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Ex-CDU-Generalsekretär Geißler: "Die CSU wird zur Totengräberin der Union"

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HEINER GEISSLER
Alex Domanski / Reuters
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  • Geißler fordert, die CDU sollte die CSU im Flüchtlingsstreit offensiver angreifen
  • Der ehemalige CDU-Generalsekretär fürchtet, Seehofers Partei werde zur "Totengräberin" der Union

Der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler hat seine Partei aufgerufen, den andauernden Attacken der CSU wegen der Flüchtlingspolitik schärfer entgegenzutreten.

"Die CDU muss endlich als Partei von der Defensive in die Offensive kommen und ihre Gegner, in diesem Fall auch die Führung der Schwesterpartei, angreifen", sagte Geißler "faz.net".

So müsse die CDU klarstellen, dass etwa die von der CSU geforderte Bevorzugung von Einwanderern aus dem christlich-abendländischen Kulturkreis das Gegenteil dessen sei, was die christliche Botschaft bedeute.

Eindringliche Warnung: CSU schadet der Union

"Wer solche Vorschläge macht, hat sonntags in der Kirche nichts verloren", kritisierte Geißler. Er warnte: "Die CSU entwickelt sich zur Totengräberin der Union."

Die CDU-Führung müsse sich nun viel deutlicher gegen die Schwesterpartei stellen, forderte der Politiker. Seine Partei sei nicht mutig, gehe nicht in die Offensive. "Stattdessen befindet sie sich jetzt auch publizistisch in der Defensive, weil die CSU-Führung ihr öffentlich immer weiter zusetzt", kritisierte Geißler.

Auf die Frage, ob Angela Merkel nach der Bundestagswahl noch Kanzlerin und CDU-Chefin ist, sagte er der Zeitung: "Ich hoffe es".

Gleichzeitig stellte er sich hinter die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin. "Wenn sie nun plötzlich sagen würde, 'Nein, wir schaffen es doch nicht', würde sie die geistig-politische Mitte in Deutschland verlieren und denselben Kapitulationsirrtum begehen, dem Horst Seehofer von Anfang an verfallen ist", so der Politiker.

"Die CDU hat noch nie kapituliert"

Der CSU-Chef habe die Kapitulation vor der historischen Herausforderung erklärt. "Aber eine politische Partei, die angesichts einer solchen Aufgabe sagt, wir schaffen das nicht, kann von vorneherein abdanken", sagte Geißler. "Die Kanzlerin ist keine Vorsitzende einer Kapitulantenpartei. Die CDU hat noch nie kapituliert."

Die sinkenden Umfragewerte der CDU hält Geißler nicht für ein Signal, dass es mit der Partei bergab geht. "Man darf auf die Demoskopie nur wenig geben", sagte er "faz.net". "Wenn eine politische Partei ihre Entscheidungen von Umfragen abhängig macht, dann ist sie verloren."

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(bp)