Huffpost Germany

Weltbekannter Ökonom fordert die weitgehende Abschaffung des Bargelds

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken
  • Der Ökonom Kenneth Rogoff fordert die Abschaffung des Bargelds
  • So soll die Kriminalität bekämpft und eine neue Finanzkrise verhindert werden
  • Eine Zusammenfassung seht ihr im Video oben

Der Star-Ökonom Kenneth Rogoff fordert die Abschaffung des Bargelds - und zwar möglichst vor der nächsten Finanzkrise. In einem Interview mit der Tageszeitung "Die Welt" nennt er zwei Gründe, warum vor allem große Scheine verschwinden sollten.

Ein großer Teil des Bargelds kursiert in illegalen Kreisen

Die Geldscheine mit hohen Werten etwa seien aus dem legalen Wirtschaftskreislauf einfach verschwunden. "Nur ein ganz kleiner Teil wird legal genutzt, der Rest kursiert unter Kriminellen, Handwerkern, die schwarzarbeiten, und Menschen, die ihre Steuern nicht gezahlt haben", sagt der Ökonom. Würde man die großen Geldscheine abschaffen, würde man den Kriminellen das Handwerk erschweren, begründet Rogoff seine Forderung.

Außerdem entfiele damit auch die lästige Überprüfung von Geldscheinen bei Ladenkäufen. In Selbstversuchen habe Rogoff gemerkt, wie unpraktisch das Bezahlen mit 50- oder 100-Dollarnoten sei: "Ganz im Ernst, ich habe damit experimentiert, mit großen Scheinen zu bezahlen, um die Reaktionen zu testen. Meistens mussten die Kassierer den Schein drei anderen Leuten zeigen, bevor sie ihn annehmen durften, und ich bin oft nach meinem Ausweis gefragt worden."

Sparer sollten zu Hause kein Geld mehr horten

Als zweiten Grund für die Abschaffung des Bargelds nennt der Ökonom, dass in Zukunft vielleicht Negativzinsen notwendig sein werden: "Eines Tages werden wir eine neue schwere Finanzkrise bekommen, und dann könnten wir negative Zinsen von minus sechs oder minus fünf Prozent brauchen, um schnell aus der Krise zu kommen."

Mehr zum Thema: So schaffen die Skandinavier das Bargeld ab

Negativzinsen aber würden nicht funktionieren, solange Sparer panisch ihr Geld abheben könnten, um es zu Hause zu horten. "Auch deshalb sollte es die großen Noten nicht mehr geben."

EZB hat 500-Euro-Schein schon abgeschafft

Wer jetzt fürchtet, seine Brötchen nur noch mit der Karte bezahlen zu können, den möchte Rogoff aber beruhigen: "Aber Sie müssen sich gar keine Sorgen machen; ich will Bargeld gar nicht komplett abschaffen. Den Zehner würde ich behalten, vielleicht auch den Zwanziger und natürlich Münzen."

Der US-Amerikaner Kenneth Rogoff gilt als einer der versiertesten Finanzwissenschaftler. Er ist Professor an der Universität in Harvard.

Erste Schritte in Richtung von Rogoffs Forderung gibt es bereits. Im Mai hatte etwa der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) beschlossen, die Ausgabe des 500-Euro-Scheins gegen Ende 2018 einzustellen.

Besitzt ihr noch alte D-Mark? Dann könntet ihr bald Hunderte Euro reicher sein

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.


Kindern helfen

Seit Jahren schon warnen Experten, dass allein in Deutschland jedes fünfte Kind in Armut lebt. Viel schwieriger noch die Situation von Kindern in Südeuropa, Afrika oder Südasien. Doch was fehlt ihnen wirklich? Wie kann man ihnen wirkungsvoll helfen?

Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post einige spannende Projekte, die jeder unterstützen kann.

Die Initiative Anderes Sehen e.V. etwa kümmert sich um die frühkindliche Förderung von blinden Kindern - ein Bereich, den die beiden Gründer zuvor als zutiefst vernachlässigt erfahren haben.

Nun setzen sie sich für Chancengleichheit für blinde Kinder ein. Anderes Sehen e.V. bietet Blindenstöcke für Kinder, die ihre ersten Schritte wagen, und entwickelt liebevoll gestaltete Tast-Bilderbücher.

Zudem hat die Initiative die Echoortungsmethode Klicksonar nach Deutschland geholt und bietet hierfür Schulungen an. Auch die Aufklärung von Betreuungspersonen und die Bereitstellung von Vorschulmaterialien gehören zum Angebot von Anderes Sehen e.V.

Unterstütze das Projekt jetzt und spende auf betterplace.org.

Willst auch Du Spenden für Dein soziales gemeinnütziges Projekt sammeln? Dann registriere Dich und Dein Projekt jetzt auf betterplace.org.