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Paralympics: Das steckt hinter den verwirrenden Kürzeln bei Leichtathletik

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WHEELCHAIR PARALYMPICS
Rennrollstuhl-Rennen - wer diese im Paralympics-Plan sucht, muss wissen, was manche Kürzel bedeuten | Olivia Harris / Reuters
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  • Die Paralympischen Spiele in Rio haben begonnen - sie unterscheiden sich klar von Olympia
  • Es gibt Klassifizierungen für Leichtathleten mit Beeinträchtigungen - hier im Überblick
  • Alfred Hufnagl ist Rennrollstuhl-Athlet und trainierte bis zu einem Unfall für Rio

Die Paralympischen Spiele sind eröffnet. Bis zum 18. September kämpfen Sportler mit den unterschiedlichsten Beeinträchtigungen um die Medaillen. Entdeckt man den Behinderten-Sport erst jetzt für sich, dann ist man jedoch erst einmal verwirrt.

Denn schon die leichtesten Fragen können auch Experten nicht all zu schnell beantworten. Beispiel: Wer ist der schnellste Mann in Rio?

Im olympischen Sport ist diese Frage leicht zu klären. Usain Bolt gewinnt seit Jahren jedes wichtige Rennen über 100 Meter.

Bei den Paralympics ist die Sache komplizierter. Da gibt es allein bei den Männern 16 verschiedene Endläufe in der Königsdisziplin des Sprints am Freitag in Rio. Vereinfacht gesagt, treten dort oberschenkelamputierte Läufer gegen oberschenkelamputierte Läufer an, blinde Läufer gegen blinde Läufer - und Rennrollstuhl-Sportler gegen andere fahrende Athleten.

Interessiert man sich nun zum Beispiel für die Rennen von Rennrollstuhlfahrern, dann muss man sich näher mit den Klassifizierungen im Behinderten-Sport auseinandersetzen.

Mehr zum Thema: Dieser Mann hat einen Traum - und ihr könnt ihn wahr werden lassen

Klassifizierungen für Leichtathleten mit Beeinträchtigungen

paralympics plan

In der Leichtathletik besteht jede Klassifizierung aus einem Buchstaben und zwei Ziffern. T steht in der Leichtathletik für die "Track"-Wettbewerbe auf der Laufbahn. Es gilt: Je kleiner die Zahl, desto größer ist die Beeinträchtigung.

  • T11, T12, T13
In diesen drei Startklassen treten Athleten mit einer Sehbehinderung gegeneinander an. Übrigens auch ohne Augenlicht wird in Rio dieser Tage Goalball und Fußball gespielt.
  • T33, T34, T35, T36, T37, T38
Athleten mit Beeinträchtigungen der Muskelkraft (Athetose) oder einer Beeinträchtigung der passiven Beweglichkeit (Muskelhypotonie) haben eigene Rennen bei den Paralympics.
  • T42, T43/44, T45/46/47
Sportler mit amputierten oder fehlgebildeten Gliedmaßen haben ihre eigenen Klassifizierungen.
  • T51, T52, T53, T54
Die Athleten im Rollstuhl können in vier Klassen unterteilt werden, zeigt eine Liste des Bundesinstituts für Sportwissenschaft.

"Es gibt bei den Paralympics dieselben Distanzen wie bei den olympischen Laufdisziplinen", erklärt Alfred Hufnagl im Gespräch mit der Huffington Post. Er muss es wissen: Der Niederbayer startete in der Klasse T54 bei den Spielen in Sydney in seinem Rennrollstuhl für die 5000 und (die damals noch angebotenen) 10.000 Meter.

Seitdem hat der 45-Jährige bis 2012 auch drei Mal hintereinander den Marathon in Hamburg im Rennrollstuhl gewonnen. Rio 2016 - das war sein nächster großer Traum.

Aber als der Niederbayer dafür trainiert hatte, hat ihn ein Lastwagen von der Straße gerammt.

Kaum waren seine Verletzungen geheilt, wollte Hufnagl weitermachen, um 2016 gegen die besten Leichthathleten im Rollstuhl anzutreten.

Rennrollstuhl-Athlet Hufnagl braucht ihre Hilfe

alfred hufnagl
Alfred Hufnagl mit seinem wettkampfuntauglichen Rennrad (Credit: SP4ORT)

Doch durch den Unfall mit Fahrerflucht blieb es ein Traum. Sein Rennrollstuhl ist seitdem defekt - ein Ersatz ist zu teuer. Denn diese Gefährte werden für Hochleistungssportler wie ihn speziell angefertigt. Die Kosten: 8000 Euro.

Zu viel für den Verwaltungsangestellten mit drei Kindern. Er trainiert trotzdem weiter - nur eben aktuell nicht auf Zeit. Das geht mit seinem Unfall-Gefährt nicht. Für Hufnagl kein Grund aufzugeben.

Der Geschäftsführer des Passauer Online-Magazin SP4ORT, Robert Geisler, will, dass es nicht umsonst ist.

Er sammelt derzeit online für einen neuen Rennrollstuhl für Alfred Hufnagl. Auf der Plattform Generosity könnt ihr das Vorhaben unterstützen. Bereits zuvor gab es Change.org-Petition, doch die Sportverbände konnten Hufnagl mit ihren begrenzten Mittel nicht helfen.

Mit dpa-Material

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(lp)