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"Anne Will" zu Bautzen: Bei dieser Frage flippte der Bürgermeister aus

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ANN WILL
Der Bautzener Bürgermeister Alexander Ahrens bei "Anne Will" | ARD Mediathek
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Alexander Ahrens hat es nicht leicht. Er ist Oberbürgermeister von Bautzen - eine ostdeutsche Stadt, die sich zunehmend im Ruf sieht, das braunste Nest des Landes zu sein. In Anne Wills Talkshow mit dem Titel " Eskalation in Bautzen - Was steckt dahinter?" versuchte er tapfer, seine Stadt gegen diesen Ruf zu verteidigen.

Am Mittwochabend vergangener Woche gingen 20 minderjährige Flüchtlinge und 80 Rechte aufeinander los, Flaschen und Latten fliegen. Auf Videos auf Facebook und Twitter ist zu sehen, wie Rechte die Asylbewerber durch die Stadt jagen.

Rechte feiern sich auf Facebook als Sieger

Die Polizei befand, dass die Flüchtlinge angefangen hätten. Am Ende traf sie eine umstrittene Maßnahme. Die Flüchtlinge bekamen vom Landratsamt nachts Ausgehverbot und dürfen keinen Alkohol mehr trinken.

Die Rechten feierten dies später auf Facebook als einen Sieg. Sie verkündeten, dass sie erstmal auf weitere Demonstrationen verzichten und die weitere Entwicklung beobachten wollten. Sie wollen "wöchentlich neu entscheiden, ob wir mobilisieren oder ob die Veränderungen spürbar sind", schrieben sie auf Facebook. "Diktieren jetzt die Rechten Maß und Richtung?", fragt Will.

Jakob Augstein sieht das so. Für den Chefredakteur der linken Zeitung "Der Freitag" und Kolumnist beim "Spiegel", ist die Polizei Sachsens "ein Teil des Problems". Auch Politikwissenschaftler Hans-Gerd Jaschke legt nach: Ostdeutschland sei besonders betroffen vom Rechtsextremismus, und dies sei "ein langfristiges Problem".

Mehr zum Thema: "Anne Will" im Live-Stream: ARD-Talk über Bautzen online sehen

"Das sind alles Kindersoldaten"

Ahrens will seine Stadt vor dem Nazi-Stigma bewahren. Er weist darauf hin, dass er mit dem Slogan "Keine Politik gegen Flüchtlinge" Bürgermeister geworden sei. "Wenn Bautzen ein rechtes Nest wäre, wär so ein linker Vogel wie ich niemals gewählt worden", sagt er.

"Man muss auch mit Rechtsextremen reden, um die Probleme in den Griff zu bekommen", sagt er. Er meint das wörtlich. In einem Einspieler sieht man Ahrens, der sachlich versucht, mit einem deutlich alkoholisierten Bautzner zu reden. Er habe nichts gegen Ausländer, die "ihren Kebabstand haben", sagt dieser. Nur dass "die Neger hier da sind", das wolle er nicht.

"Das sind alles Kindersoldaten", ruft er. "Mit acht rennen die mit dem Speer auf den Löwen los", daher hätten sie auch keine Angst vor den Nazis. "Du mit deiner Angela Merkel!", wirft er dem parteilosen und als links geltenden Bürgermeister an den Kopf.

Man hat den Eindruck: Da muss jemand zu jeden Schwachsinn noch verständnisvoll nicken, damit der Mob sich beruhigt.

Anne Will: "Stehen Sie jetzt unter der Fuchtel der Rechten?"

"Der war alkoholisiert", sagt Ahrens in der Sendung später über die Situation. Aber er habe dem Mann nicht sagen wollen, dass er deshalb nicht mit ihm reden wolle. "Warum eigentlich nicht?", ruft Jakob Augstein von der Seite.

Bei einer Frage der Moderatorin ging Ahrens er Hut hoch. "Stehen Sie jetzt unter der Fuchtel der Rechten?", stichelte die.

"Wie kommen Sie denn auf den Trichter?", antwortet Ahrens entsetzt. "Fühlen Sie sich gefährdet, dass das wieder geschehen kann?", sagt Will im Hinblick auf die Krawalle der Rechten. "Das werden wir nicht tolerieren! Wäre ja auch noch schöner!", antwortet Ahrens.

Doch Will lässt nicht locker. Schließlich sei Bautzen die Stadt, in der im Februar Schaulustige eine brennende Flüchtlingsunterkunft bejubelt hätten und in welcher der Bundespräsident als "Volksverräter" beschimpft worden sei.

Diesen Vorfall hätten die Medien verzerrt dargestellt, so Ahrens. "Er war sechs Stunden in der Stadt“, sagt er über den Besuch Joachim Gaucks. "Ich war die ganze Zeit an seiner Seite. Er ist 30 Sekunden lang von sechs Leuten angeschrien worden." Das sei die einzige Szene gewesen, die später im Fernsehen gezeigt worden sei. "Das war eine tolle Meldung".

"Wenn das schon Medienschelte ist, dann mache ich gerne Medienschelte. Dann haben Sie es auch verdient!", sagt er der Moderatorin.

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