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Ex-SPD-Vorsitzender Müntefering: Mit 600 Euro Rente ist man noch nicht arm

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  • Franz Müntefering hat in einem Interview über eine angemessene Rente gesprochen
  • Mit 600 Euro Rente sei man noch nicht arm
  • Als Beispiel nannte der ehemalige SPD-Vorsitzende seine eigene Mutter
  • Eine Zusammenfassung seht ihr im Video oben

Der ehemalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering sorgt in einem Interview mit der Tageszeitung "Süddeutsche Zeitung" mit einer Aussage über die Rente in Deutschland für Aufsehen.

In welcher Höhe eine Rente angemessen sei, darüber hatte Müntefering seine eigene - streitbare - Meinung. "Nur weil jemand auf nur 600 Euro Altersrente kommt, muss er ja nicht arm sein", sagte er der Zeitung.

Mit der eigenen Mutter als Beispiel

Als Beispiel führte der ehemalige Bundesarbeitsminister und SPD-Chef seine eigenen Eltern an. "Meine Mutter hatte keine Rentenansprüche, mein Vater ja. Meine Mutter hatte nicht das Gefühl, arm zu sein. Es war klar, dass das Haushaltseinkommen zählte." Das sei auch heute noch so, argumentierte Müntefering.

Womit er recht hat, ist: Ob jemand mit einer niedrigen Rente ein angenehmes Leben führen kann, hängt selbstredend von den Umständen hat, in denen er lebt. Wer ein eigenes Haus hat und/oder Kinder oder einen Ehepartner, die einen unterstützen, mag mit 600 Euro im Monat im Alter auskommen. Viele andere jedoch nicht.

Problematisch ist vielmehr die Hybris, die aus seinen Worten spricht: Denn alle, die tatsächlich mit 600 Euro Rente in Deutschland auskommen müssen und niemanden haben, der sie finanziell unterstützt, befinden sich auch laut der offiziellen Definition unter der Armutsgrenze. Die Armutsgrenze in Deutschland liegt derzeit bei rund 900 Euro Einkommen im Monat. Rund 3,4 Millionen Rentner in Deutschland müssen aktuell mit weniger Geld auskommen.

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Müntefering selbst ist seit 2013 in Pension. In die Rentenkasse habe er immer fleißig eingezahlt, sagte er der Zeitung. "Man weiß ja nie, was noch wird. Ich war 59,5 Jahre berufstätig. Mit 14 habe ich angefangen, mit 73 aufgehört.“

Auseinanderklaffen der Löhne sei ein Riesenproblem

Den Bezug zur Realität hat der 76-Jähriger aber noch nicht verloren – auch wenn solche Äußerungen das Gegenteil vermuten lassen.

Das größte Problem sieht Müntefering nicht in dem Rentenniveau, das sei mit 48 Prozent des Durchschnittslohns noch in Ordnung. Vielmehr seien die Löhne in manchen Arbeitsfeldern einfach zu niedrig, um eine gute Rente zu garantiert.

"Dieses Auseinanderklaffen der Löhne ist ein Riesenproblem für die Rentenversicherung. Die braucht keine Minijobber, sondern Betragszahler, die ordentlich arbeiten und ordentliche Löhne", sagte er in dem Interview.

Müntefering war von 2005 bis 2007 Arbeitsminister und hatte in dieser Zeit die Verschiebung des Renteneintrittsalters von 65 auf 67 Jahre durchgesetzt.

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(lk)