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Facebook will nicht, dass ihr dieses historische Foto seht

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KIM PHC
Facebook löscht Beiträge mit einem bedeutenden Foto – ein norwegischer Redakteur wehrt sich | AP / dpa
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  • Norwegens Zeitung "Aftenposten“ veröffentlichte auf Facebook ein historisch bedeutendes Foto
  • Nach kurzer Zeit löschte Facebook das Bild
  • In einem offenen Brief knöpfte sich der Chefredakteur deshalb Marc Zuckerberg vor

Es gibt Bilder, die in dem unfassbar kurzen Moment der Aufnahme, das Leid von vielen Jahren ausdrücken können. „The Terror of War“ von Nick Ut aus dem Jahr 1972 ist eines davon. Das Foto zeigt, wie weinende Kinder – darunter die neunjährige Kim Phúc – vor einem Napalm-Luftangriff in dem vietnamesischen Dorf Trang Bang fliehen.

Als die norwegische Zeitung "Aftenposten“ einen Beitrag mit dem Bild auf ihrer Facebook-Seite veröffentlichte, griffen allerdings die Zensurbeauftragten von Facebook ein.

Seitdem ist ein Streit zwischen der Zeitung und Facebook entbrannt. Espen Egil Hansen, Chefredakteur des "Aftenposten" macht dem Unternehmen in einem offenen Brief schwere Vorwürfe.

Facebooks Kampf gegen Nacktheit

Der Grund des ganzen Streits: Das neunjährige Mädchen, das auf dem Foto vor der Napalm-Wolke flieht, ist nackt.

Facebook löschte aber nicht nur den Beitrag mit dem berühmten Bild, sondern ist laut Espen Egil Hansen, dem Chefredakteur der norwegischen Zeitung, auch auf rigorose Art und Weise gegen Kritik an der Löschaktion vorgegangen.

napalm girl
Quelle: AP Photo/Nick Ut

Nach Kritik von Facebook gesperrt

Begonnen hatte der Streit damit, dass der norwegische Autor Tom Egeland einen Beitrag über Fotos gepostet hatte, welche die Geschichte der Kriegsführung beeinflusst haben. Darunter war auch das Bild von der neunjährigen Kim Phúc.

Wie Hansen berichtet, wurde der Beitrag von Facebook gelöscht. Als Tom Egeland sich dann darüber beschwerte, sei er bei Facebook einfach gesperrt worden.

Die norwegische Zeitung berichtete über diesen Fall der Zensur und griff das Foto in ihrem Artikel wieder auf. Als die Zeitung den Beitrag dann auf Facebook teilte, soll sie eine Aufforderung von Facebook erhalten haben, das besagte Foto zu verpixeln oder zu löschen.

Weniger als 24 Stunden später, so Hansen, habe Facebook den Beitrag dann allerdings schon selbst gelöscht.

"Der mächtigste Redakteur der Welt"

Der Chefredakteur von "Aftenposten“ sieht in der Aktion von Facebook einen klaren Machtmissbrauch, der die Freiheit und Unabhängigkeit der Medien bedroht. In einem offenen Brief wendet Hansen sich an Facebook-Chef Mark Zuckerberg.

"Lieber Marc, du bist der mächtigste Redakteur der Welt“, schreibt Hansen. "Ich muss feststellen, dass du meinen Freiraum, meine redaktionelle Verantwortung auszuüben, einschränkst. Ich denke, du missbrauchst deine Macht und ich kann mir schwer vorstellen, dass du das wirklich durchgedacht hast“, heißt es in dem offenen Brief weiter.

Algorithmen untergraben redaktionelle Verantwortung

In Bezug auf die Fotografie sagte der norwegische Chefredakteur, dass sie zu einer offenen und kritischeren Debatte geführt hatte, die einen Einfluss auf den Kriegsverlauf genommen hat.

"So muss Demokratie funktionieren“, betonte Hansen. Die Medien hätten die bedeutende Aufgabe, Informationen und Bilder ans Licht zu bringen, auch dann, wenn sie unangenehm sind. Bei jeder Veröffentlichung müssten sich die Medien ihrer der Verantwortung bewusst sein und entsprechend abwägen.

Dieses Recht und diese Pflicht, so Hansen, sollte nicht von Algorithmen aus Zuckerbergs Büro untergraben werden.

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(lp)