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Spiegel-Journalist warf CSU Rassismus vor – die wehrt sich in ungewöhnlicher Form

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HASNAIN KAZIM
Hasnain Kazim hat der CSU Rassismus vorgeworfen - die Partei antwortet mit einem Brief | Wikipedia, User:Ot/CC-BY-SA 4.0
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  • Ein Spiegel-Journalist warf der CSU nach ihren jüngsten Forderungen in der Flüchtlingspolitik Rassismus vor
  • Die Partei antwortete ihm mit einem Brief

In einem Positionspapier forderte die CSU kürzlich: "In Zukunft muss gelten: Vorrang für Zuwanderer aus unserem christlich-abendländischen Kulturkreis."

Als ein Korrespondent der Nachrichten-Website "Spiegel Online" der CSU deswegen eine kritische Entgegnung schrieb, hat sich zwischen dem Journalisten und der Partei ein spannender Dialog entwickelt, wie das Nachrichtenmagazin "Focus Online" berichtet.

"In deiner Haltung steckt eine hässliche Portion Rassismus"

Hasnain Kazim hat indisch-pakistanische Wurzeln. Von der umstrittenen CSU-Forderung fühlte er sich daher persönlich angegriffen und teilte der Partei in einem offenen Brief mit, was er von ihrem Positionspapier halte:

"In deiner Haltung, die du in einen Mantel der kulturellen Differenzierung hüllst, steckt eine hässliche Portion Rassismus", schrieb Kazim. Trotz seiner Kritik blieb er durchgehend beim vertraulich wirkendem "Du".

CSU beflügele Gewalt

In der fremdenfeindlichen Rhetorik sieht Kazim eine Masche der Partei, um bei den Rechtspopulisten auf Stimmenfang zu gehen: "Und deine Spitze, liebe CSU, ist intelligent genug zu wissen, dass sie (deine Haltung) genau mit diesen rassistischen Elementen spielt, um Wähler am rechten Rand für sich zu gewinnen."

Allerdings seien solche Äußerungen hoch gefährlich, meint er: "Aber weißt du, was das Problem ist? Viele deiner Fans nehmen deine Worte für bare Münze. Und weiß du, was sie dann tun? Sie fühlen sich von deiner feindseligen Rhetorik ermutigt, Menschen wie mich in der S-Bahn als "dreckiges Ausländerpack" zu beschimpfen. Menschen in aller Öffentlichkeit zu bespucken."

CSU weist Vorwurf von sich

Solche Vorwürfe wollte die CSU natürlich nicht auf sich sitzen lassen und hat dem Spiegel-Autor prompt geantwortet. In ihrem Schreiben weisen die Christdemokraten – wer die Antwort verfasst hat, ist nicht bekannt – die Rassismus-Anklage von sich: "Nun weißt du ja selber, dass ich 'Kulturkreis' geschrieben habe und nicht Rasse. Und du weißt natürlich auch, dass Kulturkreis eine andere Sache ist als Rasse", antwortet die CSU und wirft dem Journalisten ihrerseits vor, nur das Wort "Rassismus" verwenden haben zu wollen.

Mehr zum Thema: Markus Söder bei "Anne Will": "Muslime sind als Kulturkreis extrem schwierig"

Ihre umstrittene Forderung, Zuwanderer aus dem "christlich-abendländischen Kulturkreis" zu bevorzugen, sieht die CSU selbst unproblematisch, wie sie Kazim schreibt: "Noch etwas, woran du vielleicht nicht gedacht hast: Wir haben schon einen Vorrang für Zuwanderer aus dem christlich-abendländischen Kulturkreis, nämlich mit der Freizügigkeit innerhalb der EU. Das finden alle ganz normal, und da regt sich auch keiner drüber auf."

Kazim bleibt bei seinem Vorwurf

Kazim hat wiederum auf diesen Brief geantwortet. In einem Beitrag auf seinem Facebook-Profil schreibt er: "Klar, dass du von „Kulturkreis“ schreibst, nicht von 'Rasse'. Aber du weißt ganz genau, dass ein nicht unerheblicher Teil der Leute, um deren Stimmen du wirbst, da keinen Unterschied macht."

Er bleibt also bei seinem Vorwurf, dass die Rhetorik der Partei gezielt auf rechte Wähler abziele und Fremdenfeindlichkeit so befördere. Eine Antwort der CSU steht bisher noch aus.

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