Huffpost Germany

Star-Ökonom: Der Weltwirtschaft steht ein Epochenwechsel bevor

Veröffentlicht: Aktualisiert:
GAVYN DAVIES
Der Star-Ökonom Gavyn Davies ist davon überzeugt: Der Welt steht ein Epochenwechsel bevor | ODD ANDERSEN via Getty Images
Drucken
  • Der Star-Ökonom Gavyn Davies sagt der Weltwirtschaft einen Epochenwechsel voraus
  • Die Angst vor einer Deflation sei unberechtigt
  • Stattdessen stehe der Weltwirtschaft Gutes bevor

Wenn Gavyn Davies Recht hat, dann unterliegen viele Menschen gerade einem großen Irrtum. Davies ist einer der bekanntesten Ökonomen Großbritanniens. Jetzt hat er mit einem Aufsatz in der britischen Zeitung "Financial Times" für viel Wirbel gesorgt.

Denn darin stellt er eine These über die Weltwirtschaft auf, die den Einschätzungen der großen Mehrheit der Ökonomen widerspricht.

Wie steht es gerade um die Weltwirtschaftslage?

Glaubt man den meisten Experten, ist die Lage der Weltwirtschaft sehr bedenklich. Gavyn Davies widerspricht hier. Er glaubt: Die beste Phase steht den Märkten noch bevor.

Davies widerspricht damit etwa den drei deutschen Ökonomen Steffen Lange, Peter Pütz und Thomas Kopp. Diese schrieben in einer Studie im Februar dieses Jahres, dass sich die Zeiten des Wirtschaftswachstums in allen westlichen Ländern dem Ende zuneigen würden. Mindestens seit den Sechzigerjahren folge das Wirtschaftswachstum in der entwickelten Welt einem linearen Trend, schreiben sie darin, ihre Wachstumsraten entwickelten sich gegen Null.

Auch der Internationale Währungsfonds stellte für das Jahr 2016 die düstere Prognose auf, dass die Weltwirtschaft nicht weiter wachsen würde.

Davies zeigt: Die Schwarzseher könnten sich irren

Davies, der Jahre lang Partner der bekannten US-Investmentbank Goldman Sachs und danach bis 2004 Chef des Medienkonzerns BBC war, sieht das grundlegend anders.

Er teilt die jüngere Wirtschaftsgeschichte in drei Phasen ein. Die beste davon stehe uns gerade erst bevor. Von 2012 bis 2015 beherrschte laut Davies die erste Phase die Finanzmärkte, das "quantitative easing" (auf Deutsch: quantitative Lockerung).

Als quantitative Lockerung bezeichnet man den Vorgang, wenn eine Zentralbank Wertpapiere von Geschäftsbanken aufkauft. Die Banken hatten die Märkte zu dieser Zeit mit Geld geflutet, dadurch sind auch die Aktienkurse angestiegen.

Mitte Juni 2015 habe dann die zweite Phase begonnen. Diese sei von der Angst vor einer Deflation beherrscht gewesen. Deshalb seien die Aktienmärkte derzeit so schwach und würden sich nicht weiter entwickeln.

Nun aber steht uns laut Davies die dritte Phase bevor. Diese dritte Phase sei ein Epochenwechsel, im absolut positiven Sinne. Denn Davies glaubt, dass die Preise weltweit wieder steigen werden und dadurch die Inflationsrate steigt.

Deutscher Wissenschaftler ist kritisch

Andere Ökonomen sehen den angeblich bevorstehenden Epochenwechsel kritisch. Dr. Malte Rieth vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung glaubt nicht an einen Epochenwechsel in der Weltwirtschaft. "Für einen solchen Epochenwechsel mit steigenden Preisen sehe ich keine Anzeichen", sagte er der Huffington Post.

"Unsere ausgewerteten Daten in Deutschland zeichnen ein anderes Bild. Demnach liegt die Inflation gerade bei 1,3 Prozent. Das ist zu niedrig. Die Europäische Zentralbank strebt eine Inflationsrate von zwei Prozent an", sagte Rieth. Laut der EZB sei zwei Prozent die perfekte Inflationsrate.

Wie kommt Davies auf einen Epochenwechsel?

Davies glaubt aber nicht nur an einen Epochenwechsel, er hat auch Beweise dafür. Der Ökonom sagt, dass er diesen bevorstehenden Epochenwechsel aus ökonomischen Daten herleiten könne. Diese Daten würden ihm zeigen, dass die Preise bald steigen - und zwar weltweit.

Davies stellte bei seinen Untersuchungen eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage in den wichtigsten Regionen der Welt fest. In den USA vermutet Davies zum Beispiel ab 2017 deutlich steigende Löhne, ein Zeichen für eine Inflation.

Warum ist eine Inflation gut?

Bei einer Inflation steigen die Preise an und damit am Ende auch die Löhne. Für die Wirtschaft ist eine maßvolle Inflation deshalb gut. Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs bringen oft steigende Inflationsraten mit sich. Außerdem verringert eine Inflation das Risiko einer Deflation, die schlimme Folgen für die Wirtschaft haben könnte.

Denn Deflation bedeutet: viele Produkte werden auf einmal billiger. Was für den Konsumenten erst einmal positiv klingt, ist hochgefährlich. Denn mit den Preisen sinkt häufig auch die Nachfrage nach Produkten, weil Menschen darauf spekulieren, diese könnten noch billiger werden. Investitionen werden aufgeschoben, Unternehmen büßen Gewinn ein, Arbeitsplätze fallen weg,

Davies sieht solche Risiken derzeit nicht. Auch China, Russland und Brasilien hätten sich laut Davies von ihrer Schwächephase erholt. In Europa und Japan sieht Davies zwar nur wenige Anzeichen für eine Inflation, dafür würden aber die Rohstoffpreise steigen.

Was der Ökonom außerdem festgestellt hat: Immer mehr Staaten hören auf zu sparen. Japan würde beispielsweise immer mehr Geld ausgeben. Und wenn Geld ausgegeben wird, bewirkt das steigende Preise und somit eine Inflation.

Zu welchem Schluss kommt Davies?

Der Ökonom hat große Datenmengen ausgewertet und zieht daraus ein positives Fazit: Laut Davies wächst die Weltwirtschaft - und zwar mit einer Jahresrate von 3,5 bis 4 Prozent. Das ist vergleichsweise viel. Im Februar lag die Rate nur bei 2 bis 2,5 Prozent.

Davies ist sich sicher, dass die Inflationsrate bis Mitte 2017 schon auf die angestrebten zwei Prozent steigen wird.

Dass die Wirtschaft wächst, hat in diesem Jahr übrigens auch das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) herausgefunden. Die Ökonomen erhöhten ihre Prognose für das laufende Jahr von 1,6 Prozent auf 1,8 Prozent. Auch die Arbeitslosenquote werde sinken, glauben die Forscher.

Der Ökonom Davies ist davon überzeugt, dass das Wirtschaftswachstum weltweit anhalten wird und schreibt: "Es ist möglich, dass das Thema der lang anhaltenden Stagnation abflaut."

Auch auf HuffPost:

Besitzt ihr noch alte D-Mark? Dann könntet ihr bald Hunderte Euro reicher sein


Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

(lp)