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Das ist der Grund dafür, warum der Siegeszug der AfD vorerst gebremst ist

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Es gibt sie noch, die guten Nachrichten an Wahlabenden in diesem Jahr.

Zwar haben auch in Berlin erschreckend viele Bürger der AfD ihre Stimme gegeben. Und trotzdem ist das Wahlergebnis ein Dämpfer für die Partei – wenn man sie an den eigenen Erwartungen misst.

Der Berliner AfD-Vorsitzende Georg Pazderski hatte große Ziele bei dieser Wahl. Zweitstärkste Kraft wollte die AfD werden, das hatte der Politiker auch in der vergangenen Woche noch mehrfach wiederholt. Nun ist die AfD die Nummer fünf in der Hauptstadt, hinter SPD, CDU, Grünen und der Linken.

Mit der Rolle als Oppositionsführerin wird es diesmal also nichts. Aber auch was den Anteil der Stimmen betrifft, blieb die AfD hinter ihren eigenen Erwartungen zurück. Für die Rolle als zweitstärkste Kraft hätte die Alternative für Deutschland ein Ergebnis von etwa 18 bis 19 Prozent erreichen müssen, das war schon vor der Wahl klar.

AfD blieb schon in Niedersachsen und Meckleburg-Vorpommern hinter den eigenen Erwartungen zurück

Und noch am Mittwoch hatte Pazderski in einer Pressemitteilung Umfragewerte von 15 Prozent implizit als realistisch (wörtlich: „solide“) bezeichnet.

Nun sind es 14 Prozent geworden. Im Westen der Stadt kam die AfD gerade einmal auf 11,5 Prozent der Stimmen.

Damit setzt sich ein Trend fort, der sich schon bei den Kommunalwahlen in Niedersachsen vor einer Woche zeigte. Auch dort verfehlte die AfD mit 7,8 Prozent ihr selbst gestecktes Ziel, zehn Prozent der Stimmen zu erreichen.

Und noch etwas fällt mit Blick auf das Berliner AfD-Ergebnis auf: Zum zweiten Mal seit 2013 gelang es der Partei bei einer größeren Wahl nicht, ihre Umfragewerten zu übertreffen. Das ist besonders auffällig, wenn man sich die Zahlen zu den Landtagswahlen in diesem Jahr anschaut.

Anderen Parteien gelingt Mobilisierung auch

In Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt lag die AfD in den Wahlumfragen der Vorwahlwoche drei bis sechs Prozentpunkte unter dem tatsächlich erreichten Wahlergebnis. Dabei konnte die Alternative für Deutschland stets von einer gestiegenen Wahlbeteiligung profitieren. Die Partei mobilisierte vor allem frühere Nichtwähler.

Außerdem könnte ein Faktor wichtig gewesen sein, den die Kommunikationswissenschaftlerin Elisabeth Noelle-Neumann schon vor Jahrzehnten in ihrer Forschung beschrieben hat: Wähler von rechten Parteien scheuen sich oft aus Angst vor negativen Reaktionen, ihre Wahlabsicht zu offenbaren. Dadurch ist das eigentliche Potenzial von rechten Parteien häufig größer, als dass sich dies durch Umfragen feststellen ließe.

In Mecklenburg-Vorpommern fiel dieser Faktor bereits weg. Die AfD lag in der Woche vor der Wahl bei den Umfragen von INSA und der Forschungsgruppe Wahlen bei 23 Prozent, letztlich wurden es 20,8 Prozent.

Kampf gegen die AfD beginnt jetzt erst richtig

Das ist für sich genommen natürlich immer noch ein sehr hohes Ergebnis. Aber offenbar rechnete die AfD selbst damit, dass ihr Potenzial höher ist: Denn eigentlich wollte die rechte Partei im Norden stärkste Kraft werden.

Diese Zahlen zeigen vor allem zwei Dinge. Erstens: Eine gestiegene Wahlbeteiligung kommt nicht mehr nur allein der AfD zugute. In Berlin konnte beispielsweise auch die FDP ein Viertel ihrer Stimmen aus dem Pool der bisherigen Nichtwähler generieren. Das ist ein bemerkenswerter Erfolg.

Zweitens: Die deutsche Gesellschaft ist durch den Siegeszug der Rechtsradikalen politischer worden. Offenbar gelingt es nun auch den etablierten Parteien, im Kampf gegen die AfD ihre Wähler zu mobilisieren. Bei Wahlen in diesem Land geht es wieder um etwas.

Genau das ist das positive Fazit, das sich aus der Berlin-Wahl ziehen lässt: Wenn die AfD-Vorsitzende Frauke Petry mit einer Debatte um den Begriff „völkisch“ die Grenzen des Systems austestet, schauen die Demokraten in diesem Land nicht mehr hilflos zu. Auch das dürfte die Ausgangslage für die AfD bei kommenden Wahlen nicht einfacher werden lassen.

Die politische Auseinandersetzung mit der AfD ist damit freilich nicht vorbei. Sie hat gerade erst so richtig begonnen.

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