Huffpost Germany

Batterien, Münzen und Löffel holte ein Arzt aus den Mägen seiner Patienten geholt

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken
  • Batterien bis Münzen: Was Menschen so verschlucken
  • Ein Arzt hat schon vieles aus den Mägen der Deutschen geholt
  • Doch Verschlucken von Gegenständen kann auch gefährlich sein
  • Selbsthilfe im Video: So retten Sie sich vor dem Erstickungstod

Von Fünfmarkstücken über Rasierklingen bis hin zu Löffel-Teilen - der Bielefelder Mediziner Siegfried Ernst Miederer hat offenbar schon alles in den Mägen seiner Patienten entdeckt. Über ein paar seiner Fälle spricht er nun - und zeigt dabei, welche Möglichkeiten die Entdeckung des Endoskop.

Fall 1: Miederer und der "arme Schlucker

Da wäre der "arme Schlucker", wie der 74-jährige Mediziner im Ruhestand einen Patienten von einst lächelnd nennt.

"Die vielen Löffelstiele hat ein Mann verschluckt", sagt Miederer und zeigt auf eine ganze Reihe von Metall-Stielen. "Er war Insasse einer Justizvollzugsanstalt bei Bonn und erhoffte sich dadurch Abwechslung vom Gefängnis-Alltag."

Den eigentlichen Löffel hatte der "arme Schlucker" abgebrochen, um den gut zehn Zentimeter langen Rest vom Besteck besser durch die Speiseröhre zu bekommen.

"Das brachte mindestens zwei Wochen Krankenhaus. Er kam aus dem Gefängnis heraus und konnte zudem die Pflege der Krankenschwestern genießen."

Nachdem der Gefängnis-Insasse mehr als 20 Mal operiert worden war, bot Miederer an, die Gegenstände mit einem Endoskop durch die Speiseröhre zu entfernen - und bereitete mit dieser Aussicht den zweifelhaften Ausflügen in die Freiheit ein Ende.

Mehr zum Thema: Verschlucken bei Kleinkindern: Diese Technik sollten Sie kennen - sie könnte Ihrem Baby das Leben retten

Die Löffelstiele hat Miederer behalten und gesammelt. Fast wirken sie wie eine Trophäensammlung, wenn er sie, aufgereiht neben Rollmopsspießen, Knöpfen und Schlüsseln, auf einem Tablett präsentiert.

Einschub: Das Endoskop

Die Sammlung steht auch für ein Kapitel Medizingeschichte: Schon Mitte des 19. Jahrhunderts gab es die Idee, einem Patienten mit einer langen Röhre in den Magen zu schauen.

Seither wurde kontinuierlich geforscht, bis schließlich 1958 das erste flexible Endoskop vorgestellt wurde. Es erlaubte bald darauf Miederer, verschluckte Gegenstände ohne Operation wieder zutage zu fördern. Später arbeitete Miederer an der Medizinischen Poliklinik der Universität Bonn mit an der Entwicklung des ersten Desinfektionsgerätes für flexible Endoskope.

Heute ist es ausgestellt in der Bonner Zweigstelle des Deutschen Museums - neben einer Reihe von "Magen-Funden"aus der Sammlung von Miederer.

Zu jedem seiner kuriosen Fundstücke kann der langjährige Ex-Chefarzt einer Bielefelder Klinik mit Schwerpunkt Gastroenterologie eine eigene Geschichte erzählen.

Fall 2: Die Sache mit dem Fünfmark-Stück

So hatte etwa ein Lehrersohn ein Fünfmarkstück beim Raufen mit dem älteren Bruder aus Versehen verschluckt. Nachdem der Arzt es aus dem Magen hervorgeholt hatte, steckte der der Vater die Münze sofort in die eigne Hosentasche.

"Ich musste ihm erst einen Fünfer aus meinem eigenen Portemonnaie geben, bevor er mir die Münze für meine Sammlung überließ", sagt Miederer.

Fall 3: Batterie im Mund versteckt

Der Arzt hat ein Buch mit den interessantesten Begebenheiten rund um die Fundstücke geschrieben. Darin berichtet er auch über die Batterie, die ein Junge im Grundschulalter bei einem Rennen mit Spielzeugautos verschluckt hat.

Er hatte die Batterie aus dem Wagen seines sechsjährigen Konkurrenten heimlich im Mund versteckt, um seine Gewinnchancen zu verbessern - und sie nach einem freundschaftlichen Stupser vom Rennstall-Kollegen aus Versehen geschluckt.

Mehr zum Thema: So gefährlich sind Batterien für eure Kinder

Aber Vorsicht: Die Gefahr beim Verschlucken

Nicht immer gehen solche Zwischenfälle glimpflich aus. "Problematisch wird es, wenn sich runde Gegenstände auf den Kehlkopf legen. Dann besteht Erstickungsgefahr", erläutert Miederer. Im Zweifelsfall sollte deshalb ein Arzt aufgesucht werden.

So mancher kleine Gegenstand findet jedoch auch von ganz allein den Weg zurück ans Tageslicht und benötigt dabei keine Unterstützung - außer vielleicht eine ordentliche Portion Kartoffelbrei und einige Gläser Wasser.

Auch auf HuffPost:

Mutter kann nicht glauben, was sie im schwarz verfärbten Knie ihres Sohnes findet

(cho)