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Getrennte Klassen: "Physik light" für Mädchen?

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PHYSICS
Einige Schulen in Deutschland experimentieren mit geschlechtergetrennten Klassen | Jon Feingersh via Getty Images
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  • An einem Pfälzer Gymnasium haben Jungen und Mädchen getrennten Physikunterricht
  • Ziel ist es, bei Mädchen mehr Begeisterung für das Fach zu wecken
  • Experten kritisieren das Experiment

In der Schule gelten Mädchen als fleißiger und erfolgreicher als Jungen. Auch an den Hochschulen haben sie ihre männlichen Mitstreiter eingeholt.

An vielen Universitäten sind inzwischen über 50 Prozent der Studienanfänger weiblich. Doch bei der Fächerwahl bestehen weiterhin große Unterschiede.

Physik wird beispielsweise schon in der Schule von Mädchen nur selten als Lieblingsfach genannt. Am Hofenfels-Gymnasium in Zweibrücken in Rheinland-Pfalz hat deswegen ein Physiklehrer vor einem Jahr ein besonderes Experiment begonnen.

Weniger Mädchen wählen den Leistungskurs

Wie "Die Welt" berichtet, hat die Schule in einem ersten Versuch zwei siebte Klassen zusammengelegt und für den Physikunterricht nach Mädchen und Jungen getrennt. Zwei weitere Klassen dienten als Kontrollgruppen.

Michael Scheffe hatte die Idee zu dem Experiment. "In unserem Physik-Leistungskurs in der Oberstufe sitzen 17 Jungs und gerade mal ein Mädchen.

Das Mädchengymnasium nebenan bekommt jedes Jahr einen Kurs mit mindestens zehn Schülerinnen zusammen", schildert der Physiklehrer seine Beobachtung.

Kein "Physik light" für die Schülerinnen

Das Ziel der Versuchs: Mehr Interesse für das Fach bei Mädchen wecken. Denn "es geht nicht darum, dass die Mädchen besser werden – die sind schon gut", sagt Scheffe. "Wir machen kein Physik light für Mädchen", betont der Lehrer.

Nicht bei allen stößt das Projekt des Lehrers auf Begeisterung. Die betroffenen Schüler und Schülerinnen hatten sich zunächst über den getrennten Unterricht beschwert.

Inzwischen hätten jedoch alle begriffen, warum die Schule das Experiment durchführt. Scheffe bewertet die Entwicklung: “Ich bin der Meinung, es läuft gut."

Die Landesschülervertretung kritisiert das Experiment

Die Landesschülervertretung beurteilt den Versuch kritisch. "Gerade in der Schule und besonders zur Zeit der Pubertät in der Mittelstufe entwickeln Jungen und Mädchen rollentypisches Verhalten, was durch geschlechtergetrennten Unterricht nur verstärkt wird", sagte Vorstandsmitglied Mona Kaczun.

Professor Jürgen Budde von der Universität Flensburg sieht ebenfalls ein Problem des Experiments in der Beeinflussung der Rollenbildung. Es besteht die Gefahr, dass Mädchen suggeriert wird, sie wären nicht gut genug für die gewöhnliche Klasse.

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Scheffe zieht eine ernüchternde Bilanz

Nach dem ersten Jahr zieht der Physiklehrer eine Bilanz: "Mein erster Eindruck ist, dass kaum ein Unterschied zu spüren ist."

Das Interesse an Physik habe sich demnach nicht nachweisbar gesteigert. Eine von der Hochschule Kaiserslautern durchgeführte Befragung bestätigt bisher Scheffes Beobachtung.

Scheffe betont, dass er mit dem Experiment einfach etwas ausprobieren wolle, um den Status quo herauszufordern. Er sei neugierig und halte die Geschlechtertrennung nicht für eine universale Lösung.

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