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Oliver Stone: Der gefürchtetste Regisseur Hollywoods wird 70 Jahre alt

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Oliver Stone bei der Premiere seines neuen Films

Rechtzeitig zu Oliver Stones 70. Geburtstag am 15. September ist sein neuer Film "Snowden" in aller Munde. Der Streifen, der sich um NSA-Whistleblower Edward Snowden dreht, kommt am 22. September in die deutschen Kinos. Ein weiterer politischer Film des Hollywood-Regisseurs, der sich in seiner Karriere auf Kontroversen spezialisiert hat. Stone kann als moralisches Gewissen der USA angesehen werden, als ein Wächter der Demokratie. Vor ihm haben nicht nur seine Darsteller Respekt. Denn er pusht sie so sehr, bis sie ihre beste Performance abliefern - was schon mal in einem Oscar endet.

Privates verarbeiten

Sehen Sie sich hier den Trailer zu Oliver Stones neuestem Film "Snowden" an

Oliver Stone stammt aus einer wohlhabenden Familie. In New York geboren, schrieb er bereits in jungen Jahren erste Geschichten, darunter auch ein 100 Seiten umfassendes Buch über seine Familie und das Leben. Sein Vater war Broker an der Wall Street, hatte Affären und stürzte sich mit schlechten Investments in den finanziellen Ruin. Seine Jahre an der Front im Vietnamkrieg prägten ihn und brachten ihn neben zwei Kriegsverletzungen auch zwei Orden ein. Und er wurde einst sogar wegen des Besitzes von Marihuana festgenommen. All diese Erfahrungen verarbeitete er in seinen Filmen.

Die Wall-Street-Zeit seines Vaters setzte in seinen Werken "Wall Street" (1987) und "Wall Street: Geld schläft nicht" (2010) um. Ersterer brachte Michael Douglas den Oscar als "Bester Hauptdarsteller" ein. Den Vietnamkrieg verarbeitete er mit "Platoon" (1986), "Geboren am 4. Juli" (1989) und "Zwischen Himmel und Hölle" (1993). Für "Platoon" bekam Stone seinen zweiten Oscar, aber den ersten als "Bester Regisseur". Den zweiten Regie-Oscar gab's für "Geboren am 4. Juli". Mit einem Einspielergebnis von über 138 Millionen US-Dollar ist "Platoon" bis heute der dritterfolgreichste Film, der sich mit dem Vietnamkrieg beschäftigt.

Politisch aufrütteln

Vor der Politik macht der 70-Jährige ebenso wenig Halt. In "JFK - Tatort Dallas" (1991) offenbart er seine eigene Verschwörungstheorie in Bezug auf die Ermordung des einstigen US-Präsidenten John F. Kennedy. "Nixon" (1995) dagegen beschäftigt sich mit dem 37. Präsidenten der Vereinigten Staaten, Richard Nixon. "World Trade Center" (2006) arbeitet die Terroranschläge in New York am 11. September 2001 auf. Sein Drogenfilm "Savages" (2012) basiert auf dem Roman "Zeit es Zorns" von Don Winslows und bleibt allerdings trotz des brisanten Stoffes hinter den Erwartungen zurück.

Trotz seiner hochgelobten frühen Werke hat Oliver Stone mehr als einmal danebengegriffen. Der Monumentalfilm "Alexander" (2004) mit Colin Farrell in der Hauptrolle fiel bei Kritikern und Publikum durch. Auch sein Streifen "W. - Ein missverstandenes Leben" (2008) über George W. Bush fand kaum Anklang. Eine permanente Kontroverse umgibt seine Filme. Mal ist er zu ungenau, mal zu genau, mal verfälscht er die eigentliche Story, manchmal geht er zu weit, manchmal nicht weit genug. Für Stone selbst sind es stets "sehr individuelle Filme", die "eine Art Kritik an den Verhältnissen" seien, wie er jüngst im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" erklärte.

Der Mensch Oliver Stone

So viel über seine Filme geschrieben und diskutiert wird, so wenig findet der Privatmensch Oliver Stone in der Öffentlichkeit statt. Er ist seit 1996 in dritter Ehe verheiratet. Mit Sun-jung Jung hat er eine Tochter. Mit seiner zweiten Frau Elizabeth Burkit Cox hat er zwei Söhne, die beiden waren von 1981 bis 1993 ein Ehepaar. Seine erste Ehe mit Najwa Sarkis hielt von 1971 bis 1977. Er konvertierte früh zum Buddhismus und spricht fließend Französisch, da er als Kind seine Sommer bei der Oma in Frankreich verbrachte. Er polarisiert lieber mit seinen filmischen Werken als über Privates zu plaudern.

Im Interview im aktuellen Magazin "Stern" erklärte er, dass er rückblickend stolz auf alle seine Filme sei. Einen treuen Hauptdarsteller wie sie sein Filmlehrer an der Uni, Martin Scorsese, in Robert De Niro und Leonardo DiCaprio hat, hat Stone nicht. Doch die Stars nehmen gerne die Herausforderung an, unter seiner Regie zu arbeiten. Michael Douglas, Tom Cruise, Charlie Sheen, Kevin Costner, Gary Oldman, Anthony Hopkins - er hatte sie alle. Taylor Kitsch sagte nach dem Dreh zu "Savages", dass man es sich nicht erlauben könne, unvorbereitet an das Set von Oliver Stone zu kommen.

Das wundert einen nicht, wenn man liest, dass Wut als seine Motivation fungiert, wie er vor kurzem gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" sagte. Und solange er noch so viel Wut in sich habe, werde er auch nicht der Konsumkultur Hollywoods nachgeben und nur noch Blockbuster zum Abkassieren machen. Er will weiter aufrütteln. Man darf gespannt sein, was er sich als nächstes vornimmt.