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Nobelpreisträger: "Kapitalismus fördert Betrug, aber es gibt keine Alternative"

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ROBERT SHILLER
""Der Kapitalismus fordert Betrug" | PETRAS MALUKAS via Getty Images
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  • Im Kapitalismus werden die Menschen täglich betrogen und ausgetrickst, sagt Nobelpreisträger Robert Shiller
  • Denn: "Wer im Kapitalismus zu moralisch ist, wird weggefegt"
  • Eine wirkliche Alternative zum regulierten Kapitalismus gibt es laut Shiller trotzdem nicht

"Wer im Kapitalismus zu moralisch ist, wird weggefegt". Sagt Robert Shiller. Shiller ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Yale University und wurde 2013 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.

In seinem neuen Buch "Phishing for Fools" beschreibt der Wirtschaftsprofessor sogenannte "Phishing-Gleichgewichte". Shillers Tenor: Überall, wo die Kunden reingelegt werden können, werden sie reingelegt.

"Es ist offensichtlich, dass Unternehmen unsere Bedürfnisse manipulieren, um ihre Produkte zu verkaufen", sagte Shiller im Gespräch mit der "Zeit". Zu viel Moral könne man sich im Kapitalismus nicht leisten, "sonst wird man von der erbarmungslosen Kraft des Kapitalismus hinweggefegt."

"Der Kapitalismus fördert Betrug"

Überleben könnten nur diejenigen, die bereit sind, zu tricksen: "Diese Menschen sind nicht per se ohne Moral, sie finden sich lediglich mit der Realität ab. Der Kapitalismus fördert Betrug, wenn man ihn nicht reguliert", erklärte der Wirtschafts-Experte.

Als Beispiel nannte Schiller die Platzierung von Süßigkeiten im Supermarkt: Die Regale würden aus gutem Grund an den Kassen aufgestellt werden, um die dort anstehenden Kunden zu locken.

Der Nobelpreistäger benutzt bewusst des "phishen" (zu Deutsch: täuschen), was man ansonsten eher mit nervigen E-Mails in Verbindung bringt. Der Begriff sei eine Metapher:

"Wir kennen das Problem mit Phishing", so Shiller. "Andererseits verweist der Begriff auf das traditionelle Fischen, geschrieben mit F. Angler denken sich eine Vielzahl von Kniffen aus, um Fische zu manipulieren und zu fangen."

Keine Alternative zum regulierten Kapitalismus

Trotz aller faulen Tricks glaubt Shiller weiterhin an einen regulierten Kapitalismus und an den freien Markt. Wirkliche Alternativen gäbe es nicht.

"Unter kommunistischen Regimen war alles zentriert, und was für ein Mist war das Bitte?", erklärte der Wirtschafts-Experte.

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