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Ganz Amerika spricht über Clintons Gesundheit – kann sie am Ende wahlentscheidend sein?

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  • Hillary Clinton muss ihren Wahlkampf wegen einer Lungenentzündung unterbrechen
  • Die Konsequenzen könnten weitreichend sein
  • Im Video oben seht ihr Clintons Zusammenbruch bei der 9/11-Gedenkfeier am Sonntag

Knapp zwei Monate vor der US-Präsidentschaftswahl ist Hillary Clinton krank. Die Kandidatin der Demokraten leidet an einer Lungenentzündung.

Ihr Zustand könnte einen gewaltigen Einfluss auf den Wahlkampf haben. Für den Moment musste die Ex-Außenministerin zwar nur ihre Tour durch Kalifornien absagen, doch die Konsequenzen könnten viel weitreichender sein.

Hier sind die vier wichtigsten Fragen zu Clintons Gesundheitszustand und den möglichen Folgen:

1. Nutzt Widersacher Trump Clintons Erkrankung aus?

Clintons Erkrankung könnte ihrem Widersacher Donald Trump in die Hände spielen. Der Republikaner hatte wiederholt angedeutet, dass Clinton auch aus gesundheitlichen Gründen ungeeignet sei, die Präsidentschaft zu übernehmen.

Trump und sein Team raunten über Folgen eines Blutgerinnsels, das 2012 in Folge einer Gehirnerschütterung Clintons entstand. Sie weiden sich an jedem Husten, der die Kandidatin seit dem Spätsommer im Wahlkampf schüttelt, und den ihr Team mit einer allergischen Reaktion erklärt, die mit Antibiotika behandelt werde.

Clinton schlafe auffällig viel - warum denn wohl, donnerte der vulkanische Trump, herrenwitzelte über mangelndes Stehvermögen. Bisher konnte der Rivale seine Spekulationen nie belegen. Nun könnte sich dies schlagartig ändern.

Trump wünschte Clinton aber eine gute Besserung. "Ich hoffe, dass es ihr bald besser geht", sagte der er am Montag im Sender Fox. "Irgendwas geht vor sich - ich hoffe, dass sie bald wieder auf den Beinen und zurück im Rennen ist." Worte, aus denen jeder die Heuchelei heraushören muss, der die Vorgeschichte dazu kennt.

Jedoch: Für Trump ist diese Reaktion bemerkenswert großmütig. Diese Zurückhaltung dürfte die Handschrift seiner neuen Berater tragen. Clinton ernsthaft erkrankt? Das ist im fiebrigen Wahlkampf ein so riesiger Selbstgänger, Trump kann das einfach in seinem Sinne laufen lassen. Sein Öl braucht dieses Feuer nicht.

2. Wie reagiert das Netz auf Clintons Erkrankung?

Die Reaktionen im Internet auf Clintons Zusammenbruch sind verheerend. Noch am Sonntag, kurz nachdem sie die 9/11-Gedenkfeier verließ, hatte in sozialen Netzwerken die Diskussion begonnen, was denn geschehe, wenn Clinton nicht mehr könne.

Am Echo auf ihre Erkrankung ist Clinton zum Teil selbst schuld.Schlimm genug, dass Videobilder einer wegsackenden Kandidatin, die nicht mehr selber gehen kann, sofort um die Welt gingen.

Verstärkt wurde dies noch durch die Reaktion ihres Teams: Fast acht Stunden lang äußerte sich niemand aus dem Clinton-Lager dazu, was am Rande des 9/11-Gedenkens passiert sei.

Ihre Mitarbeiter brauchten viel zu lange, um überhaupt zu reagieren. Niemand wusste, wo Clinton hingefahren war. Medienanfragen gingen ins Leere. Stunden dauerte es, bis es Neues zum Zustand der möglichen nächsten US-Präsidentin gab.

Dann die Mitteilung ihrer Ärztin: Schon seit Freitag sei Clinton erkrankt. Warum wurde das erst öffentlich, erst unter größtem Druck? Das alles wäre nicht so schlimm, wären Clintons Werte in Sachen Vertrauen und Ehrlichkeit nicht schon vorher historisch niedrig gewesen.

Der Umgang mit der Erkrankung nährte dann so ziemlich alle Vorwürfe in Sachen Intransparenz, Geheimniskrämerei und Misstrauen, die Clinton eh schon so schwer zu schaffen machen.

3. Wer könnte im Notfall für Clinton nachrücken?

Zuerst: Eine Entscheidung über einen Rückzug liegt ganz allein bei Clinton. Es gibt derzeit auch noch keine Anzeichen dafür, dass dieser Gedanke ernsthaft zu Ende gedacht werden muss.

Sollte Clinton überraschenderweise doch aus dem Rennen ausscheiden, gilt Joe Biden als wahrscheinlichster Ersatzmann für Clinton. Der amtierende Vizepräsident quält sich dem Vernehmen nach eh jeden Morgen mit der Frage, warum um alles in der Welt er seinen Hut nicht doch vor Monaten in den Ring geworfen hat.

4. Sollte man die Sorgen um Clinton ernst nehmen?

Krankheit ist etwas sehr intimes, aber Präsidentschaftskandidaten sind keine privaten Personen. Deshalb ist Clinton nun aufgefordert, ihre Gesundheitsakten offenzulegen.

Denn Bedenken in der Alters- und Gesundheitsfrage äußerte bislang nicht nur das Trump-Lager, sondern auch der Leibarzt von Barack Obama, David Scheiner.

"Es ist der bedeutendste Posten der Welt und wir haben zwei alte Menschen, die sich darum bewerben", sagte Scheiner dem Sender CNN.

Im fortgeschrittenen Alter müsse man mit "schlimmen Dingen" rechnen. Dies gilt aber ebenso für Trump, der sogar zwei Jahre älter ist als Clinton.

Das amerikanische Boulevardblatt "National Enquirer" brachte Clinton gar schon auf dem Titel mit einem leichenblass zurechtgebastelten Foto. Das erklärt, auf welch fruchtbarem Boden dieses Gesundheitsthema in den USA verfängt. Der Titel: "Hillary: Noch sechs Monate zu leben."

Nun liegt es an Clinton und ihrem Team. Derzeit führt die Demokratin in den Umfragen bei weitem auch und vor allem nach Zahl der Wahlmänner. Man wird rasch sehen können, ob sich ihre Erkrankung in Zahlen niederschlägt. Oder ob auch dieses Thema nur kurze Höchstkonjunktur hat - und dann wieder verschwindet.

mit Material von dpa

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(lk)