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Die 7 größten Irrtümer über Depressionen

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Besonders für Außenstehende ist die Depression eine rätselhafte Krankheit. | iStock
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Obwohl Depressionen zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt gehören, ranken sich immer noch viele Mythen um die - zumindest für Außenstehende - rätselhafte Krankheit. Diese Irrtümer führen dazu, dass sich Betroffene oft unverstanden fühlen und sich erst spät Hilfe suchen. Es ist also an der Zeit, mit falschen Tatsachen aufzuräumen.

Die 7 hartnäckigsten Missverständnisse über Depressionen:

1. Depressionen sind keine richtige Krankheit

Depressive Menschen sind nicht krank, behauptet der Buchautor Josef Giger-Bütler und suggeriert, nur der eigene Wille helfe aus dem Tief. Medizinische Studien zeigen allerdings das Gegenteil.

Vor allem Familien- und Zwillingsstudien haben belegt, dass es eine erbliche Veranlagung für Depressionen gibt. Diese muss nicht zwangsläufig zum Ausbruch der Krankheit führen. Wenn jedoch ein eineiiger Zwilling an einer bipolaren, manisch-depressiven Störung leidet, dann liegt die Wahrscheinlichkeit für den anderen Zwilling, ebenfalls daran zu erkranken, bei circa 70 Prozent.

2. Nur schwache Menschen sind betroffen

"Reiß dich zusammen. Stell dich nicht so an." Das sind Sätze, die Betroffene oft von Angehörigen zu hören bekommen. Sie implizieren, dass depressive Menschen schwach seien und ihren Zustand aus eigener Kraft verändern könnten. Das ist nicht so.

Eine Depression kann jeden treffen – im Laufe des Lebens erkrankt jeder zehnte Deutsche an einer schweren depressiven Episode.

Oft trifft eine Depression gerade die Menschen, die besonders stark wirken. "Oft sind es sogar eher Menschen, die dazu neigen, gewissenhaft zu sein, Verantwortung zu übernehmen, für andere da zu sein, die auch Leistungsträger in einem Unternehmen sind", sagt Ulrich Hegerl, Vorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Die Krankheit folgt keiner Regel.

3. Depressionen treten Immer häufiger auf

In den letzten Jahren rückte die Krankheit immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit, durch vermehrte Berichterstattung der Medien kann der Eindruck entstehen, dass Depressionen häufiger als früher auftreten. Laut der Stiftung Deutsche Depressionshilfe ist die Zahl der Betroffenen nicht angestiegen.

"Was zunimmt, ist die Zahl der Menschen, die sich Hilfe holt, und die Zahl der Ärzte, die eine Depression als solche erkennen“, sagt Hegerl.

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Das heißt, mehr Menschen bekommen heute eine entsprechende Diagnose als vielleicht noch vor einigen Jahren. Was auch dazu führte, dass die Selbstmordrate in den letzten Jahrzehnten drastisch gesunken ist.

4. Depressionen sind nicht heilbar

Im Gegensatz zur landläufigen Meinung, sind Depressionen heilbar – und zwar mit guten Chancen. Die Depression ist eine Erkrankung wie jede andere körperliche Erkrankung auch, schreiben Sabine Wehner-Zott und Hubertus Himmerich in ihrem Buch "Die Seele heilen".

Mit Hilfe von Gesprächstherapie und Medikamenten ist die Krankheit gut in den Griff zu bekommen, auch wenn das Risiko, noch einmal im Leben eine depressive Episode zu erleben, auch nach der Behandlung erhöht bleibt. Je früher sich Betroffene Hilfe suchen, desto geringer ist diese Gefahr.

5. Medikamente machen abhängig

80 Prozent der Bevölkerung denkt, dass Antidepressiva abhängig machen. Doch Ulrich Hegerl betont, dass die Medikamente - auch bei längerer Einnahme - nicht süchtig machen. "Nimmt ein Gesunder ein Antidepressivum ein, so wird er davon nicht 'high'“.

Allerdings sollte man die Dosierung dieser Medikamente nur nach ärztlicher Rücksprache und stufenweise reduzieren oder ganz absetzen.

Zum einen, weil es sonst zu Absetz-Phänomenen kommen kann, beispielsweise zu Schlafstörungen und leichter Unruhe. Zum anderen, weil ohne den medikamentösen Schutz ein höheres Rückfallrisiko bestehen kann.

6. Antidepressiva verändern die Persönlichkeit

Eine ebenfalls weit verbreitete Angst vieler Menschen: dass Antidepressiva ihre Persönlichkeit verändern und sie ihren Charakter verlieren. Das ist nicht wahr.

Vielmehr sei es die Depression, die zu schweren Veränderungen im Erleben und Verhalten der Betroffenen führe. "Wenn Menschen mit Antidepressiva behandelt werden, sagen sie oft: 'Jetzt bin ich wieder so, wie ich mich kenne'", sagt Hegerl.

7. Wer depressiv ist, begeht Selbstmord

Keine Frage, unter schwer depressiven Menschen ist die Neigung zur Selbsttötung weiter verbreitet als in der restlichen Bevölkerung. Bis zu 15 Prozent der Betroffenen sterben durch Suizid.

"Pro Jahr sterben in unserem Land deutlich mehr Menschen durch Suizid als aufgrund von Verkehrsunfällen", schreibt Hegerl in einer Pressemitteilung zum Thema.

Doch das bedeutet nicht, dass jeder Depressive versucht, seinem Leben ein Ende zu setzen. Da es verschiedene Schweregrade einer Depression gibt, sind hier auch verschiedene Risikoraten zu beachten. Und selbst unter den schwer Depressiven versucht lediglich die Hälfte sich tatsächlich umzubringen – die andere Hälfte tut das nicht.

Dass Suizidgedanken bei den meisten Betroffenen zum Krankheitsbild gehören, steht aber außer Frage.

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(glm)