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Warum die Linke in Berlin vor der AfD zittert

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BERLIN WAHL
Warum die Linke in Berlin vor der AfD zittert | dpa / Getty
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Viele Beobachter glauben: Die Berlin-Wahl kann ein neues Kapitel in der bundesdeutschen Parteiengeschichte einläuten.

Selten standen so viele Parteien so knapp in den Umfragen beieinander. Vorn liegt die SPD mit 21 bis 24 Prozent. CDU und Grüne kämpfen mit Werten zwischen 15 und 19 Prozent um Platz zwei. Die Linke kommt mit 14 bis 15 Prozent auf ähnlich viel Unterstützung wie die AfD.

Wahrscheinlich ist am Sonntag eine Dreier-Koalition aus SPD, Grünen und Linken - bisher regierte die SPD mit der CDU.

Aber nicht nur das endgültige Wahlergebnis wird die Republik in der kommenden Woche beschäftigen, sondern auch die Wählerwanderung. Und die war zuletzt besonders in eine Richtung stark: von den Linken zur AfD.

"Staffelübergabe an die AfD"

Bei der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern verloren die Linken rund 18.000 Wähler an die AfD. Ähnlich könnte es jetzt in Berlin kommen.

Der Grund muss der Linken Sorgen machen: "Für viele Menschen ist die Linke keine glaubhafte Stimme des Protests mehr“, analysiert Gero Neugebauer, Parteienforscher an der Freien Universität Berlin in der “Die Welt”. Sie werde inzwischen als Teil des "Systems“ wahrgenommen, etwa in Hinblick auf die Flüchtlingspolitik.

Mehr zur Wahl:Wahl-O-Mat Berlin 2016: So findet ihr heraus, welche Partei zu euch passt

"Vor allem in Ostdeutschland findet in der Dimension der Protestpartei eine Art Staffelübergabe an die AfD statt”, stellt der Kasseler Politikwissenschaftler Wolfgang Schroeder im Gespräch mit der Huffington Post fest.

Die Linke gehört mittlerweile zum Establishment

Schroeder sagt: "Die AfD ist derzeit die einzige wirklich einflussreiche Erpressungspartei in Deutschland. Sie kann, ohne Regierungsverantwortung zu tragen, und ohne Koalitionsfähigkeit, die politische Diskussion in eine bestimmte Richtung drängen." Das habe die AfD beim Thema Zuwanderung schon sehr erfolgreich geschafft.

Ganz ähnliche Töne hatte zuletzt Sarah Wagenknecht angeschlagen: Die Linkspartei müsse sich doch fragen, warum sie plötzlich als Teil des politischen Establishments gelte, fragte sie doppeldeutig.

Tatsächlich ist die Linke mittlerweile in zahlreichen Regierungen beteiligt - am prominentesten in Thüringen.

Und davon profitiert die AfD.

Es drohen weitere Abwanderungen - wenn die AfD klug reagiert

Aber damit hat die AfD ihr Wählerpotential bei den Linken noch nicht ausgeschöpft. Denn die Partei könne in ihrer Wirtschaftspolitik noch deutlich linkere Positionen vertreten, sagt Schroeder.

Schroeder hält es für möglich, dass sich die AfD zu einer ähnlich globalisierungskritischen Partei entwickelt wie der Front National in Frankreich. "Sie könnte auch in wirtschaftspolitischen Fragen zu einer Partei des Schutzes, der Nation und einer anderen Grenzpolitik werden", sagt Schroeder. Damit würde sie für noch mehr Wähler der Linken attraktiv.

Diese Entwicklung sieht man auch bei der Linken - und sorgt sich.

So analysierte die parteinahe Rosa-Luxemburg-Stiftung kürzlich: "Parteien, die als Projektionsfläche für verschiedenste Proteststimmen dienen, haben ein bestimmtes Zeitfenster zur Verfügung, um diese Proteststimmen inhaltlich an sich zu binden, aus dem Protest gegen etwas einen ,politischen Willen‘, ein politisches Anliegen zu formen.“

Diesen Moment habe die Linkspartei verstreichen lassen, als sie noch als Protestpartei Wähler anzog. Im Klartext: Die Linke hat es nicht geschafft die Protestwähler von ihren Inhalten zu überzeugen - jetzt ziehen diese zur nächsten Anti-Partei weiter.

Die Frage bleibt: Schafft die AfD es besser als die Linke, die Protestwähler an sich zu binden?

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