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Gewaltnacht in Bautzen: Konflikt zwischen Flüchtlingen und Rechten eskaliert

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BAUTZEN FLUECHTLINGE RECHTE
Auseinandersetzung zwischen Flüchtlingen und Einheimischen in Bautzen. (dpa) | DPA
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  • In Bautzen kam es Mittwochnacht zu Auseinandersetzungen zwischen Flüchtlingen und Rechten
  • 100 Polizeibeamte waren mehrere Stunden lang im Einsatz
  • Ein Asylbewerber wurde mit Schnittwunden ins Krankenhaus gebracht

In der sächsischen Stadt Bautzen ist es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Einheimischen und Flüchtlingen gekommen.

Wie die Polizei am Donnerstag mitteilte, standen sich zunächst am Mittwochabend auf einem Platz rund 80 gewaltbereite Männer und Frauen - zum Großteil aus dem politisch rechten Spektrum - sowie 20 junge Asylbewerber gegenüber.

In einer Pressekonferenz am Donnerstagnachmittag erklärte die Polizei, was sich genau in der Nacht zugetragen hatte und schilderte auch, was in den Tagen zuvor schon in Bautzen vorgefallen war.

Das müsst ihr über den Vorfall wissen:

1. Das war der Auslöser der Randale

Zwischen beiden Lagern kam es zu verbalen und tätlichen Übergriffen. Es seien Flaschen geworfen worden, berichteten Zeugen. Die Tageszeitung „Sächsische Zeitung“ berichtete, dass die Rechtsextremen Parolen, wie Bautzen gehöre ihnen, gerufen hätten.

Von wem die Provokationen ausgingen, ist derzeit nicht zu klären.

2. So reagierte die Polizei

Die Polizei versuchte beide Gruppen zu trennen und forderte sie auf, den Platz zu verlassen. Aus der Reihe der Asylsuchenden wurden die Beamten den Angaben zufolge unter anderem mit Flaschen und Holzlatten beworfen. Daraufhin setzte die Polizei Schlagstöcke und Pfefferspray ein.

Um Übergriffe zu verhindern, riegelte die Polizei die Asylbewerberunterkunft ab. Auch drei weitere Asylbewerberunterkünfte in Bautzen und dem Ort Niedergurig im Landkreis Bautzen wurden nach Angaben der Polizei bewacht. Die Polizei setzte Pfefferspray und Schlagstöcke ein.

Der Polizeieinsatz mit rund 100 Beamten war um halb drei Nachts beendet. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen des Verdachts auf Landfriedensbruch und gefährlicher Körperverletzung. Zeugen sind aufgerufen, sich zu melden.

3. Das sagt die Polizei zu den Vorfällen

Am Donnerstag Nachmittag gab die Polizei eine Pressekonferenz zu den Vorfällen. Aus der Gruppe der jungen Flüchtlinge habe es Provokationen gegenüber der Gruppe der Rechten gegeben, die wohl alkoholisiert waren. Mitglieder der Gruppe sollen dem Hooligan-Spektrum angehören (die Polizei nennt sie "Eventpublikum").

4. So entwickelten sich die Krawalle weiter

Die Asylbewerber gingen danach in ihre Unterkunft zurück. Die Rechtsextremen setzten ihnen aber in Gruppen nach. Die "Sächsische Zeitung" spricht von "regelrechten Jagdszenen", die sich dann abgespielt hätten.

Trotzdem kam es zu weiteren Ausschreitungen. Als ein 18-jähriger Bewohner des Asylheims wegen Schnittverletzungen ins Krankenhaus gebracht werden sollte, wurde der Rettungswagen behindert und von den Rechten mit Steinen beworfen. Ein zweiter Rettungswagen konnte den Verletzten schließlich unter Polizeischutz ins Krankenhaus bringen.

Ein Video auf dem Kurznachrichtendienst „Twitter“ scheint das zu bezeugen:

Außerdem hätten rechte Gruppen „Wir sind das Volk“ gerufen. Auch hatten wohl einige der Rechten versucht, in das Asylbewerberheim einzudringen, um den Jugendlichen dort nachzusetzen.

5. So reagieren die Politiker

Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens brach wegen der Ausschreitungen seine Dienstreise nach Düsseldorf ab. Der „Sächsischen Zeitung“ sagte er: „Ich bin wütend und entsetzt. Ich verurteile die Gewalt auf das Schärfste. Und das sage ich in aller Deutlichkeit, unabhängig von wem die Gewalt ausgeht.“

Gegenüber dem Nachrichtenmagazin "Focus Online" spekulierte Ahrens, ob die gewaltbereiten Rechtsextremisten von außerhalb nach Bautzen kamen: "Es sind sehr viele Autos mit Pirnaer Kennzeichen gesichtet worden – das kann Zufall sein, muss es aber nicht.“ Die Gemeinde bei Heidenau galt lange Zeit als Hochburg der Rechten. Sie liegt etwa eine Autostunde von Bautzen entfernt.

6. Das steckt hinter den Krawallen

In Bautzen war es in den vergangenen Monaten immer wieder zu Konflikten gekommen.

Im Februar wurden Löscharbeiten bei einem Brand in einer Flüchtlingsunterkunft von Schaulustigen behindert. Im März war Bundespräsident Joachim Gauck bei einem Besuch beschimpft worden.

Erst am Dienstagabend war außerdem ein 32 Jahre alter Bautzener durch einen Flaschenwurf verletzt worden sein. Dies war nur einer der Vorfälle in den letzten Tagen. Schon am Wochenende kam es zu Ausschreitungen bei einer Demonstration des Vereins "Bautzen bleibt bunt".

Ob die Gewalt dabei von Rechtsradikalen oder von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen ausgeht, ist nicht geklärt. Oberbürgermeister Ahrens sagte "Focus Online", dass eine Gruppe von Flüchtlingen in letzter Zeit in einem Einkaufszentrum auffällig geworden war: "Salopp gesagt: Die haben da auf dicke Hose gemacht und Leute beleidigt. Beschwerden über das Verhalten der Jugendlichen haben zuletzt zugenommen."

7. Wie geht es jetzt weiter?

Uwe Kilz, Leiter des Polizeireviers Bautzen, sagte auf der Pressekonferenz, dass es schon den ganzen Sommer auf dem Kornplatz zu Zusammenstößen von Flüchtlingen und Rechtsradikalen gekommen sei. Eine mögliche Lösung sei nun eine Ausgangssperre und ein Alkoholverbot für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, damit dieser dramatischen Nacht keine weitere Gewalteskalation mehr folge.

Mit Material der dpa.

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