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Das Dorf der Zukunft: Diese Bewohner produzieren alles, was sie zum Leben brauchen, selbst

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REGEN VILLAGE
Es sieht utpoisch aus und ist es auch: Das "ReGen Village", in dem die Menschen völlig autark leben | EFFEKT
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  • In den Niederladen entsteht ein Dorf, in dem die Bewohner völlig autark leben
  • Schon Ende dieses Jahres könnte es bezugsfertig sein
  • Auch in Deutschland ist ein solches Dorf geplant

Ein Leben ohne Müll: das klingt utopisch und realitätsfern - in den Niederlanden wird es Realität.

Nicht weit von der Stadt Almere entsteht in Holland gerade ein sogenanntes ReGen-Village, ein Dorf, in dem die Bewohner vollkommen autark leben. "ReGen-Village" steht für "regeneratives Dorf". In ungefähr 16 Monaten soll es fertig sein. Dann können die Bewohner die zu 100 Prozent nachhaltige Siedlung beziehen.

Funktionieren soll diese dank verschiedener altbekannter Technologien, die miteinander kombiniert werden. Wirklich neu ist von diesen Technologien keine, aber ihre Kombination macht das "Zukunftsdorf" in dieser Form einzigartig.

Nahrung aus dem eigenen Garten

Um sich ihr Essen selbst herzustellen, haben die Bewohner zahlreiche Möglichkeiten. In verschiedene Gärten und beheizten Gewächshäusern können sie zu jeder Jahreszeit Gemüse und Obst anbauen. Außerdem werden die Bewohner ihre eigenen Tiere züchten, zum Beispiel auf einer Hühnerfarm.

regen village
Credit: EFFEKT

Zusätzlich wird mit sogenannter "Aquaponik" gearbeitet. Das ist ein Verfahren, das die Aufzucht von Fischen mit der Aufzucht von Pflanzen in einer Hydrokultur verbindet. Das, was die Fische im Wasser ausscheiden, wird dabei gleich weiter als Dünger für die Pflanzen verwendet. Die Bewohner werden außerdem kein Futter für die Fische kaufen, sondern sie mit Fliegenlarven füttern.

Alle anderen Tiere sollen sich von den Abfallresten der Bewohner ernähren. Die Abfallreste, die auch für Tiere nicht essbar sind, werden die Bewohner einfach verbrennen und das zur Energiegewinnung nutzen. Die restliche benötigte Energie sollen Solaranlagen und Biogasanlagen decken. Die überschüssige Energie, die dabei entsteht, wird gespeichert und versorgt das Dorf dann, wenn gerade keine produziert wird.

Trinken werden die Bewohner einfach gefiltertes Regenwasser. Damit werden sie gleichzeitig ihre Pflanzen bewässern. Auch hier sollen große Speicher sicherstellen, dass immer genügend Vorräte bestehen. Weil sich die Macher des Zukunftsdorfes der neuesten Agrartechniken bedienen, benötigen sie laut eigener Angaben 90 Prozent weniger Wasser als bei herkömmlichen Methoden und würden dafür sogar den zehnfachen Ernteertrag bekommen.

Erst für die Mittelschicht, dann auch für Entwicklungsländer

Der US-Amerikaner James Ehrlich hat das ReGen-Village entwickelt. Der Technologe hat sich dabei ganz bewusst dazu entschieden, das erste dieser Dörfer in den Niederlanden und nicht in den USA zu gründen. Er schätze es sehr, dass die Europäer schon über mehr Erfahrungen in dem Bauen von Häusern verfügen würden, die ihre ökologischen Auswirkungen reduzierten, sagte er der britischen Tageszeitung "The Guardian".

regen village
Credit: EFFEKT

Zudem sei die Stadt Almere als Standort attraktiv, weil es dort eine ausgeprägte obere Mittelschicht gebe - die Zielgruppe, die Ehrlich mit seinem Dorf zunächst ansprechen will. Das sagte Sinus Lynge, einer der Gründer des Architekturbüros Effekt, das die Dörfer mit entwickelt. Das erste Dorf sei aber ohnehin erst mal ein Test, um zu sehen, ob das Leben in dem Zukunftsdorf auch tatsächlich funktioniert.

Ist das der Fall, dann sollen viele weitere solcher Dörfer entstehen, auch in Entwicklungsländern. Dörfer, die ihre Nahrung selbst herstellen können, wären eventuell sogar eine Möglichkeit, den Hunger in der Welt zu bekämpfen. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg.

Lynge: "Wir wollen Häuser, die für die Menschen arbeiten"

Bis dahin soll das Dorf Menschen aus dem bürgerlichen Milieu ein alternatives Wohn- und Lebensmodell bieten. "Auf der ganzen Welt arbeiten Menschen hart, nur um dann von dem Geld ihre Verbrauchsgüter zu bezahlen. Dinge wie Hypotheken, Wasser, Heizkosten und Essen. Wir wollen stattdessen Häuser bauen, die für die Menschen arbeiten und in denen Menschen Wasser und Nahrung selbst produzieren oder zu viel geringeren Preisen als in den Großstädten bekommen können", sagte Lynge.

Lynge: "Es gibt schon 6500 Bewerber für das Dorf"

Eine dreiköpfige Familie soll im Re-Gen-Village nur 639 Quadratmeter Land zur Versorgung und wenig Fläche zum Wohnen brauchen. Das Konzept des Zukunftsdorfs wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. Die Warteliste der Bewerber ist entsprechend lang. Für das erste ReGen-Village haben sich bereits 6500 Menschen per E-Mail beworben, berichtete der "Guardian".

Diese Bewohner-Anzahl würde gleich für mehrere Dörfer reichen. Denn in dem jetzigen Dorf gibt es nur 100 Häuser. Aber die restlichen Bewerber können darauf hoffen, in einem anderen Zukunftsdorf unterzukommen. Eines sei auch schon für Deutschland geplant.

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(lp)