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"Wir sind dann mal weg": Neun Aussteiger-Geschichten, die eure Vorstellung vom Leben verändern könnten

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Viele Menschen in Deutschland sind mit ihrer Arbeit und den Umständen ihres Lebens unzufrieden. Erkrankungen wie Depressionen und Burn-Out treten inzwischen in allen Schichten der Gesellschaft auf.

Kein Wunder, dass Ärzte bereits seit Jahren vor den gravierenden Folgen der modernen Leistungsgesellschaft warnen.

Immer mehr Menschen in Deutschland treffen daher eine radikale Entscheidung: Sie entschließen sich bewusst, der Gesellschaft den Rücken zuzukehren.

Als Aussteiger bereisen sie die ganze Welt und sind dabei auf der Suche nach dem, was ihnen ihr Alltag in Deutschland nicht bieten kann: Abenteuer, Freiheit und Selbstbestimmung. Hier sind neun einzigartige Geschichten, die ihr kennen solltet.

1. Wie man fünf Jahre lang reist - ohne einen Cent auszugeben

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Benjamin Nerdings Geschichte klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Ursprünglich wollte er nur drei Monate durch die Alpen wandern. Nun ist er schon seit fünf Jahren in der Welt unterwegs und plant auch nicht so schnell nach Deutschland zurückzukehren.

Das Verrückte: Er hat nach eigenen Angaben, auf seinen Reisen so gut wie kein Geld ausgegeben.

"Beim Trampen werde ich oft zum Essen eingeladen. Oder ich mache Dumpster Diving, das heißt, ich fische übrig gebliebenes Essen aus Supermarkt-Tonnen. Gerade eben habe ich vier Kilo frischen Fisch gefunden, dazu Ananas, Papaya - wirklich Hunger habe ich nie."

In Jordanien hat er seine jetzige Freundin kennengelernt. Zusammen planen die Zwei schon ihr nächsten Abenteuer. Sie möchten mit einem Tandemfahrrad von Argentinien bis nach Alaska fahren.

2. Der Mann im Wald: Wie ich mein Leben hinter mir ließ

Als geschäftsführender Gesellschafter eines Unternehmens, lebte Wolfgang Ködel ein geregeltes Leben. Doch als er mit einem Schlag sein Haus und all seine Besitztümer verlor, sah er nur noch einen Ausweg: Der Weg in die Natur.

"Ich hab meine wichtigsten Sachen gepackt - Zelt, Decke, Taschenlampe - und bin in den Wald gegangen."

Erst der Auftritt in einer deutsche Talkshow, brachte ihn wieder zurück in die Zivilisation. Und damit auch zurück zu seiner Familie.

3. Traumberuf Aussteiger: Unsere Eltern hinterließen uns ein kaputtes System, deshalb brechen wir jetzt aus

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Aussteigen heißt nicht, faul in den Tag hineinzuleben. Das schreibt zumindest Fernsehredakteurin Gesa Neitzl. Sie möchte an ihren Träumen hart arbeiten und das am besten als Aussteiger.

“Ich habe Fragen, die nach Antworten verlangen. Ich habe Durst nach der Welt. Ich will raus aus dem Hamsterrad."

Was vielleicht auf den ersten Blick etwas egoistisch klingt, ist genauer betrachtet durchaus altruistisch.

"Ich traue mich, daran zu glauben, dass ein selbstbestimmtes Leben meiner Gemeinschaft mehr dienen wird, als wenn ich ein unzufriedener Teil des Systems bliebe. Ich will etwas zurückgeben."

4. 2 Kinder, 3 Koffer und 6 Monate Zeit - eine Familie auf Weltreise

Für die meisten Familien scheint der Traum von der Weltreise nahezu unvorstellbar. Doch nicht für Susan Salzbrenner. Zusammen mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern, fassten sie den Entschluss, aus dem Alltagstrott auszubrechen.

“Unser Ziel war es, sowohl mehr Zeit für uns vier zu schaffen, ohne Alltagsroutine und Zeitmanagement-Problemen, aber auch, Länder, Kulturen und andere Menschen gemeinsam kennenzulernen.”

Während diesen Abenteuers haben sie viel über sich und ihre Kinder gelernt. Unsere Betrachtungen und Einschätzungen über andere Länder seien oft stereotypisch. Denn: Erst wenn man die Welt gesehen hat, kann man wirklich über sie urteilen.

