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AfD kopiert die Wahlplakate der FPÖ – und das ist erst der Anfang

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Das Treffen machte Schlagzeilen: Im Juni stießen der FPÖ-Vorsitzende H.C. Strache und AfD-Chefin Frauke Petry symbolträchtig auf der Zugspitze mit einem Weißbier an.

Die Botschaft war klar: Die AfD will so hoch hinaus wie die FPÖ, die in Österreich auf dem Weg zur stärksten Partei ist. Dass ihr das gelingt, war einst undenkbar, mittlerweile ist es nicht mehr ausgeschlossen.

Parallelen zwischen Aufstieg der AfD und der FPÖ

Die AfD hat also ein erfolgreiches Vorbild im Süden - und das kopieren die deutschen Rechtspopulisten ohne Scham (auch bei rechtspopulistischen SVP in der Schweiz lässt sich die AfD inspirieren). Ganz offensichtlich zeigt sich das derzeit im Berliner Wahlkampf bei einem Wahlplakat:

Hier das Plakat aus Berlin:

afd

Und hier das aus Österreich:

fpö

Aus dem "er“ wurde ein "wir“. Das liegt wahrscheinlich daran, dass der AfD noch der schillernde Spitzenkandidat fehlt. Sonst ist der Spruch quasi derselbe.

Aber die Inspiration der AfD geht weiter als das Kopieren der Wahlplakate und Sprüche. An der Entwicklung in Österreich kann man sehen, wie sich die Rechtspopulisten in Deutschland entwickeln werden.

"Auffallend viele Ähnlichkeiten"

Der österreichische Politikberater Thomas Hofer sagt: "Durch den Aufstieg der AfD muss Deutschland lernen, dass das, was in Österreich schon in den 1990ern passiert ist, vielleicht doch nicht so exotisch ist.“

"Damals was es unvorstellbar, dass Ähnliches wie in Österreich auch in größeren Mitgliedsländern der EU stattfinden könnte“, sagt der Politologe. Mittlerweile gibt es erfolgreiche rechtspopulistische Parteien in vielen EU-Staaten: Frankreich, den Niederlanden, Italien oder Dänemark.

"Was die AfD heute für Deutschland ist, das war die FPÖ für Österreich schon vor 25 Jahren. Es gibt auffallend viele Ähnlichkeiten“, schreibt der Journalist Thomas Mayer im Debattenmagazin "Berliner Republik“.

Für die Experten sind die Parallelen in der Entwicklung klar:

1. In Österreich arteten schon vor 25 Jahren sämtliche Talkshows zu einer Debatte über die FPÖ aus - egal, um welches Thema es tatsächlich ging. Genau so sind die Aussagen der AfD in deutschen Polittalks zurzeit Dauerthema.

2. Die aktuelle Situation - mit Flüchtlingskrise und Brexit - spielt der AfD in die Hände. Ähnlich war das bei der FPÖ schon in den 1990er-Jahren. Damals kamen tausende Flüchtlinge wegen des Jugoslawien-Kriegs nach Österreich. Die FPÖ führte eine scharfe Anti-Ausländer- und Anti-EU-Kampagne – mit Erfolg.

3. Interne Streitigkeiten, verbale Ausrutscher, Anklagen wegen Verhetzung, die es weiterhin zuhauf gibt, kehrt die Parteispitze möglichst schnell unter den Tisch – und stellt sie als Einzelfälle hin. Denn "Mausrutscher“, "Nachbar“-Aussagen und missglückte oder gar erfolgreiche Putsche-Versuche gab es in der FPÖ in ihrer Geschichte schon viele.

"Ich sehe ähnliche Probleme, wie wir sie früher in der FPÖ hatten", sagt der FPÖ-Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer im Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Stern".

Rassistische Töne werden seltener

Damit gibt es aktuell viele Parallelen in der Entwicklung. Die Frage ist, was das für die Zukunft der AfD und die politische Entwicklung in Deutschland bedeutet?

Im Umgang mit Medien und politischen Gegnern agiert die FPÖ zunehmend professioneller. Rassistische und antisemitische Töne sind in der Partei seltener geworden. Und daraus will die AfD lernen. "Die AfD ist in einer Phase, in der die FPÖ auch einmal war. Mit großen Chancen und Risiken durch das schnelle Wachstum. Man hat sehr gute Wahlergebnisse, muss aber auch die Strukturen dahinter stärken", sagt FPÖ-Politiker Hofer.

"Die FPÖ ist sehr erfolgreich, nicht so schrill wie in Frankreich der Front National und regiert sogar schon mit. Damit gibt sie ein gutes Vorbild für die AfD ab“, sagt der Demokratieforscher David Bebnowski im Interview mit dem "Standard“. Aus ihrer Entwicklung kann die AfD viel lernen - und deshalb kopiert sie nicht nur Wahlplakate, sondern die ganze Strategie. Nach dem Prinzip Copy und Paste.

Die Strategie: Situation nicht verbessern, aber Schuldige präsentieren

Die These des Journalisten Thomas Mayer: Beide positionieren sich vor allem als "Anti-Parteien“. Keine eigene politische Initiative zeigen, sondern auf die Fehler der anderen warten und dann zuschlagen. Das ist ihre Strategie.

Sie funktionieren am besten als Oppositionsparteien, denn da müssen sie ihre Wahlversprechen nicht einlösen. Sie wollen nur Wahlen gewinnen. Was danach kommt, damit befassen sie sich (noch) nicht. Deshalb war die FPÖ vermutlich für die ÖVP zwischen 2000 und 2006 ein äußerst schlechter Koalitionspartner. Korruption und wöchentliche Minister-Umbesetzungen waren an der Tagesordnung.

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"Die Trumpfkarte der Rechten ist, dass sie die Situation nicht verbessern, aber immer einen Schuldigen präsentieren können, der den Menschen die Möglichkeit gibt, die ganze Wut auf sich zu ziehen, und wo man sich entladen kann“, sagt der Soziologe Berhnard Heinzlmaier im Interview mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburg.

Die AfD will salonfähig werden

Die AfD "möchte den traditionellen völkischen und antisemitischen Nationalismus in Deutschland, der heute nur noch Randgruppen anspricht, in einen international salonfähigen antiislamischen und EU-kritischen Nationalismus transformieren“, schreibt der österreichische Politikwissenschaftler Peter Josika in der österreichischen Tageszeitung "Die Presse“. Da ist die FPÖ das perfekte Vorbild.

Die Partei hat sich vor allem in den vergangenen Jahren salonfähiger gemacht, will laut eigener Ansage zu einer "Partei der Mitte“ werden. Alle Verbindungen zum rechtsradikalen oder neonazistischen Milieu wie etwa zur "Identitären Bewegung" werden penibel vertuscht oder kleingeredet. Eine ganz ähnliche Strategie fährt die AfD auf Bundesebene.

Auch der Kasseler Politikwissenschaftler Wolfgang Schroeder sieht die AfD auf dem Weg in die politische Mitte. Durch die Distanz zu anderen rechten Bewegungen könne die AfD nicht mehr so einfach die rechtsradikale Ecke gestellt werden - sie wird für große Teile der Bevölkerung wählbar, ganz wie die FPÖ.

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