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Was Hillary Clinton, Frauke Petry und Angela Merkel gemeinsam haben

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Was Hillary Clinton, Frauke Petry und Angela Merkel gemeinsam haben | Getty / Reuters
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Nun ist es also die Lunge. Bei der steten Suche, was alles Hillary Clinton das Präsidentenamt verbauen könnte, ist man fündig geworden: Nicht mal richtig husten kann jetzt die Kandidatin, wie will sie dann als Oberbefehlshaberin die US-Streitkräfte führen?

Clinton hat eine Lungenentzündung, und das wirft sie im Wahlkampf zurück. Wäre sie ein Mann, dann nur halb so weit. Die Reaktion auf ihren Gesundheitszustand zeigt knapp: Wir haben uns immer noch nicht an Frauen an der Macht gewöhnt.

Das versuchen wir zu verhindern. Und haben uns etwas cleveres ausgedacht, ungefähr eine Quadratur des Kreises: Frauen da oben müssen weiblich sein, aber nicht zu viel. Sie sollen eine Prise Männlichkeit haben (wegen der Befehle und so), aber nicht zu viel. Am Ende eines solchen Zickzackkurses bleibt dann manche Frau auf der Strecke – und genau das ist das Ziel. Eine tolle Abschreckungsstrategie haben wir Männer uns da ausgedacht.

Daher zählt bei Frauen im Rampenlicht jeder Huster. Jeder Schritt wird kommentiert, jeder Popel analysiert; bei Männern nicht. Clintons Outfit: ein Dauerbrenner in den Medien. Die Krawatten ihres Rivalen Donald Trump dagegen sind keine Erwähnung wert.

Als die britische Innenministerin Theresa May im Juli Premierministerin wurde, da überschlugen sich die Artikel – über ihre Schuhe. Selber schuld, die Frauen, wären sie nur zuhause geblieben.

Die Legende von der Vernunft des Mannes

Natürlich ist der Gesundheitszustand von Politikern ein Politikum. Dem müssen sich auch Männer stellen. Aber bei Frauen sind die Hürden immer höher –stets verbirgt sich dahinter der Gassenhauer, Frauen wären schwächer, würden halt emotionaler agieren und Männer rationaler.

Ist natürlich Quatsch, das letzte Mal habe ich das von einem konservativen Imam in der Moschee gehört, mit dem allerdings will ein Donald Trump oder ein Alexander Gauland sicher nichts gemein haben.

Bleibt nur die Flucht. Angela Merkel hat sich für eine Uniform entschieden. Immer schwarze Hose, darüber das eine oder andere Hemd, basta. Alles andere wurde sie leid, die Diskussionen um Schwitzflecke in ihrem Ballkleid, die Socken beim Wandern – alles lästig.

Und dies ist die große Gemeinsamkeit, die Politikerinnen teilen. Am vergangenen Dienstag titelte der „Bayerische Rundfunk“ über Hillary Clinton: „Die verschlossene Auster“. Eben eine Frau, das Bild passt.

Trump würde eher als Knallerbse durchgehen, aber er hat gut lachen: Clinton hat schon längst ihre Gesundheitszeugnisse veröffentlicht, während er nicht einmal mit seiner Steuererklärung rüberkommt. Schwamm drüber.

Frauen: Entweder harmlos oder tückisch

Frauen in der Politik haben die Pest am Bein: Als Clinton bei den Vorwahlen durchstartete, titelte „Focus-Online“ im April: „Die Frau mit ‚Killerinstinkt‘ will US-Präsidentin werden“. Bei der Wiener Tageszeitung „Die Presse“ hieß es mal: „Merkel: Kanzlerin mit Killerinstinkt“.

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Merkels Vorgänger Helmut Kohl hatte keine Fama des Killerinstinkts. Er hieß Birne. Und Merkels Vizekanzler Sigmar Gabriel von der SPD schaffte es bisher nur, wegen einer zurückliegenden Nebenbeschäftigung als „Beauftragter für Popkultur und Popdiskurs der SPD“, zum „Siggi Pop“. Männer sind drollig. Frauen schwarze Witwen.

Und daher warnt Trump die Wähler: „Clinton will die Merkel Amerikas werden.“

Diese Strategie ist erfolgreich. Zumindest hält sie gerade die US-Demokratin auf.

Ein Politikerinnenleben unterm Brennglas

Fehler von Frauen werden doppelt bestraft. Bei der AfD zum Beispiel ist das Gerede von Schießbefehlen an den Grenzen und „völkisch“ alltäglich – es wurde von Männern in der Partei installiert.

Als dann Frauke Petry als Vorsitzende später das gleiche rief, war der Aufschrei groß; an die Parolen der Männer hatten wir uns gewöhnt. Petry wird wegen ihres Führungsstils intern angegangen – einem Mann würden sie das durchgehen lassen, aber sich von einer Frau herumkommandieren lassen?

Daher sägen die Männer in der AfD längst an Petrys Stuhl. Weil sie eine Frau ist.

Und was diese Masche mit den Klötzen am Bein, der Dauerbeobachtung und der Doppelbestrafung noch bewirkt, haben die Kollegen von der „Süddeutschen Zeitung“ einmal zusammengetragen:

51 Prozent der Deutschen sind Frauen. Sie stellen neun Prozent aller Bürgermeister und 28 Prozent aller an den Unis Habilitierenden – obwohl 48 Prozent aller Studierenden Frauen sind; die begehrten C-4-Professoren halten sie nur zu neun Prozent.

In den Aufsichtsräten der 200 größten Unternehmen sind 18 Prozent Frauen, bei den Sprechstundenhilfen sind es 99 Prozent, bei den Baumaschinenführern null Prozent.

16 Prozent der 50 reichsten Deutschen sind weiblich, von den Alleinerziehenden sind 85 Prozent Frauen.

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(lp)