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Konzern könnte "ausbluten": Hunderttausende Kunden fordern Entschädigung von VW

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VOLKSWAGEN
Teile in der VW-Produktion | Fabian Bimmer / Reuters
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  • Ein Jahr nach Beginn der Dieselaffäre rollt eine Klagewelle auf VW zu
  • Mehr als 100.000 Kunden aus ganz Europa wollen von dem Konzern eine Entschädigung

In der Abgas-Affäre bei Volkswagen fordern nach Informationen von "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR insgesamt mehr als 1700 Aktionäre rund acht Milliarden Euro Schadenersatz von dem Autokonzern. Bei den Klägern handelt es sich um mehr als 1000 Kleinaktionäre und mehr als 700 größere Investoren.

Beim Landgericht Braunschweig gehen in diesen Tagen zahlreiche neue Schriftsätze mehrerer Kanzleien ein. Der Tübinger Anleger-Anwalt Andreas Tilp will am Montag Klagen im Wert von mehr als zwei Milliarden Euro einreichen.

VW weist Vorwürfe zurück

Tilp will dadurch vermeiden, dass Ansprüche verjähren. Die Abgas-Affäre hatte vor genau einem Jahr begonnen. US-Behörden hatten Manipulationen von VW bei den Schadstoffwerten von Diesel-Fahrzeugen enthüllt.

Die in Braunschweig klagenden Aktionäre werfen VW vor, die Anleger viel zu spät über die manipulierten Abgas-Werte informiert zu haben. Die Aktionäre verlangen Schadenersatz für den Kursverlust ihrer Papiere. Tilp hatte bereits vor einem halben Jahr ersten Klagen über 3,25 Milliarden Euro eingereicht. VW weist die Vorwürfe zurück.

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Für die Käufer der betroffenen Diesel-Fahrzeuge will der US-Anwalt Michael Hausfeld international Schadensersatzklagen koordinieren und vorantreiben. Zu diesem Zweck will der Jurist am 17. Oktober in Berlin oder Brüssel Kollegen aus Europa, Australien und Neuseeland versammeln, um seine Pläne vorzustellen und voranzutreiben.

100.000 VW-Kunden fordern Entschädigung

Hausfeld hat zusammen mit anderen Anwälten bereits in den USA hohe Schadenersatzzahlungen durchgesetzt. Dort geht es allerdings nur um rund 500.000 VW-Kunden. In Europa besitzen um 8,5 Millionen Käufer Volkswagen-Fahrzeuge mit geschönten Schadstoffwerten.

Mehr zum Thema: Experte warnt vor Insolvenz - "VW muss mit "existenzbedrohenden Strafen" rechnen

Im Gegensatz zu Hausfeld strebt der frühere Bundesinnenminister Gerhard Baum für VW-Kunden einen außergerichtlichen Vergleich mit dem Autokonzern an. Die Kanzlei Baum, Reiter & Collegen kooperiert mit der gemeinnützigen niederländischen Stiftung Car Claim (Auto-Klage), bei der sich bereits 100.000 VW-Kunden aus Europa registrieren ließen.

"Wir müssen zu einer vernünftigen Einigung mit VW kommen", sagte Baum zu "SZ", NDR und WDR. Man müsse im Auge haben, "dass der Konzern nicht ausblutet". Baum geht auf Distanz zu anderen Anwälten. "Die US-Kanzleien kassieren ja ganz anders ab", kritisiert der Ex-Minister. Zu dem von Hausfeld organisierten Treffen im Oktober wird Baum voraussichtlich nicht eingeladen.

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