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Syrische Armee erklärt Ende der Waffenruhe

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SYRIA
Syrische Armee erklärt Ende der Waffenruhe | LOUAI BESHARA via Getty Images
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  • Die Waffenruhe in Syrien wurde offiziell beendet
  • Die Aufkündigung kam von Seiten der syrischen Armee

Die syrische Armee hat das Ende der Waffenruhe erklärt. Das verkündete die staatliche Nachrichtenagentur Sana. Die Waffenruhe im Bürgerkriegsland war am vergangenen Montag in Kraft getreten. Die beiden Mächte Russland und die USA hatten diese hauptverantwortlich ausgehandelt.

Immer wieder kam es jedoch zu Verstößen gegen die Feuerpause. Das russische Militär erklärte, es sei bedeutungslos, ob syrische Regierungstruppen die Waffenruhe einhielten, da die Rebellen ohnehin dagegen verstießen. Die syrische Opposition erklärte die Waffenruhe schon zuvor für "klinisch tot".

Feuerpause wackelte von Beginn an

Die Feuerpause sei wiederholt verletzt worden und habe nicht dazu geführt, dass Hilfslieferungen in die belagerten und von Rebellen gehaltenen Gebiete hätten gelangen können, sagte George Sabra vom oppositionellen Hohen Verhandlungskomitee am Montag der Nachrichtenagentur AP.

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Russland und die USA hatten geplant, ab Montag einen Austausch militärischer Informationen zu beginnen. Voraussetzung war aber eine Einhaltung der Feuerpause.

Verstöße von allen Parteien

Die Opposition teilte ebenfalls am Montag mit, es habe seit Beginn der Feuerpause am 12. September 254 Verletzungen der Waffenruhe durch Regierungskräfte gegeben. Nach Angaben der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien wurden seit Beginn der Waffenruhe in Syrien 92 Menschen getötet.

Syrische Staatsmedien berichteten, allein am Sonntag habe es 32 Verstöße durch Rebellen gegeben.

Dutzende syrische Soldaten und Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat, die in der östlichen Provinz Dair as-Saur getötet wurden, werden in den Zahlen nicht mit eingerechnet. Von der Waffenruhe ausgenommen sind Angriffe auf den IS sowie die Extremistengruppe Dschabhat Fatah al-Scham, die frühere Nusra-Front.

Kampfflugzeuge der syrischen Regierung griffen laut dem staatlichen Fernsehen am Montag Stellungen des IS in der Provinz Dair as-Saur an. Dabei seien Gebiete wie der Berg Tharda oberhalb des Flughafens der Stadt Dair as-Saur ins Visier genommen worden. Die Gebiete liegen in der Nähe von Stellungen der syrischen Armee, die am Sonntag von der US-geführten Koalition attackiert worden waren.

An diesem Angriff waren auch australische, dänische und britische Kampfflugzeuge beteiligt. Das russische Militär erklärte unter Berufung auf das syrische Heer, dabei seien mindestens 62 syrische Soldaten verletzt und mehr als 100 verwundet worden. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte nannte die Zahl von 90 getöteten Soldaten.

Diplomatischer Clinch zwischen USA und Russland

Wegen dieses Luftangriffs waren Washington und Moskau am Wochenende aneinandergeraten. Die USA sprachen von einem Versehen, es hätten Kämpfer des IS getroffen werden sollen

Der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin nannte den Zeitpunkt des Luftangriffs verdächtig, weil er nur zwei Tage vor Beginn der geplanten Kooperation der USA und Russlands in Syrien erfolgt sei. Diese soll durch einen Informationsaustausch derartige Vorfälle verhindern. Präsident Baschar al-Assad warf den USA am Montag eine beispiellose militärische Aggression vor, letztlich dem IS helfe.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan kündigte eine neue Offensive auf eine vom IS gehaltene syrische Stadt an. Syrische Oppositionskräfte, die die Türkei mit Truppen und Panzern unterstütze, wollten auf Al-Bab vorrücken, um Terroristen aus der Region zu vertreiben, sagte Erdogan am Montag.

Al-Bab liegt in der nordsyrischen Provinz Aleppo. Die Offensive werde so lange andauern, bis das Gebiet keine Bedrohung mehr für die Türkei darstelle, sagte Erdogan.

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