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Das letzte Manuskript von Shakespeare enthält eine wichtige Botschaft, die aktueller ist denn je

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SHAKESPEARE
Das letzte Manuskript von Shakespeare enthält eine wichtige Botschaft, die aktueller ist denn je | Russell Cheyne / Reuters
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William Shakespeare ist einer der berühmtesten Schriftsteller aller Zeiten. Und seine Werke wurden von Wissenschaftlern bis in den letzten Winkel ausgeleuchtet und weltweit aufgeführt - könnte man denken.

Doch ausgerechnet einer von Shakespeares besten Monologe ist bislang nur den wenigsten bekannt und sorgt nun für höchst emotionale Reaktionen.

Denn Shakepeare soll für das Theaterstück "Sir Thomas More" ein leidenschaftliches Plädoyer über den besseren Umgang mit Flüchtlingen verfasst haben. Wer den Text liest, kann nicht glauben, dass er über 400 Jahre alt ist.

"Und wäret ihr aus eurem Land verbannt, wohin würdet ihr gehen?", fragt die Titelfigur Thomas More in einer glühenden Rede gegen Fremdenhass. Er hält den Zuhörern mit provokanten Fragen einen Spiegel vor. Und genau dieser Teil wurde laut der Experten wohl von William Shakespeare verfasst.

Das war zunächst unklar: Denn mehrere Autoren überarbeiteten das Theaterstück, das ursprünglich von Anthony Munday stammt. Einer davon war Shakespeare. Die Handschrift des Manuskripts schreiben Experten ihm jedenfalls zu.

Grund für die weltweite Debatte: Die britische Nationalbibliothek hat den Text in digitaler Form Mitte März neu veröffentlicht. Und vielleicht entfaltet sie diesmal die Wirkung, die Shakespeare damit erzielen wollte.

"Und wäret ihr aus eurem Land verbannt, wohin würdet ihr gehen?"

Konkret steht in der besagten Stelle:

„Und wäret ihr aus eurem Land verbannt, wohin würdet ihr gehen?
Welches Land würde euch Zuflucht gewähren?
Ob ihr nach Frankreich oder Flandern geht, irgendeine der deutschen Provinzen, Spanien oder Portugal - da ihr dort gezwungenermaßen Fremde seid, wärt ihr erfreut,
ein Volk von so barbarischem Gemüt zu finden,
die ausbrechend in abscheuliche Gewalt
euch keine Bleibe auf Erden gönnen.

Die ihre Messer an eure Gurgeln wetzen,
euch als Hunde verachten und als ob ihr nicht
von Gott behütet oder geschaffen wäret.
Die Umstände sind nicht zu eurem Vorteil, ihr seid auf die Hilfe anderer angewiesen.
Was würdet ihr denken, wenn ihr so behandelt werden würdet?
Das ist das Los des Fremden, und das ist eure gipfelhohe Unmenschlichkeit.“

Flüchtlingskrise auch zu Shakespeares Zeiten

Im zweiten Akt des Stückes wird Thomas More Undersheriff von London und muss sich mit einem ausländerfeindlichen Mob auseinandersetzen, der Immigranten aus der Lombardei vertreiben will.

Mit dieser Rede versucht der Held die Gruppe der Aufständischen zu beruhigen. Er fragt sie, wie sie sich fühlen würden, wenn sie in ein fremdes Land flüchten müssten.

Das dürfte auch Shakespeare ein Anliegen gewesen sein. Zu Shakespeares Lebzeiten gab es in London vermehrt Übergriffe gegen Flüchtlinge, oftmals waren sie Hugenotten.

Shakespeare selbst erlebte das Stück nie auf der Bühne. Die Stimmung gegen Immigranten war so hitzig, dass man die Proben und Aufführungen absagte – wegen befürchteter Unruhen.

Die Rede ruft zu Mitgefühl auf

Dass die Passage ausgerechnet dieses Jahr von der britischen Nationalbibliothek aus der Versenkung geholt wurde, kann kein Zufall sein. "Es ist ein ergreifendes Stück Rhetorik“, sagte Zoe Wilcox, Kuratorin der Bibliothek der britischen Tageszeitung "The Guardian“.

"Es ist bemerkenswert, aber auch traurig, wie relevant dieses Stück wieder wird, wenn man bedenkt, was bei uns in Europa gerade passiert“.

Für Kuratorin Wilcox geht es in der Rede vor allem um Mitgefühl: "More ruft die Menge dazu auf, Mitgefühl mit den Immigranten und Fremden zu haben“.

Dass Shakespeares Worte heute aktueller denn je sind, beweisen nicht nur die unzähligen Zeitungen rund um die Welt, die die Passage als Leitartikel abdruckten.

Die britische BBC ließ die Rede von einer Schauspielerin in der Nachrichtensendung "Newsnight“ rezitierten – als tagesaktuelle politische Analyse.

Es ist eine Rede, die man in diesen Tagen genau so vor besorgten Bürgern und AfD-Anhängern halten könnte. Shakespeare ist eben zeitlos.

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