5. Finde deine Leidenschaft und lebe - die Suche nach der Passion

reisen

Bevor Alexandra Wilczek zur Aussteigerin wurde, wusste sie nicht im Geringsten was ihre Leidenschaften sind. Sie lebte das Leben einer durchschnittlichen jungen Frau, mit einem normalen Job und einem normalen Freundeskreis. Doch eines Tages bemerkte sie, dass es so nicht mehr weitergehen konnte.

"Es traf mich wie ein Schlag: Ich werde auf keinen Fall 30 Jahre so weiter machen. Wie kann man nur sein kostbares Leben in einem Beruf verbringen, den man nicht liebt?"

Ihr heutiges Motto: "Nicht Urlaub machen, sondern reisen!". Erst dadurch fand sie heraus, wer sie wirklich ist und was ihr im Leben wichtig ist.

6. Aussteigen mit 40: "Oft werden wir gefragt, wie wir das so machen."

Gabi und Christian Hajek sind immer unterwegs. Mit Anfang 40 kündigten sie ihre gutbezahlten Jobs – um die Welt zu sehen. Seit zehn Jahren reisen sie durch ferne Länder – meistens per Fahrrad.

Sie sagen: „Wir haben unsere neue Lebensform nicht zeitlich befristet. Eine Rückkehr in den alten Beruf erscheint uns wenig realistisch und erstrebenswert. Da nehmen wir lieber gelegentlich kleine Jobs an, um etwas Geld zu verdienen und um mal wieder etwas anders gefordert zu werden.“

Langeweile haben sie in den zurückliegenden Jahren nur selten erlebt. Dafür jede Menge Abenteuer. Denn: Die Beiden planen immer nur Reiseziel und Reisezeit, abhängig vom Klima im jeweiligen Land.

7. Was ich in über vier Jahren als digitale Nomadin gelernt habe

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Conni Biesalski nennt sich eine „Digitale Zen Nomadin“. Sie führt einen Blog und bietet Online E-Book-Kurse an. Von überall in der Welt aus. Sie sagt: „Ich reise nicht mehr um zu reisen und mir die Welt "anzuschauen". Ich will sie erleben, ich will tiefe Erfahrungen - und mit meinem Business nachhaltig Spaß haben und Geld verdienen.“

Ihr Erfolgsrezept: “Ich lebe und arbeite wie und wo ich Lust habe. Das meiste meines Einkommens ist passiv und bedeutet, dass ich nicht mehr Zeit gegen Geld eintausche, sondern auch dann Einkommen generiere, wenn ich nicht am Laptop sitze.”

Hinter ihrem Geschäfts- und Lebensmodell steckt mittlerweile eine weltweite Bewegung.

Die Aussteigerin sagt: „Gottseidank gibt es immer mehr Digitale Nomaden-Hotpots: Chiang Mai, Bali, Tarifa, Berlin, Barcelona.. Und auch eine Menge Workation und Co-Living/Co-Working Projekte.“

8. Wie Reisen zu meiner Identitätsbildung beigetragen hat

Sebastian Canaves sagt: „In mir schlugen also schon immer zwei Herzen: das Spanische und das Deutsche - und das in einem ganz unterschiedlichen Rhythmus.“

Er bereiste die Welt, um seine Identität zu finden – fernab der klassischen Frage nach der Herkunft: “Erst als ich anfing zu reisen, wurde mir klar, dass ich die Antwort nicht in meinem oder dem Herkunftsland meiner Eltern finden kann, sondern viel mehr in mir selbst.

In all den Kulturen, denen ich begegne und in dem, was ich erlebe und erlebt habe." Er ist überzeugt: „Wenn du unterwegs bist, begibst du dich auf eine Reise zu dir selbst und lernst dich selbst besser kennen.“

9. Dieses Paar reist im Van durch Europa und verdient dabei Geld - dem Beispiel könnten Tausende folgen

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Die Entscheidung, ihr Leben komplett zu verändern, fällten Kathi Lanz und Paul Hübner im Januar auf einer zugeschneiten Hütte in den Alpen. Kathi hatte gerade ein Angebot abgelehnt, beruflich nach China zu gehen.

Reisen wollten beide trotzdem, aber zusammen - und nicht als verträumte Backpacker. Sie wollten während ihrer Reise weiter arbeiten. Eine Entscheidung, die die Beiden nicht bereuen. Wir hätten beide nicht gedacht, dass es so gut läuft”, sagt Paul.

Seine Freundin fügt hinzu: “Erst jetzt fangen wir an zu begreifen, dass wir total frei sind. Und dass wir ständig umdenken können. Wir können jeden Tag unsere Route ändern, nichts hält uns an einem Ort."

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(lp)