Huffpost Germany

Flüchtlinge in Bautzen: "Wir haben mehr Angst vor der Polizei als vor den Nazis"

Veröffentlicht: Aktualisiert:
BAUTZEN
Bautzener Flüchtlinge haben mehr Angst vor der Polizei als vor Rechtsextremisten. | ASSOCIATED PRESS
Drucken
  • Bautzener Flüchtlinge wehren sich gegen den Vorwurf, für Krawalle verantwortlich zu sein
  • Sie hätten derzeit mehr Angst vor der Polizei als vor Rechtsextremen

Nach den Krawallen in Bautzen war für die Behörden schnell klar, wer den Konflikt zum Eskalieren brachte: die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge. Mit mehreren Maßnahmen versucht der Landkreis Bautzen nun, die Asylbewerber zu kontrollieren.

Die Bautzener Flüchtlinge aber wehren sich dagegen, als Gewalttäter abgestempelt zu werden. In einem Interview mit der Zeitung „Bild“ sagt ein 18-jähriger Syrer: „Es gibt leider auch Flüchtlinge, die immer wieder Stress machen. Das wissen wir. Von denen halten wir uns aber fern und wollen nichts mit ihnen zu tun haben. Bei denen handelt es sich vorwiegend um Marokkaner und Tunesier.“

Die Gewalt schade und nerve nur

Und auch sonst widersprechen die von der „Bild“-Zeitung interviewten Syrer dem gängigen Bild, das sich nach den Ausschreitungen in Bautzen verbreitet hat. Nicht vor den Rechten hätten sie Angst, sondern vor der Polizei.

„Ich wohne hier bei meiner Freundin, trau mich nach 19 Uhr nicht mehr auf die Straße. Ich habe in einem Video gesehen, dass die Polizei Flüchtlinge festnimmt. Vor den Nazis habe ich keine Angst. Nur vor der Polizei“, sagt Ali Khalaf (18) aus Syrien.

Die Gewalt schade und nerve, sagt ein anderer minderjähriger Asylbewerber. Eigentlich wollen die Flüchtlinge sich auf die Schule oder ihre Ausbildung konzentrieren: „Ich gehe hier in Bautzen zur Schule. Finde die Stadt sehr schön und möchte hier bleiben“, sagt der 16-jährige Fouad Alfail.

Kontrollen und Verbote

Nach den gewaltsamen Ausschreitungen zwischen Rechtsextremen und jungen Asylsuchenden hat die Polizei nun einen sogenannten Kontrollbereich in der sächsischen Stadt eingerichtet.

Damit will sie weitere Konflikte vermeiden. Die Maßnahme bleibt zunächst bis zum 26. September in Kraft.

Für die minderjährigen Flüchtlinge gelten nach wie vor ein Alkoholverbot sowie eine Ausgangssperre ab 19 Uhr. Außerdem wurden vier mutmaßliche Rädelsführer der Krawalle auf andere Asylheime verteilt.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg


Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt.

In einem großangelegten Projekt hilft der Verein SyrienHilfe e.V. vor Ort Menschen in Not, die ihre Heimat nicht verlassen können oder wollen. Seit 2012 setzen sich Ärzte, Ingenieure, Archäologen, Lehrer und Künstler in dem Bürgerkriegsland dafür ein, dass die Bevölkerung in ihrem eigenen Land ein würdevolles Leben führen kann.

Der Verein betreut Waisenkinder, organisiert medizinische Versorgung für Behinderte und chronisch Kranke und finanziert Lebensmittel und Unterkünfte.

Unterstütze sie jetzt auf www.zusammen-für-flüchtlinge.de, der zentralen Plattform für Projekte in der Flüchtlingshilfe von betterplace.org.

Willst auch Du Spenden für Dein soziales gemeinnütziges Projekt sammeln? Dann registriere Dich und Dein Projekt jetzt auf betterplace.org.

(ben)