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Heimliche Helden - Global Peace Builder Summit

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PEACE COUNTS
Zeitenspiegel
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Zum ersten Mal findet diese Woche der Gipfel für Friedensstifterinnen aus aller Welt in einem Dorf in Brandenburg statt. Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit arbeiten die Teilnehmerinnen seit Jahren für das, was derzeit in weiter Ferne scheint: eine friedliche Welt.

"Fluchtursachen bekämpfen" fordern Politiker aller Couleur. Doch wer soll sie bekämpfen? Und vor allem: wie? In einem Tagungszentrum eine halbe Autostunde westlich von Berlin saßen diese Woche Menschen zusammen, die seit vielen Jahren an Antworten auf diese Fragen arbeiten – teils mit großem Erfolg: Da ist Imam Ashafa und Pastor James Wuye, die in Nigeria zwischen verfeindeten christlichen und muslimischen Gemeinden vermitteln; Mossarat Quadeem aus Pakistan, die Jugendliche in Pakistan aus den Fangarmen der Islamisten reißt und ins zivile Leben zurückholt; Assad Shaftari, der sich vom Geheimdienst-Chef zu einem Aufklärer in libanesischen Schulen gewandelt hat. Dort überzeugt er Jugendliche, dass Konflikte nicht mit Gewalt zu lösen sind.

Dreißig Teilnehmer versammeln sich während einer Woche in einem Tagungszentrum der Helga Breuninger Stiftung in Paretz zum weltweit ersten Gipfel für Friedensstifterinnen, dem „Global Peace Builder Summit". Auch beim Spaziergang entlang der Havel oder ums Lagerfeuer am Abend tauschen sie sich darüber aus, wie sie ihre kriegsgeschundenen Länder wieder aufbauen können. Immer mit der Frage: Was stärkt die Zivilgesellschaft? Und: Was stärkt uns? Denn die Arbeit in Konfliktregionen laugt über die Jahre aus. Hier können sie Kraft schöpfen. "Ich habe sonst keine Möglichkeit zum Austausch mit Gleichgesinnten", sagt Edgar Khachatryan aus Armenien, der sich für Theater- und Dialogprojekte einsetzt. “Ich brauche dieses Gefühl, nicht allein zu sein."

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Credit: Zeitenspiegel

Die Schwierigkeiten seiner Arbeit teilt er mit den anderen: Wer garantiert seine Sicherheit? Wie kann er Mitarbeiter motivieren? Wie seine Projekte finanzieren? Und immer gibt es einen, der bereits eine Lösung gefunden hat. „Die Friedensmacher sind Experten auf jeweils anderen Gebieten und können sich gegenseitig beraten“, sagt Michael Gleich, Moderator, Journalist und Autor, der mit seiner Stiftung „Culture Counts Foundation“ den Gipfel ins Leben gerufen hat. „Sie leisten wichtige Arbeit vor Ort, werden aber kaum wahrgenommen.“ Er spricht deshalb von „heimlichen Helden“. Michael Gleich hat als Reporter über zahlreiche dieser Friedensstifterinnen in Krisenregionen berichtete und eng mit Experten und Institutionen auf dem Gebiet der zivilen Konfliktprävention zusammen gearbeitet. Aus dem gemeinsamen Pool an Kontakten wurden die Teilnehmer ausgewählt und eingeladen. „Es war immer mein Traum diese mutigen Menschen an einem Ort zusammenzubringen.“

Am Anfang jeder Heldengeschichten stand eine Entscheidung. „Es ist dieses Gefühl wenn du weißt, dass etwas ganz falsch läuft und du musst es in Ordnung bringen“, erzählt Fatuma Abdulkadir, eine Muslima aus dem Norden Kenias, während sie über die Pflastersteine der Dorfstraße spaziert, vorbei an Backsteinhäuschen und Pferdeweide. Es ist fast geräuschlos in diesem 400-Einwohnerdorf, am blauen Himmel ziehen Kraniche ihre Runden. Angefangen hat für Abdulkadir alles 2005, als Kämpfer ihrer Ethnie ein brutales Massaker bei Frauen und Kinder einer anderer Ethnie anrichteten. Daraufhin ging sie zu den Müttern der Opfern und hat sich bei ihnen entschuldigt. „Das war mein erster Friedensmoment.“ Es folgte ein jahrelanger Einsatz für die Stärkung der Frauen. Heute versucht sie mit Fußball bei jungen Menschen tief eingebrannte Feindseligkeiten aufzulösen. „Es gibt noch so viel zu tun in meiner Heimat“, sagt Abdulkadir. „Aber ich habe keine andere.“ Die Liebe zu ihrem Land ist für die Friedensstifterinnen ein wichtiger Antrieb, etwas verändern zu wollen.

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Credit: Zeitenspiegel

Nach drei intensiven Tagen verlassen die Teilnehmerinnen das Idyll und fahren in die Hauptstadt. „In Berlin können sie konkrete politische Forderungen vorbringen“, sagt Michael Gleich. Am Donnerstag beim Unterausschuss für zivile Konfliktprävention des Bundestags, am Freitag beim Auswärtigen Amt, das die Konferenz finanziell mitträgt.

Große Versprechungen machen sich die Teilnehmerinnen dabei nicht. Sie wissen nur zu gut, wie schwierig Politik sein kann. Dennoch erzählen sie Geschichten, und die Lösungen, die sie dazu gefunden haben. Forderungen haben sie genug, allen voran: Passt eure Politik unseren Realitäten an, nehmt uns wahr, fragt uns nach unseren Bedürfnissen. Schließlich fragen sie nach Unterstützung für ihre neu gegründete Koalition und deponieren ihre Mission: Gemeinsam für den globalen Frieden zu arbeiten.

Denn das war nur der Anfang. Nächstes Jahr wollen sie sich wieder treffen. „Der Gipfel liegt nun in ihren Händen“, sagt Michael Gleich. Und Fatuma Abdulkadir erklärt den Plan: „Wir wollen für eine gemeinsame Stimme kämpfen. Irgendwann werden wir so laut werden, dass die da draußen gar nicht mehr anders können, als uns zuzuhören.“

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