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SPD gewinnt in Berlin - mit dem schlechtesten Ergebnis seit dem Krieg

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MICHAEL MUELLER
Erste Prognosen: CDU erleidet Schlappe bei Berlin-Wahl, AfD landet wohl auf dem 5. Platz | Pacific Press via Getty Images
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  • Die SPD erleidet bei der Wahl in Berlin heftige Stimmenverluste - gewinnt aber trotzdem
  • Die rot-schwarze Koalition hat nun keine Mehrheit mehr
  • Die AfD ist stärker als in den ersten Prognosen erwartet und landet bei 14, 2 Prozent

Mit diesem paradoxen Wahlergebnis kann keiner zufrieden sein. Die SPD fährt ein historisch schlechtes Wahlergebnis ein - gewinnt die Abstimmung aber trotzdem. Die Ära von Rot-Schwarz in Berlin scheint vorbei. Eine sehr wackelige Dreierkoalition aus SPD, Linken und Grünen zeichnet sich ab.

Hier sind sieben Fakten, die ihr über das Berliner Wahlergebnis wissen müsst:

1. SPD gewinnt - mit dem schlechtesten Ergebnis seit dem Krieg

Nach dem vorläufigen Ergebnis erreichte die SPD 21,6 Prozent (2011: 28,3). Somit hat die SPD die Wahl zwar gewonnen und stellt wohl auch weiter den Regierungschef. Doch Michael Müller fuhr das schlechteste Berlin-Ergebnis seiner Partei seit dem Zweiten Weltkrieg ein. Noch nie in Deutschland gewann eine Partei eine Landtagswahl mit so miesen Zahlen. Den Sieg verdanken die Sozialdemokraten einer Analyse der Forschungsgruppe Wahlen ausgerechnet ihrem schwachen Koalitionspartner CDU - und dem doch recht beliebten Müller.

2. Union verliert und fliegt aus der Regierung

Die Union kam mit 17,6 Prozent auf Platz zwei (2011: 23,3). Die Christdemokraten gehören somit zu den größten Verlieren der Wahlnacht. Es ist das schlechtestes Ergebnis in der Nachkriegsgeschichte - unter 18 Prozent. Eine rot-schwarze Koalition ist mit diesem Ergebnis nicht mehr möglich. Somit fliegt die Union auch aus der Berliner Regierung. Sie fühlten sich "leer", sagen Anhänger auf der Wahlparty. Personelle Konsequenzen schließt der Spitzenkandidat und Landesvorsitzende Frank Henkel zunächst trotzdem aus. Am Montag wird er sich mit der Parteispitze darüber unterhalten müssen.

3. Die Linkspartei gewinnt - und attackiert gleich den möglichen Koalitionspartner

Einer der großen Wahlsieger ist die Linkspartei. Sie landete mit 15,6 Prozent auf Platz drei (2011: 11,7) und überflügelte knapp die Grünen. Die Linke hat als einzige der im Bundestag vertretenen Parteien Stimmanteile gewonnen. Im Osten Berlins ist sie stärkste Kraft. Außerdem hat sie gute Chancen, in die neue Regierung einzuziehen. An die AfD verlor die Linke nicht so viele Stimmen wie befürchtet. "Ich hätte das so nicht für möglich gehalten", sagt Spitzenkandidat Klaus Lederer - um sogleich Ansprüche zu formulieren: Wenn die SPD eine linke Koalition anstrebe, müsse sie sich ändern.

4. Die Grünen verlieren - aber träumen von einer Regierungsbeteiligung

Die Grünen verbuchten 15,2 Prozent verbuchten (2011: 17,6) und verloren somit Stimmen. Sie haben einerseits gute Chancen, mit SPD und Linken zusammen ins Rote Rathaus einzuziehen. Doch verglichen mit 2011 haben sie auch deutlich verloren.

Nach leichten Verlusten setzen die Grünen ganz auf die Karte Regierungsbeteiligung. "Die Leute wollen eine seriöse Regierung, wir können das", sagt Bundesparteichef Cem Özdemir am Wahlabend - und meint damit wohl zunächst die Regierungsbildung in der Hauptstadt.

5. Die AfD siegt - aber nicht so hoch, wie befürchtet

Die AfD kam auf 14,2 Prozent und sitzt nun in 10 von 16 Landesparlamenten. Die Rechtspopulisten holten fünf Direktmandate. Auf der AfD-Wahlparty räumten einige zwar ein, sie hätten sich mehr versprochen. Doch mit rund 14 Prozent schneidet die AfD für die sonst so linke Hauptstadt definitiv stark ab. Wer das in Berlin könne, könne es auch im Bund, hört man. Dazu gewinnen die Rechtspopulisten mindestens drei Direktmandate. Hinzu kommen voraussichtlich sieben Stadtrats-Posten, also Verwaltungsmacht in den Bezirken.

6. Die FDP kehrt zurück

Die FDP kehrt mit 6,7 Prozent ins Parlament zurück (2011: 1,8). Die Spitze der Freidemokraten wertet die Rückkehr ins Berliner Abgeordnetenhaus als Rückenwind für die Bundestagswahl 2017. "Weit über diese Stadt hinaus ist das ein Signal", freut sich Parteichef Christian Lindner.

7. Die Piraten sind jetzt offiziell Geschichte

Erwartungsgemäß flogen die Piraten mit 1,7 Prozent (2011: 8,9) raus. Sie sind bei der Berlin-Wahl am Sonntag noch hinter der Satirepartei "Die Partei" und hinter der Tierschutzpartei gelandet. Sie erreichten nur noch 1,7 Prozent - 0,2 Punkte weniger als die Tierschutzpartei und 0,3 Punkte weniger als "Die Partei". Bei der vergangenen Abgeordnetenhauswahl 2011 waren die Piraten noch mit 8,9 Prozent überraschend deutlich ins Parlament eingezogen.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Parteigremien von CDU und SPD beraten heute über die Konsequenzen. Zwar kann der Regierende Bürgermeister Michael Müller im Roten Rathaus weitermachen, er muss sich als Wahlsieger mit dem magersten Ergebnis aller Zeiten aber zwei Partner suchen.

Nun zeichnet sich in Berlin ein rot-rot-grünes Bündnis ab - das bundesweit erste unter Führung der SPD. Müller kündigte Sondierungsgespräche mit allen Parteien außer der AfD an und fügte mit Blick auf die CDU hinzu: "Ich sehe mehr Schnittmengen mit Grünen und Linken."

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