehen hat. Anstatt uns anzusprechen, wurde gepfiffen. Loses Obst und Gemüse wurden im Laden gegessen und Getränke geöffnet und getrunken", berichtete der Netto-Mitarbeiter. "Wir haben ihn auf frischer Tat erwischt, er wurde auf meine Ansage aggressiv und bewarf mich mit Tiefkühlpizza."

Während der Filialleiter sich hätte "ducken" müssen, um den Kartons auszuweichen, hätten die Kunden sich bestens amüsiert.

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(lp)