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Ehemaliger Mitarbeiter erklärt: Darum verbiete ich meinen Kindern, Facebook zu nutzen

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Ehemaliger Mitarbeiter erklärt: Darum verbiete ich meinen Kindern, Facebook zu nutzen (Symbolbild) | Eric Fowke via Getty Images
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  • Es ist für alle Elter eine schwierige Entscheidung: Lasse ich mein Kind Facebook nutzen oder nicht?
  • Für den ehemaligen Facebook-Manager Antonio García Martínez ist die Antwort klar
  • Er hält seine Kinder von dem sozialen Netzwerk fern

Für die meisten Menschen im Alter von 20 bis 50 Jahren ist Facebook aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Viele teilen über das Soziale Netzwerk Fotos und Details aus ihrem Privatleben mit ihren Freunden und Bekannten.

Was kaum einen stört: Während das gigantische Unternehmen fleißig Daten eines jeden einzelnen Nutzers sammelt, gelangen nur wenige Informationen über das Unternehmen selbst und seine Motivation an die Öffentlichkeit.

Das wirft spätestens, wenn es nicht mehr nur um das eigene Wohl geht, dringliche Fragen auf. So müssen sich alle Eltern fragen: Sollte mein Kind Facebook nutzen dürfen?

Für Antonio García Martínez ist die Antwort ein klares "Nein, sollten sie nicht". Und das, obwohl er selbst Mitarbeiter des Tech-Konzerns aus dem Silicon Valley war.

"Facebook geht es darum, wie wir leben"

Im Interview mit der "Zeit" erklärte der Amerikaner, was Facebook in seinen Augen so gefährlich macht - und warum seine Kinder kein Facebook nutzen dürfen.

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Gerade Kinder können sich von Facebook oft nur schwer wieder losreißen; Bild: Getty

Laut Martinez, der von 2011 bis 2013 bei Facebook als Manager arbeitete, will der Tech-Konzern wie die meisten Silicon-Valley-Firmen, einer altbewährten Branche ganz einfach "den Stecker ziehen" und dann "schauen, was passiert".

Während so etwa Airbnb die Hotelindustrie bedroht und Uber Taxiunternehmen das Leben schwer macht, hat Facebook laut Martinez einen viel essentielleren Bereich im Visier.

"Ich glaube, Facebook geht es darum, wie wir leben. Es ist ein Ersatz für Gemeinschaften. Für Stämme", sagt der 40-Jährige im Interview mit der "Zeit".

"Diese Menschen sind verbunden mit einer anderen Gemeinschaft"

Man könne das heutzutage gut in Bars beobachten, sagt der Amerikaner – einem Ort, an dem man normalerweise mit Freunden und Fremden ins Gespräch käme.

"Wenn Sie aber heute in eine Bar gehen, sehen Sie nur Leute, die auf Facebook-Screens starren. Diese Menschen sind verbunden mit einer anderen Gemeinschaft", sagt der Facebook-Insider.

Zum Thema: Daran erkennt Facebook, ob eine Beziehung wirklich glücklich ist

Dabei nimmt der ehemalige Facebook-Mitarbeiter Bezug auf die sogenannte Dunbar-Zahl. "Die besagt, dass Menschen, egal in welcher Epoche und an welchem Ort, eigentlich immer nur mit etwa 150 Leuten echte Beziehungen pflegten", erklärt Martinez.

"Meine Kinder sollen in der Realität aufwachsen"

Das sei früher etwa eine Dorfgemeinschaft gewesen. "In unserer Zeit, wo man nicht mehr dort lebt, wo man geboren wurde, gibt es dieses kleine Ding in unserer Hosentasche, die Facebook-App, die einen genau mit diesen Leuten verknüpft, ganz unabhängig davon, wo man ist."

Für seine Kinder habe er Schlüsse aus der Einsicht in das Unternehmen gezogen. "Ich werde sie nicht auf Facebook lassen. Ich werde versuchen, sie von der Technologie abzuschirmen", sagt Martinez im Interview.

Er werde sie davor schützen, soweit es ginge, erklärt der 40-Jährige. "Sie sollen in der Realität einer kleinen Gemeinschaft aufwachsen, nicht in einer Simulation dieser."

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(lk)