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"Es war nie so schwer, ein Kreuz zu machen": Diese jungen Berliner erklären, was das Wahlergebnis für ihre Zukunft bedeutet

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BERLIN YOUTH
Four young adults in city | Valentin Casarsa via Getty Images
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Alle Augen blicken auf die Bundeshauptstadt Berlin. Die Wahlen und die damit verbundenen politischen Konstellationen, gelten als Blaupause für die nächste Bundestagswahl im Herbst 2017.

Die Zahlen sind nicht unbedingt überraschend und deuten auf eine rot-rot-grüne Koalition hin. Die AfD und die FDP ziehen in den Landtag ein. Die CDU verliert 5,4 Prozentpunkte, ähnlich wie die SPD.

Wie der RBB berichtet, ist die Wahlbeteiligung deutlich höher als bei der Wahl des Abgeordnetenhauses 2011: 53,1 Prozent der Wahlberechtigten hatten bis 16:00 Uhr ihre Stimme abgegeben. Inzwischen spricht der Tagesspiegel von 67 Prozent.

Auch viele junge Menschen hat es dieses Jahr in der Hauptstadt an die Wahlurnen gezogen. Die Huffington Post hat sechs junge Berliner gefragt, was die Wahl und ihre Ergebnisse für sie bedeutet.

Ich musste mich zwischen Pest und Cholera entscheiden

Jana Seelig (28) arbeitet als freie Autorin und Bloggerin. Im November 2014 zog sie das Interesse der Öffentlichkeit auf sich, als sie auf Twitter ganz offen über ihre Depressionserkrankung sprach. Seitdem ist sie regelmäßig Gast in Radio- und TV-Sendungen.

"Bei keiner Wahl zuvor ist es mir so schwer gefallen, überhaupt ein Kreuzchen zu machen. Ich sprach im Vorfeld mit so vielen Politikern wie möglich und beschäftigte mich intensiv mit den Wahlprogrammen, und doch hatte ich am Ende den Eindruck, mich zwischen Pest und Cholera entscheiden zu müssen."

"Bei meiner allerersten Wahl dachte ich noch, meine Stimme könne die Welt verändern. Heute bin ich mir da nicht mehr so sicher. Am Ende habe ich mein Kreuzchen in der Hoffnung gesetzt, dass es verhindert, dass die rechten Parteien noch mehr an Macht gewinnen."

"Weg vom rot-schwarzen Chaos-Senat"

Emma Sammet (21) ist Sprecherin der Grünen Jugend in Berlin. Sie studiert Rechtswissenschaften. Ihre Herzensthemen sind Ökologie und soziale Gerechtigkeit.

"Berlin hat gewählt und sehr viele Berliner und Berlinerinnen haben ihre Stimme abgegeben. Dabei haben sie gestimmt für einen Wechsel, weg von dem rot-schwarzen Chaos-Senat, der unbeliebtesten Landesregierung Deutschlands."

"Jetzt können die Weichen gestellt werden für ein ökologisches und soziales Berlin. Das bedeutet Investitionen in die Infrastruktur, in Radverkehr, Verwaltung und Schulen."

"Dass viele Menschen für Rechtspopulismus gestimmt haben, ist erschreckend. Jede Stimme für Rassismus und Menschenfeindlichkeit in einem Parlament ist eine zu viel."

"Wir sind eine Stadt für Jedermann!"

Friederike Hintze (27) ist freie Journalistin und wohnt in Berlin-Friedrichshain. Seit einigen Jahren arbeitet sie als Journalistin und freie Autorin im Lifestyle-, Travel- und Beautybereich.

"Gerade in Zeiten wie diesen sind die Berliner Wahlen besonders wichtig. Denn jetzt geht es darum, ein klares Zeichen nach außen zu senden: Gegen kleinbürgerlichen Nationalismus, für die Weltoffenheit."

"Denn eben diese Weltoffenheit ist es, die Vermischung aller Kulturen, aller Sprachen und aller Nationalitäten, was Berlin so besonders so einzigartig macht. Wir sind eine Stadt für Jedermann! Und das wollen wir auch bleiben.“

"Die Parteien müssen sich von der AfD abgrenzen"

Annika Klose ist seit 2015 Landesvorsitzende der Jusos in Berlin. Sie studiert Sozialwissenschaften und sieht sich selbst als Jungsozialistin, Feministin und Internationalistin.

"Mit der AfD ist eine rechtspopulistische Partei in die Berliner Parlamente eingezogen, die gegen den freien und weltoffenen Lebensentwurf Berlins steht. Die AfD vertritt extrem rechte Positionen."

"Große Teile der AfD sind offen rassistisch, homophob und sexistisch. Die Jusos werden in den nächsten 5 Jahren genau aufpassen, dass die AfD keine politischen Erfolge erlangt und all ihre Vorschläge zurückgeschlagen werden."

"Wir fordern alle demokratischen Parteien dazu auf, sich eindeutig von der AfD abzugrenzen.“

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"Ab jetzt gibt es keine starke linke Opposition mehr"

Jonathan-Benedict Hütter (20) ist Auszubildender in einer Bäckerei und gleichzeitig der Bundesvorsitzende der Jungen Piraten. Der Jungpolitiker betrachtet das Ergebnis der Wahlen mit gemischten Gefühlen.

"Mit Blick auf die wahrscheinlichste Koalition von Rot-Grün-Rot sehe ich die Gefahr, dass es keine linke Opposition im Abgeordnetenhaus mehr geben wird."

"Ein solch großer oppositioneller Einfluss durch die rechten Parteien AfD und CDU bereitet mir große Sorge. Dass es die Piratenpartei nicht ins Abgeordnetenhaus geschafft hat, bedaure ich sehr, sehe es jedoch eher als Ansporn, noch mehr junge Menschen von der piratigen Politik zu überzeugen."

"Wir werden der AfD das Leben so schwer wie möglich machen"

Mia Paulsen studiert Geschichte und engagiert sich als Landessprecherin der Linksjugend ['solid] in Berlin.

"Den aktuellen Ergebnissen zufolge wird die AfD ins Abgeordnetenhaus einziehen. Da gibt es leider nichts schönzureden. Dass sie mit ihrer Hetze auch in Berlin Stimmen gewinnt, ist jedoch nicht verwunderlich."

"Wir werden der AfD das Leben so schwer wie möglich machen, auch wenn die AfD ins Abgeordnetenhaus einzieht und sich als vermeintlich demokratische Partei präsentiert."

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