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Helmut Dietl: Das erzählt er in seinen "Unvollendeten Erinnerungen"

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Filmemacher Helmut Dietl: Seine Autobiografie ist da

"Münchner Geschichten" (1974), "Monaco Franze - Der ewige Stenz" (1983), "Kir Royal" (1986), "Schtonk!" (1992), "Rossini" (1997) - mit diesen vielfach ausgezeichneten Kult-Serien und Filmen machte sich Regisseur Helmut Heinz Dietl unsterblich. Wieviel Dietl in den Werken und Figuren steckt, das zeigt sich auch bei der Lektüre von "A bissel was geht immer: Unvollendete Erinnerungen" (Kiepenheuer & Witsch, 348 Seiten, 22,99 Euro).

Der Kampf gegen den Krebs und sein Tod am 30. März 2015 stoppten die Arbeit an dem Buch zwar jäh. Was zwischen seiner Geburt am 22. Juli 1944 in Bad Wiessee am Tegernsee bis zum Sommer 1967 in Dietls Leben so passierte, erfährt der Leser dafür sehr detailreich. Womit man bei der vollendeten Biografie gerechnet hätte, beispielsweise mit Geschichten von hinter den Kulissen seiner Filmdrehs, ist immerhin in den 60 Seiten am Schluss unter "Fragmente" und dem Nachwort seines Freundes und Co-Autors Patrick Süskind (67), "Erinnerungen an eine Freundschaft", angerissen.

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Die Frauen und der Vater

Die Seiten davor widmete Dietl seiner Kindheit in München, der Militärzeit, seinen wilden Lebensphasen in Schwabing, Wien und Los Angeles. Alle Erinnerungen sind mit unterschiedlichen Frauen verknüpft; kein Wunder, denn Dietl galt zeitlebens als einer, der sie liebte. Das war schon beim kleinen Bub aus Laim so. Weil der Vater selten da war, wuchs er zwischen Mutter und den beiden sehr unterschiedlichen Großmüttern auf. Die Absenz des Vaters scheint ein großes Lebensthema gewesen zu sein:

"War er wirklich mein Vater, der, den ich Vater nannte, der sich aber nie wie mein Vater benahm? Wenn er nicht mein Vater war, dann war auch der Stummfilm-Schauspieler Fritz Greiner nicht mein Großvater, Mirzl nicht meine Großmutter ... wer war ich? Wer war mein Vater?", beschreibt Dietl an einer Stelle seiner Autobiografie die große Unsicherheit.

Doch zurück zu den Frauen. Im Laufe seines Lebens heiratete Dietl viermal: Mit Journalistin Karin Wichmann bekam er 1969 auch seine erste Tochter Karin Dietl-Wichmann. Es folgte eine, glaubt man Süskinds Nachwort, sehr laute und wilde Ehe (1976-1983) mit der österreichischen Schauspielerin Barbara Valentin (1940-2002). In diese Ehephase fällt 1979 auch die Geburt seines Sohnes David Dietl aus einer Verbindung mit Bernd Eichingers (1949-2011) Assistentin Marianne Dennler.

Ehe Nummer drei ging Dietl mit der Französin Denise Cheyresy ein. Von dieser dritten "drohenden" Hochzeit erzählt er auch im Buch. Demnach lernte er Denise in Los Angeles kennen. Der besseren Karrierechancen in Hollywood wegen bot sie ihm auch gleich ihren Nachnamen an - und den Vornamen sollte er ebenfalls ändern: "Henry Cheyresy", lautet ihr Vorschlag. Die Ehe kam, doch sein Name blieb.

Die dietl'sche Party-Philosophie

Laut eigenen Angaben ging er auch in jungen Jahren nur sehr selten auf Partys, "und wenn, dann nur alleine, allerdings mit der Absicht, nicht mehr alleine wieder wegzugehen". Und eine bessere Erklärung hätte sein "Monaco Franze" dafür auch nicht geben können: "Mit einer Frau, in die ich noch dazu verliebt bin, mit der ich gar verheiratet war, auf eine Party zu gehen, schien mir völlig sinnlos und auch eher langweilig zu sein, ich wusste ja schon vorher, mit wem ich nachher wieder den Schauplatz verlassen würde, es war kein Abenteuer mehr", schreibt Dietl.

Die nächste wichtige Frau war wohl seine langjährige (1990-1999) Lebensgefährtin, Schauspielerin Veronica Ferres (51). Auch sie findet eine Erwähnung im Buch: Im Rahmen der Erzählungen über seine Liebe zur "Maier-Lili aus Moosinning im Erdinger Moos", schreibt er: "Dieses Dorf, das ganze Erdinger Moos, war nicht mein 'Ding'." Um dann in Klammern hinzuzufügen:

"Knappe vierzig Jahre später begann es dennoch meines zu werden. Ich kaufte in unmittelbarer Nähe, im Ortsteil Eichenried, kurz vor der Jahrtausendwende mit meiner damaligen Lebensgefährtin, mit der ich neun Jahre mehr oder weniger glücklich zusammengelebt hatte, ein altes Gebäude im einsamen 'Außenbereich' und ließ es renovieren. Nach dem Umbau verliebte ich mich dann nicht nur in meine spätere vierte Ehefrau [2002], sondern auch in diese Gegend." - Besagte Tamara Dietl hat seine "Unvollendeten Erinnerungen" nun herausgebracht...