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Bewerbertest bei Reifenhersteller Continental: Worin Flüchtlinge besser sind als deutsche Azubis

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CONTINENTAL TIRES
Continental stellte 30 Flüchtlinge ein. | Bloomberg via Getty Images
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  • Der Reifenhersteller Continental bildet 30 Flüchtlinge aus
  • Die mangelnden Deutschkenntnisse vieler Bewerber seien dabei die größte Herausforderung, sagt der Konzern
  • In Qualifikationstests schnitten die Flüchtlinge im Schnitt allerdings besser ab als deutsche Bewerber

Der Reifenhersteller Continental aus Hannover wollte 50 Flüchtlinge ausbilden. Geworden sind es letztendlich nur 30. Davon machen nur acht direkt eine Lehre, die andere 22 beginnen eine Einstiegsqualifizierung.

Dass der Konzern sein Ziel verfehle, sei die eigene Schuld, sagte Ariane Reinhardt, die im Continental-Vorstand für das Personal verantwortlich ist, dem Nachrichtenportal "N24".

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"Ich war so naiv anzunehmen, dass bei einer Million Flüchtlingen im Land schon 50 Auszubildende für uns dabei sein werden", gibt Reinhardt zu. Denn die Annahme stellte sich als falsch heraus.

Weniger Bewerber als erhofft

Continental bekam von den Arbeitsagenturen 200 Kandidaten vermittelt, gewünscht hätte er sich aber 500. Ein weiteres Problem: die Sprachkenntnisse. Bei fast allen Bewerbern reichten sie nicht aus, um sich mit den Kollegen an den Maschinen zu unterhalten.

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Deshalb entschied man sich bei dem Unternehmen, die Sprachkenntnisse vorerst auszuklammern und bot die Auswahltests in der jeweiligen Landessprache der Bewerber an.

"Es kommt uns weniger auf den sozialen Hintergrund und die formale Qualifikation an", sagte Reinhart. Die Ergebnisse überraschten: In der eigenen Sprache erfüllten 28 Prozent der Bewerber die Vorraussetzungen für eine Ausbildung.

"Viele wollen direkt Geld verdienen"

Zum Vergleich: Auf dem gewöhnlichen deutschen Auszubildendenmarkt liege die Quote bei etwa zehn Prozent, sagt Steffen Brinkmann, der die deutsche Personalabteilung bei Continental.

Die 30 erfolgreichen Bewerber bekamen noch vor ihrer Zeit bei Continental von Arbeitsagenturen Integrationskurse vermittelt, in denen sie Deutsch lernen.

Ein weiteres Problem ergibt sich durch die Erwartungen der Flüchtlinge: In vielen der Heimatländern habe die Ausbildung ein schlechtes Image, sagte Brinkmann "N24". "Viele wollen direkt Geld verdienen."

Die Initiative zur Integration kostet Continental einen einstelligen Millionenbetrag, so Reinhardt. "Politik und Wirtschaft müssen gemeinsam vorangehen und nicht mit dem Finger aufeinander zeigen", sagt die Personalchefin. Die Integration sei eine Aufgabe von historischer Dimension.

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(lk)