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Interne Dokumente: 80 Filialen von Tengelmann werden jetzt geschlossen

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TENGELMANN
80 Filialen von Kaiser's Tengelmann müssen laut einem internen Dokument schließen | JOHN MACDOUGALL via Getty Images
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  • Laut einem internem Dokument, aus dem die "Bild am Sonntag“ zitiert, sollen 80 Tengelmann-Filialen in Nordrhein-Westfalen jetzt geschlossen werden
  • 3.000 Mitarbeiter werden demnach ihren Job verlieren
  • Die Geschäftsführung rechnet mit einem Verlust von 90 Millionen Euro in diesem Jahr

Die Lage der von der Zerschlagung bedrohten Supermarktkette Kaiser's Tengelmann spitzt sich weiter zu. Nachdem die geplante Übernahme der Supermarkt-Kette Kaiser’s Tengelmann durch den Marktführer Edeka vorläufig gestoppt wurde, will Tengelmann nun Filialen schließen.

Der Zeitung "Bild am Sonntag“ liegen zwei interne Dokumente vor, die konkret Filialen nennen, die geschlossen werden sollen.

Besonders Nordrhein-Westfalen ist betroffen

Besonders hart wird es demnach die Mitarbeiter in Nordrhein-Westfalen treffen. Hier sind rund 4.000 Mitarbeiter beschäftigt, laut den Plänen werden 3.000 davon ihren Job verlieren. 34 Geschäfte seien hier nicht mehr zu retten.

16 Filialen davon wurden bereits geschlossen. Bisher wurde noch niemand entlassen. Mitarbeiter konnten bisher in anderen Filialen untergebracht werden, andere verließen das Unternehmen freiwillig. Den Mitarbeiter in den restlichen 18 Filialen allerdings soll gekündigt werden.

Auf der zweiten Liste stehen 46 Filialen, die eigentlich Edeka übernehmen wollte. Doch nun ist der Deal geplatzt und die Geschäfte stehen vor dem Aus. Die Mitarbeiter müssen um ihren Job zittern.

"Ordnungsgemäßer Geschäftsbetrieb kann nicht mehr garantiert werden"

Auch in Berlin und Bayern soll es zu Schließungen und Kündigungen kommen, beide Gebiete schrieben größtenteils immer noch rote Zahlen.

Der "Bams“ liegt weiterhin ein Brief von Geschäftsführer Raimund Luig an Tengelmann-Besitzer Erivan Haub vor. Im Geschäftsjahr 2015/16, das bis Oktober geht, mache Kaiser’s Tengelmann demnach einen Verlust von 90 Millionen Euro, der Umsatz sei um 13,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen, "zuletzt mit stark zunehmender Tendenz“.

Aus diesem Grund könne Luig „aus heutige Sicht eine ordnungsgemäße Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes nicht mehr garantieren“.

Habe es im Oktober 2014 noch 475 Filialen gegeben, werde die Zahl Ende 2016 auf 405 gesunken sein, heißt es weiter in dem Brief. Die Schließung weiterer 25 Filialen sei für 2017 bereits geplant. Zudem verliere man weiter Mitarbeiter.

Spitzentreffen nächste Woche

Unterdessen kommt Bewegung in die festgefahrene Lage. Bei einem Spitzentreffen kommende Woche wollen alle Beteiligten versuchen, die Krise zu entschärfen. Das Gespräch solle kurzfristig Anfang der Woche stattfinden, erfuhr die Deutsche Presseagentur "dpa" von einer mit der Sache vertrauten Person.

Neben den Vertretern Tengelmanns sollen auch Edeka, der Konkurrent Rewe und die Gewerkschaft Verdi mit am Tisch sitzen. Die "Süddeutsche Zeitung" hatte zuvor berichtet, Rewe-Chef Alain Caparros habe in einem Brief seine Gesprächsbereitschaft betont.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte eine Fusion von Edeka und Kaiser’s Tengelmann eingefädelt, unter der Bedingung, dass Edeka den Erhalt von knapp 16.000 Jobs für mindestens sieben Jahre garantiere. Tengelmann schrieb seit dem Jahr 2000 rote Zahlen. Das Oberlandgericht Düsseldorf stoppte die Ministererlaubnis der Fusion der Ketten. Das Gericht hatte dem Minister Befangenheit vorgeworfen.

Mit Material der dpa.

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(lp)