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Kosovo im Tausch gegen die Krim? Putin-Interview sorgt für Aufruhr

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Kosovo im Tausch gegen die Krim? Putin-Interview sorgt für Aufruhr | Mikhail Klimentyev via Getty Images
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  • Serbische Medien glauben: Putin plant einen Tausch der annektierten Krim gegen den Kosovo
  • Mit dieser Botschaft habe der russische Präsident sich an den Westen gewandt

Der größten serbischen Zeitung "Blic" war es eine Titelgeschichte wert. "Russlands Präsident hat dem Westen eine Nachricht geschickt. Gebt uns die Krim und Ihr könnt das Kosovo haben", heißt es am Samstag in dem renommierten Blatt.

Der Hintergrund: Wladimir Putin hatte in einem Interview der Agentur Bloomberg kritisiert, die USA und die EU wendeten im Kosovo das Recht auf Selbstbestimmung der Völker an, wollten es aber im Falle der Krim nicht gelten lassen.

"Prinzipiell ist die Selbstbestimmung im Kosovo und auf der Krim dieselbe Sache", erklärt auch der serbische Analyst Dusan Janjic: "Putins Äußerung ist ein Angebot für einen Kompromiss beim (staatsrechtlichen) Status des Kosovos".

Putin argumentiert seit je her ähnlich

"Diese Aussage zum Thema Krim ist vielleicht der Moment der Wahrheit", sagte auch der serbische Diplomat Ninoslav Stojadinovic der Zeitung. Die sieht bereits für das Balkanland die politischen Felle schwimmen, denn "Russland kümmert sich nicht um Serbien", sondern verfolge nur seine eigenen Interessen. Bisher verhinderte das russische Veto im Sicherheitsrat die Aufnahme des Kosovos in die UN.

Putin argumentiert jetzt wie schon zuvor so. Der Internationale Gerichtshof (IGH) habe als höchste UN-Justizinstanz im Falle des von Serbien abgefallenen und seit 2008 unabhängigen Kosovos entschieden, dass "bei der Klärung der Frage der Unabhängigkeit eine Entscheidung der zentralen Regierungen dieses oder jenen Staates nicht nötig ist".

Wenn im Falle des Kosovos die serbische Hauptstadt Belgrad sich dem Willen der albanischen Bevölkerungsmehrheit beugen müsse, gelte das auch im Fall der Krim mit Blick auf die ukrainische Hauptstadt Kiew.

Es gibt einen großen Unterschied

Im Klartext fragt Putin: Im Kosovo durfte die 90-prozentige albanische Bevölkerungsmehrheit entscheiden, warum haben die Einwohner der Krim nicht dasselbe Recht? Denn nach seiner Darstellung leben dort 70 Prozent ethnische Russen und die übrigen sprächen Russisch als Muttersprache.

Klar ist: Hier wie da wurde das Völkerrecht gebrochen. Die Nato intervenierte in dem damals zu Serbien gehörenden Kosovo 1999 ohne UN-Mandat. Das war von Russland und China verhindert worden. Und doch gibt es große Unterschiede.

Im Kosovo waren Hunderttausende Albaner von Vertreibung und Tod durch die reguläre serbische Armee und Freischärler bedroht. Und im Kosovo wurde erst nach jahrelangen erfolglosen diplomatischen Bemühungen eingegriffen.

Die UN hatten auch unter Mitwirkung Russlands vor 1999 mit einem diplomatischen Feuerwerk versucht, Serbien zum Einlenken zu bewegen. Selbst nach der Intervention wurde bis zur Unabhängigkeitserklärung 2008 fast zehn Jahre verhandelt. Ein dritter Unterschied: Das Kosovo wurde zu einem selbstständigen Staat, die Krim aber an Russland angeschlossen.

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