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Wegen angeblicher Sexvideos: Syrer "schächtet" seine Schwester

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HANAU SYRER ERSTICHT SCHWESTER
Am Landgericht in Hanau wird einem 22-jährigen Syrer der Prozess gemacht, der seine Schwester erstochen hat | dpa
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  • Am Landgericht Hanau wird einem 22-jährigem Syrer der Prozess gemacht
  • Er hat gestanden, seine 30-jährige schwangere Schwester niedergestochen zu haben, weil sie Sexvideos an ihren Geliebten verschickt hätte

Im Januar diesen Jahres hatte ein 22-jähriger Syrer seine schwangere Schwester in deren Hanauer Wohnhaus niedergestochen. Jetzt wird ihm am Landgericht Hanau wegen Todschlags der Prozess gemacht.

Wie die Tageszeitung "Welt“ berichtet, handelt es sich bei der grauenvollen Tat um eine kulturell geprägte Tat wegen einer vermeintlich verletzten Familienehre.

Schwester schickte ihrem Liebhaber angeblich Sexvideos

Prozessbeteiligte hätten ausgesagt, die 30-jährige Schwester des Angeklagten, Ramia A., sei ihrem Ehemann fremd gegangen. Rund 80 Sexvideos soll sie ihrem Liebhaber geschickt haben. Belege für die Videos aber existieren nicht mehr. Die Speicherkarte wurde beschädigt, der Empfänger wiederum hat die Clips gelöscht.

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Der Ehemann von Ramia A. konfrontierte die beiden Brüder. Er drohte, die Affäre samt ihrer pikanten Details öffentlich zu machen und die Familie anzuprangern.

Als er Ramia A. als "Schlampe" beschimpfte, kam es zur Bluttat.

"Abgeschlachtet wie ein Schaf"

Zuerst wurden die Brüder nur handgreiflich. Im Treppenhaus griff Mostafa dann seine Schwester mit einem Küchenmesser an. Insgesamt 15 Mal stach er auf sie ein. Oberstaatsanwalt Jürgen Heinze sagte in seinem Plädoyer am Freitag: "Für mich ist Ramia abgeschlachtet worden wie ein Schaf." Das Opfer sei mit gezielten, wuchtigen Messerhieben in die Luftröhre "geschächtet" worden.

Der ältere Bruder, Mohammed A. (26), sah seine röchelnde Schwester – ohne sich um sie zu kümmern. Er räumte lediglich ein, Ramias Ehemann gewürgt zu haben. Mohammed ist nur wegen Körperverletzung angeklagt. Nach der Tat flüchteten die Brüder mit einem Taxi. Am nächsten Tag wurden sie bei Trier von der Polizei gefasst.

Mostafa A. bereut seine Tat

Der Staatsanwalt fordert nun eine lebenslängliche Freiheitsstrafe. Er sieht den Tatbestand des Totschlags in besonders schwerem Fall erfüllt. Der Verteidiger von Mostafa A. dagegen plädiert für eine neunjähriger Haftstrafe. Für ihn war es eine Tat im Affekt, eine Kurzschlusshandlung, ausgelöst durch die Provokationen des Ehemanns Ramias.

Mostafa A. bereut seine Tat. Nach eigenen Aussagen kann er sich nicht erklären, wie es zu der Bluttat gekommen ist.

Psychiatrisches Gutachten findet keine Beeinträchtigung

Weil es sich bei dem Angeklagten um einen Bürgerkriegsflüchtling aus Syrien handelt, wurde für die Gerichtsverhandlung auch ein psychiatrisches Gutachten angefertigt. Der Gutachter fand keine Beeinträchtigung bei Mostafa A. vor, er sei vollkommen steuerungs- und einsichtsfähig. Nach Angaben des Gutachters sprechen die Stichwunden Ramias für ein gezieltes Vorgehen, nicht für eine wilde Affekt-Tat.

Das Urteil wird am 26. September verkündet.

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(lp)