Huffpost Germany

Islam-Experte: "Lage in Europa soll sich zu Bürgerkrieg entwickeln"

Veröffentlicht: Aktualisiert:
GILLES KEPEL
Dschihadisten wollen Europa ins Chaos stürtzen | Charles Platiau / Reuters
Drucken
  • Islamistische Anschläge zielen auf die europäische Lebensweise
  • Trotzdem sei der Terror laut einem Islamexperten kein Ausdruck eines Krieges zwischen dem Westen und dem Islam
  • Den Extremisten gehe es viel mehr darum, feindliche Reaktionen gegenüber allen Muslimen erzeugen und so die Gesellschaft zu spalten

Paris, Nizza oder Brüssel: Die islamistischen Anschläge zielen auf die westliche Lebensweise. Dennoch sieht der französische Islamwissenschaftler Gilles Kepel den Terror nicht als einen Krieg zwischen dem Islam und dem Westen an.

"Der Terrorismus ist vor allem Ausdruck eines Krieges innerhalb des Islam", sagte Kepel dem Deutschlandfunk. Der heutigen Dschihadistengeneration gehe es darum, ein Klima des Schreckens in Europa zu verbreiten.

Dadurch sollten sich die in Europa lebenden Muslime radikalisieren. Ziel sei "ein offener Bürgerkrieg". Auf den Ruinen des alten Europas wollen die Islamisten ein Kalifat errichten.

Salafisten bekommen immer mehr Zulauf

Zugute kämen ihnen dabei die großen Brüche innerhalb der europäischen Gesellschaft, so Kepel. Gerade in Frankreich würden sich viele Muslime in den Vorstädten als Menschen zweiter Klasse fühlen.

Der Islam-Experte ist überzeugt, dass der Großteil der europäischen Muslime extremistische Tendenzen innerhalb ihrer Religion ablehnen würde. Dennoch gibt es Grund zur Sorge: "Die salafistische Ideologie hat sich in den letzten 15 Jahren stark in der muslimischen Jugend verbreitet", erklärt Kepel.

"Die Salafisten predigen einen kulturellen Bruch mit den westlichen Gesellschaften, die als ungläubig gelten. Das zieht Leute an, die in diesem Bruch ein Ventil für ihre soziale Frustriertheit finden und auf dieser Grundlage auf einen Kurs Richtung Gewalt einschwenken“, sagt der Experte.

Kepel sieht islamische Intellektuelle in der Pflicht, extremistischen Tendenzen im Islam entgegenzusteuern: "Einige sind sehr mutig und tun dies. Sie werden aber häufig nicht so gehört, wie sie gehört werden müssten."

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

"Das würde zu einem Bürgerkrieg führen"

Gleichwohl warnt er vor den Parolen der extremen Rechten, die den Islam in Europa eliminieren wolle: "Das würde sofort zu einem Bürgerkrieg führen, und das wünschen sich die Dschihadisten."

Der Fokus der Politik müsse darauf liegen, wirksam gegen die Brüche in den europäischen Gesellschaften zu kämpfen: "Nicht mit Krieg, sondern mit Bildung und Polizeiarbeit".

Auch auf HuffPost:

”ISIS hat nichts mit dem Islam zu tun“ - Ein Experte findet klare Worte

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg


Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt.

In einem großangelegten Projekt hilft der Verein SyrienHilfe e.V. vor Ort Menschen in Not, die ihre Heimat nicht verlassen können oder wollen. Seit 2012 setzen sich Ärzte, Ingenieure, Archäologen, Lehrer und Künstler in dem Bürgerkriegsland dafür ein, dass die Bevölkerung in ihrem eigenen Land ein würdevolles Leben führen kann.

Der Verein betreut Waisenkinder, organisiert medizinische Versorgung für Behinderte und chronisch Kranke und finanziert Lebensmittel und Unterkünfte.

Unterstütze sie jetzt auf www.zusammen-für-flüchtlinge.de, der zentralen Plattform für Projekte in der Flüchtlingshilfe von betterplace.org.

Willst auch Du Spenden für Dein soziales gemeinnütziges Projekt sammeln? Dann registriere Dich und Dein Projekt jetzt auf betterplace.org.