Huffpost Germany

Kreml-Kenner verrät: Aus diesem Grund will Putin Trump zur Präsidentschaft verhelfen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
TRUMP
Darum will der Kreml Trump im Weißen Haus sehen | Spencer Platt via Getty Images
Drucken

Es läuft wieder für Donald Trump. Zwei Monate vor den Präsidentschaftswahlen kann der Republikaner in den landesweiten Umfragen wieder zu seiner demokratischen Rivalin Hillary Clinton aufschließen.

Und der US-Präsidentschaftskandidat wird nicht müde, Wladimir Putin zu loben. Der russische Präsident sei ein "starker Führer", der sein Land gut unter Kontrolle habe, sagte Trump bei einem vom TV-Sender NBC übertragenen Forum eines Veteranenverbands. Und seine Zuneigung für Putin stößt in Moskau auf Gegenliebe.

Angst vor einem Krieg der Supermächte

Warum das so ist, beschreibt der US-amerikanische Politikwissenschaftler Clinton Ehrlich in einem Gastbeitrag für die Website "foreignpolicy.com". Der Kreml sei ernsthaft besorgt, dass Hillary Clinton einen Krieg mit Russland beginnen könnte, schreibt er.

Ehrlich lehrt als Gastwissenschaftler am staatlichen Institut für Internationale Beziehungen in Moskau. Das Institut gehört zum russischen Außenministerium.

In seinem Gastbeitrag zitiert Ehrlich eine Rede von Hillary Clinton aus dem August. Putin, so Hillary Clinton damals, sei der Pate aller Rechtsaußen-Politiker und extremen Nationalisten.

Im Kreml schrillten die Alarmglocken: Auch weil Clintons Worte dort als ein Putin-Hitler-Vergleich aufgenommen wurden.

Clinton als "existentielle Bedrohung"

"Ich will kein Blatt vor den Mund nehmen", schreibt Ehrlich: "Moskau sieht Clinton bereits seit ihrer Amtszeit als Außenministerin als existentielle Bedrohung an".

"Die außenpolitischen Experten in Russland, mit denen ich rede, haben nicht einmal widerwilligen Respekt für Clinton übrig", schreibt der Politikexperte.

"Das schändlichste Kapitel während ihrer Zeit als Außenministerin war die US-Intervention in Libyen", schreibt Ehrlich. Die Russen hätten den Krieg im UN-Sicherheitsrat verhindern können, taten es aber nicht, weil Clinton das Versprechen abgab, die Flugverbotszone über Libyen nicht dazu zu nutzen, einen Regimewechsel einzuleiten.

Es kam bekanntlich anders: Libyens langjähriger Machthaber Muammar al-Gaddafi wurde im Oktober 2011 von Rebellen, die von den USA und der Nato unterstützt wurden, ermordet. Laut Ehrlich sei die russische Führung darüber verständlicherweise in Rage gewesen.

Trump gilt als einfacher zu manipulieren

Russische Analysten fürchten, dass die vom Westen immer wieder ins Spiel gebrachte Flugverbotszone über Syrien ebenfalls einen Regimewechsel zur Folge haben könnte. Bekanntlich ist das Land Russland wichtigster Verbündeter im Nahen Osten.

"Moskau präferiert Trump", erklärt Ehrlich.

"Nicht nur, weil er als einfacher zu manipulieren gilt, sondern auch, weil sein Leitspruch 'America First' mit seinem außenpolitischen Verständnis übereinstimmt". Sprich: Trump würde sich wohl viel stärker als seine Rivalin aus dem internationalen Geschehen heraushalten.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Und noch etwas bringt Clinton in Moskau in Verruf: Auch wegen ihrer Verbindungen zu Investor George Soros hat der Kreml ein negatives Bild von der Demokratin. Soros' Stiftungen werden wegen ihrer Beteiligungen an Revolutionen in Osteuropa als gefährlichste Bedrohung für die innere Sicherheit in Russland angesehen.

Umsturzpläne gegen Putin?

"Die russischen Behörden sind überzeugt, dass Soros vor hat, Putin zu stürzen", schreibt Ehrlich. "Und zwar mit denselben Methoden, die auch den ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch zu Fall brachten: mit Massenprotesten, die von bewaffneten Provokateuren unterwandert werden."

Die Frage, die den Kreml laut Ehrlich derzeit am meisten umtreibet: Ob Clinton mutig genug ist, mögliche Umsturzpläne in Russland zu unterstützen. Im Konflikt um die russisch besetzte Halbinsel Krim hat die Demokratin jedenfalls klar Stellung bezogen: Sie sprach sich dafür aus, die Krim eines Tages an die Ukraine zurückzugeben.

"Ernste Anschuldigung" gegen Russland

Zum Start von Clintons Nominierungsparteitag Ende Juli veröffentlichten Hacker 20.000 E-Mails des demokratischen Parteivorstands. Die frühere First Lady beschuldigte Putin, sich mit Cyberattacken zugunsten von Trump in den Wahlkampf einzumischen und sorgte so für Verunsicherung in Moskau.

"Das ist eine ernste Anschuldigung", schreibt Ehrlich. Moskau befürchte, dass Clinton "mit genau so einer Anschuldigung einen Krieg mit Russland begründen" könnte.

Ehrlichs These, die russische Führung würde einen Präsidenten Trump begrüßen, ist unter Experten weit verbreitet: "Mit der Wahl von Trump könnte die Nato weiter geschwächt werden", schrieb der US-Terrorismusexperte Richard A. Clarke im Juli in einem Gastbeitrag für die "New York Daily News".

Der Republikaner hatte bereits mehrfach betont, kein großer Freund des Militärbündnisses in seiner jetzigen Form zu sein.

Clarke arbeitete für vier US-Präsidenten und beriet Bill Clinton und George W. Bush in Terrorismusfragen. "Trump hat erklärt, dass er die amerikanischen Verbündeten im Ernstfall nicht zwangsläufig militärisch unterstützen würde", schrieb er.

In Zeiten, in denen die Nato zur Abschreckung Soldaten im Baltikum stationiert hat, kommen der russischen Führung solche Aussagen mehr als gelegen.

Kein Wunder, dass der Polit-Berserker Trump in Moskau die bessere Wahl scheint.

Auch auf HuffPost:

Dieser Artikel war bei Amazon meistverkauft – wegen Donald Trump

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg


Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt.

In einem großangelegten Projekt hilft der Verein SyrienHilfe e.V. vor Ort Menschen in Not, die ihre Heimat nicht verlassen können oder wollen. Seit 2012 setzen sich Ärzte, Ingenieure, Archäologen, Lehrer und Künstler in dem Bürgerkriegsland dafür ein, dass die Bevölkerung in ihrem eigenen Land ein würdevolles Leben führen kann.

Der Verein betreut Waisenkinder, organisiert medizinische Versorgung für Behinderte und chronisch Kranke und finanziert Lebensmittel und Unterkünfte.

Unterstütze sie jetzt auf www.zusammen-für-flüchtlinge.de, der zentralen Plattform für Projekte in der Flüchtlingshilfe von betterplace.org.

Willst auch Du Spenden für Dein soziales gemeinnütziges Projekt sammeln? Dann registriere Dich und Dein Projekt jetzt auf betterplace.org.

(ben)