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Weshalb die ständige Merkel-Kritik frauenfeindlich ist

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ANGELA MERKEL
Weshalb die ständige Merkel-Kritik frauenfeindlich ist | Sean Gallup via Getty Images
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  • Immer mehr Beobachter glauben: Hinter der andauernden Merkel-Kritik steckt Frauenfeindlichkeit
  • Ihre Flüchtlingspolitik werde mit vermeintlich weiblichen Charakteristika verknüpft

Im Jahr 2015 erklärte das amerikanische "Time"-Magazin Angela Merkel zur Person des Jahres. "Kanzlerin der Freien Welt", titelte das renommierte Blatt – Merkel war gefühlt am Höhepunkt der Anerkennung.

Nur ein später hat sich das Blatt gewendet: Kaum einen Tag schlägt man die Zeitungen auf, ohne scharfe Abrechnungen mit der Kanzlerin lesen - von Politologen, Journalisten, Politikern, sogar von Parteikollegen.

Konstruktiv ist diese Kritik bei weitem nicht immer, findet Feuilletonist Patrick Bahners. In einem Artikel in der "FAZ" argumentiert er: Hinter dem Merkel-Bashing steckt oft nichts anderes als Frauenfeindlichkeit.

Flüchtlingspolitik aus "weiblichem" Mitleid?

Besonders an der Kritik ihrer Flüchtlingspolitik zeige sich dies. Bahners glaubt: "Die Redakteure, die wiederholt fragten, ob Frau Merkel wisse, was sie tue, projizierten ihre eigene Unkenntnis auf die Kanzlerin."

Hinter der vorgetragenen "Sorge um die überforderte Kanzlerin" stecke das Bild einer Frau, "die sich von Gefühlen übermannen lässt".

Auch Meedia-Redakteur Stefan Winterbauer greift diese Argumentationslinie auf. Kritiker verbänden Merkels liberale Flüchtlingspolitik "unterschwellig mit ihrem Frausein". Die Willkommenskultur sei für viele so ein Produkt ihres Mitleids mit "den armen Flüchtlingen".

Von der Gegenseite kommen kaum Argumente

Argumente Merkels, die in Vergangenheit immer wieder erklärte, auch sie wolle keine ungebremste Zuwanderung, wolle verhindern, dass etwas wie im vergangenen Jahr noch einmal passiere, gehen in der aufgewiegelten Stimmung der allgemeinen Regierungskritik unter.

Dem "Wir schaffen das" setzen Gegner der Kanzlerin unreflektiert ein "Merkel muss weg" entgegen, findet Winterbauer. Er fragt: "Ist das vielleicht auch eine Art Rache des männlich dominierten Politik-Betriebs an der Machtfrau Merkel?"

Das Merkel-Phänomen trifft auch auf Clinton zu

Auch Kolumnist Jan Rübel argumentierte vergangene Woche in der Huffington Post ähnlich. Fehler von Frauen würden doppelt bestraft, das zeige sich nicht nur im Falle Angela Merkels, sondern auch etwa bei Hillary Clinton.

Deren Schwächeanfall bei einer Gedenkveranstaltung zum 11. September hatte landesweit für Zweifel an Clintons Führungsstärke gesorgt. Rübel glaubt, die Reaktion auf ihren Gesundheitszustand zeige, dass wir uns immer noch nicht an Frauen an der Macht gewöhnt haben.

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(bp)