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In diesem Unternehmen teilen sich die Angestellten ihre Arbeitszeit selbst ein

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Der Maschinenbauer Trumpf hat eine Jahresarbeitszeit eingeführt. | Kelvin Murray via Getty Images
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  • Der Maschinenbauer Trumpf hat eine Jahresarbeitszeit eingeführt
  • Die Angestellten können sich ihre Arbeitszeit selbst einteilen
  • Das Unternehmen hat einen genauen Plan, wie das funktionieren soll

Jeder, der in einem Unternehmen arbeitet, kennt das: Manchmal gibt es so viel zu tun, dass man mit der Arbeit gar nicht hinterher kommt. Dann wieder gibt es Zeiten, in denen es ruhiger zugeht.

Eigentlich wäre es da ganz praktisch je nach Bedarfslage zu arbeiten - länger zu bleiben, wenn viel ansteht und einfach nach Hause zu gehen, wenn weniger zu tun ist. Doch ein solches Arbeitsmodell gibt es normalerweise nicht. Bis jetzt.

Der Maschinenbauer Trumpf hat nun die "Jahresarbeitszeit" eingeführt. Das bedeutet: Die Arbeitszeit der Angestellten wird nicht mehr nach Tag oder Woche berechnet, sondern auf das ganze Jahr gesehen. Die Angestellten arbeiten nun nach Bedarf. Sie haben dabei ein sogenanntes Zeitarbeitskonto.

Auf diesem können alle Mitarbeiter bis zu 1000 Stunden für eine längere Auszeit ansparen, schreibt das Unternehmen auf seiner Website. Für ein Jahr legt jeder fest, wie viele Stunden monatlich auf das Konto fließen sollen. Hat ein Mitarbeiter zum Beispiel besonders viele Extra-Stunden auf seinem Konto angesammelt, kann er sich dafür später eine längere Auszeit nehmen.

"Die voranschreitende Digitalisierung, volatilere Märkte und kürzere Produktlebenszyklen erfordern von uns noch mehr Flexibilität als bislang", sagt die Unternehmenschefin Nicola Leibinger-Kammüller als Erklärung für das neue Arbeitszeitmodell in einer Pressemitteilung.

Führungskraft und Mitarbeiter entscheiden allein

Gewisse Vorgaben gibt es natürlich trotzdem. Ein Vollzeitangestellter bei Trumpf sollte am Ende des Jahres möglichst 1610 Stunden gearbeitet haben, höchstens 25 Stunden mehr oder weniger. In dem Unternehmen kann aber jeder selbst entscheiden, ob er nach dem neuen Modell arbeiten möchte oder nicht.

"Wir machen das, was wir von der Politik immer fordern, wir bauen Bürokratie ab", sagte der Arbeitsdirektor Gerhard Rübling der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Führungskraft und Mitarbeiter entscheiden allein. Nur wenn es Streit gibt, wird der Betriebsrat eingeschaltet."

Und wenn es nicht klappt? Darüber macht sich die Geschäftsführung bislang wenig Gedanken. Man wolle das jetzt "mal probieren" und wenn es schief gehe, dann würde man eben "nicht erst in fünf Jahren" reagieren, sagte die Chefin Leibinger-Kammüller in der "FAZ". Das klingt zuversichtlich und flexibel - genauso wie das Zeitarbeitsmodell der Firma.

Auch für ältere Mitarbeiter hat Trumpf ein besonderes Angebot

Der Maschinenbauer bemüht sich mit Sondermodellen seit Jahren um die Zufriedenheit seiner Mitarbeiter. Auf seiner Website bietet das Unternehmen auch ein sogenanntes "Sabbatical" an, also eine länger andauernde Auszeit vom Job.

Ältere Mitarbeiter, die zum Beispiel körperlich nicht mehr in der Lage sind, bestimmte Tätigkeiten auszuführen, könnten außerdem im Alter Berater-Tätigkeiten übernehmen, ist auf der Website zu lesen.

Trumpf nennt das neue Arbeitszeitmodell mit dem flexiblen Zeitsystem "Bündnis für Arbeit 2021". Es wurde mit der Geschäftsführung und dem Betriebsrat ausgehandelt und ist seit dem 1. Juli 2016 gültig.

Trumpf schließt mit seinen Mitarbeitern solche speziellen Bündnisse bereits seit 1997 ab. Jedes Jahr kamen neue Änderungen hinzu - zum Vorteil der Mitarbeiter und des Unternehmens, wie es in der Presse-Mitteilung heißt. Von Beschwerden ist bisher zumindest nichts bekannt.

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(lk)