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Russischer Milliardär: „Russland wird bis zum Jahr 2020 nicht überleben"

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PUTIN
Der russische Milliardär Sergej Petrow sieht Russland kurz vor dem Abgrund | ASSOCIATED PRESS
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  • Der russische Milliardär und Parlamentsabgeordnete Sergej Petrow sieht Russland kurz vor dem Abgrund
  • Die verkommenen Strukturen seien zu festgefahren, als dass sie reformiert werden könnten
  • Am Sonntag sind die russischen Bürger aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen

Noch sitzt der Milliardär Sergej Petrow im Parlament. Bei der Wahl am Sonntag möchte er jedoch nicht mehr antreten. Er sieht das russische Abgeordnetenhaus genauso im Niedergang begriffen – wie Russland insgesamt.

In einem Interview mit der russischen Tageszeitung "Wedomosti" – das auf dem Blog "Dekoder.org" auf Deutsch erschien – sagt er seinem Land nun den baldigen Kollaps voraus.

„Der Point of no return liegt hinter uns“

Neun Jahre war Petrow Abgeordneter. Sein Geld verdient er in der Automobilbranche, er ist Russlands größter Autoimporteur.

Die Diagnose für sein Land fällt im Interview düster aus: "Ich weiß, dass wir einen Weg eingeschlagen haben, der höchstwahrscheinlich keinen evolutionären Ausweg mehr bietet, der 'Point of no Return' liegt hinter uns, und das System wird voraussichtlich mit einem Riesenkrach in sich zusammenstürzen, wie alle festgefahrenen Strukturen."

Da sei einerseits das Parlament, dass nur Gesetze machen würde, die einer Fraktion gut täten – nicht aber dem Land. "Die Kollegen in den Ausschüssen sehen sich dann an, wie gut das Gesetz durchgeht und wer es eingebracht hat. Der Präsident? Dann bloß nicht diskutieren. Die Regierung? Da kann man schon mal was sagen. Hör mal, heißt es dann, das ist doch dein Vorschlag, du profitierst sicher davon, komm, gib uns auch was ab", beschreibt er die nach seinen Aussagen "verkommene Struktur".

Russland steckt in einer schweren Rezession

Und da ist andererseits die wirtschaftliche Lage: Seit längerem steckt Russland in einer schweren Rezession. Grund ist vor allem der Preisverfall von bis zu 70 Prozent beim Erdöl, einem der wichtigsten Exportgüter. Auch die Armut steigt, die Reallöhne befinden sich im freien Fall.

14 Prozent in der Bevölkerung forderten in Russland ein westliches, differenzierteres Verständnis, sagt Petrow. „Ihr Einfluss wird sich jetzt vergrößern, weil die Wirtschaft langsam zum Erliegen kommt.“

Petrow: „Russland wird bis zum Jahr 2020 nicht überleben“

Reformen aber werden Russland nicht die Wende bringen, glaubt der Milliardär: „Wenn Sie historische Parallelen finden, wo ein System reformiert werden konnte, das ein solches Niveau des Niedergangs erreicht hat, ändere ich gern meine Meinung. Ich bin zwar kein Historiker, aber ich glaube nicht, dass es solche Beispiele gibt.“

Statt Reformen nehme die russische Politik lieber die Katastrophe in Kauf. Und die steht für Petrow kurz bevor. Wann es so weit sei, könne er aber nicht voraussagen, sagt er im Interview mit „Wedomosti“.

In der englischsprachigen Zeitung „The Moscow Times“ wagte Petrow allerdings schon vor einiger Zeit zuvor eine präzisere zeitliche Prognose: „Ich bin mir fast sicher, dass es Russland nicht möglich sein wird, in seinen jetzigen Grenzen bis zum Jahr 2020 zu überleben.“

Einer der wenigen Putin-kritischen Abgeordneten

Wie sehr diese düsteren Vorhersagen des Parlamentsabgeordneten zutreffen, bleibt abzuwarten. Das Interview mit „Wedomosti“ kurz vor der Parlamentswahl dürfte Petrow vor allem dazu genutzt haben, um im Wahlkampf gegen den Kreml-Chef Wladimir Putin Position zu beziehen.

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In der Vergangenheit zeigte sich Petrow bereits als scharfer Kritiker Putins. Wie die Tageszeitung „Die Welt“ schreibt, sei er in den letzten Jahren auch dadurch aufgefallen, dass er fast als einziger im Parlament gegen bedenkliche Gesetze gestimmt habe – wie etwa gegen die Annexion der Krim.

Parlamentswahl als Stimmungstest für Putin

Bei der Parlamentswahl am Sonntag will die Partei Putins, „Geeintes Russland“, trotz einer tiefen Wirtschaftskrise ihre Macht festigen. Im größten Flächenland der Erde sind nach offiziellen Angaben 111 Millionen Menschen aufgerufen, ihre Stimme abzugeben.

Die Wahl gilt zugleich als Stimmungstest vor der Präsidentenwahl 2018, bei der Staatschef Putin absehbar wieder antreten wird.

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