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Die Ursache für Depressionen bei Frauen ist häufig bei ihren Müttern zu finden

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MUTTER TOCHTER DEPRESSION
Die Ursache für Depressionen bei Frauen ist häufig bei ihren Müttern zu finden | iStock
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Die Ursachen für Depressionen sind sehr vielseitig und lassen sich häufig nicht auf einen einzelnen Faktor eingrenzen. Kindheitserlebnisse spielen in vielen Fällen eine Rolle, aber auch Gene, Stress oder bestimmte Ernährungsweisen können Depressionen auslösen.

Eine neue Studie legt jetzt jedoch nahe, dass Depressionen auch von Müttern auf ihre Töchter übertragen werden könnten.

Demnach ist die Struktur des cortico-limbischen Systems - der Gehirnstruktur, die für emotionale Resonanz bei Menschen verantwortlich ist- am ehesten von Mutter zu Tochter vererbbar und weniger von Mutter zu Sohn. Die Wahrscheinlichkeit, dass Väter diese Struktur an ihre Kinder vererben, sei sehr gering.

Zusammenhang zwischen Depressionen bei Müttern und Töchtern

Das cortico-limbische System spielt eine wichtige Rolle in Gemütsstörungen wie Depressionen. Wissenschaftler mehrerer renommierter Universitäten arbeiteten gemeinsam an der Studie, die im "Journal of Neuroscience" veröffentlicht wurde. Das besondere an den Untersuchungen ist, dass sie erstmals klinische Studien an Tieren und Menschen miteinander verbinden konnten.

Denn in Tierversuchen hatten Forscher bereits vor Jahren nachgewiesen, dass weibliche Nachkommen mit größerer Wahrscheinlichkeit Veränderungen der Gehirnstruktur aufwiesen, wenn ihre Mütter während der Schwangerschaft Stress ausgesetzt waren.

Auch klinische Untersuchungen an Menschen konnten bereits einen starken Zusammenhang zwischen Depressionen bei Müttern und Töchtern nachweisen.

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Erste Studie, bei der MRT-Scans ausgewertet wurden

Eine Studie der University of Nebraska-Lincoln konnte im Jahr 2013 belegen, dass Depressionen der Mutter sich leicht auf ihre Kinder übertrugen: "Es besteht ein höheres Risiko für Depressionen und körperliche Schmerzen, wenn die Mutter eine starke Depression hatte", sagte Hauptautorin Bridget Goosby, die die Untersuchungsergebnisse von 4339 Erwachsenen ausgewertet hat.

Die aktuelle Studie sei jedoch die erste, bei der Gehirnscans von Eltern und ihren Kindern benutzt wurden, um die Gehirnstruktur zu erforschen, betont Fumiko Hoeft, die die Studie leitete. Insgesamt wurden 35 Familien untersucht.

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Mütter sind nicht zwangsläufig verantwortlich

Die Wissenschaftlerin betonte aber auch, dass die Ergebnisse nicht zwangsläufig bedeuten, dass Mütter auch für die Depressionen ihrer Töchter verantwortlich seien:

"Bei Depressionen spielen viele Faktoren eine Rolle - Gene, die nicht durch die Mutter übertragen werden, das soziale Umfeld und Lebenserfahrungen, um nur drei zu nennen. Die Übertragung von Mutter zu Tochter ist nur ein Teil davon", sagte Hoeft.

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In einer Hinsicht habe die Studie allerdings Mängel, wie Hoeft offen zugibt: Sie differenziere nicht zwischen potenziellen genetischen Effekten, vorgeburtlichen und nachgeburtlichen Bedingungen, die die Gehirnstruktur beeinflussen könnten. Doch diese Mängel will Hoeft schon bald in einer neuen Studie beheben, die bereits in Arbeit ist.

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