Huffpost Germany

Nach Wahldebakel in Meck-Pomm: Wer steht eigentlich noch hinter Merkel?

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ANGELA MERKEL ALONE
Der Rückhalt für Angela Merkel in der eigenen Partei war schon besser. | Fabrizio Bensch / Reuters
Drucken

Nach der Schlappe für die CDU bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern hagelt es Kritik für Angela Merkel. Führende Politiker machen nicht die Nordost-CDU, sondern die Kanzlerin für das schlechte Abschneiden verantwortlich.

Vor allem die Schwesterpartei aus Bayern teilt aus. CSU-Chef Horst Seehofer sagte der “Süddeutschen Zeitung”, die Lage der Union sei “höchst bedrohlich” und seine “mehrfache Aufforderung zur Kurskorrektur” in der Flüchtlingspolitik sei nicht aufgenommen worden.

Ähnlich äußerte sich CSU-Finanzminister Markus Söder. “Aus einem ‘Wir schaffen das’ sollte eher ein ‘Wir haben verstanden und wir ändern das’ werden”, sagte er in den ARD-Tagesthemen.

Wer hält noch zu Merkel?

Auch der Koalitionspartner SPD nimmt Merkel zur Zielscheibe. Partei-Vize Ralf Stegner sagte dem “Spiegel”, Merkel habe ihren “Zenit” eindeutig überschritten. Und sein Parteikollege Thorsten Schäfer-Gümbel sagte der “Zeit”, Merkel scheue “gesellschaftliche Debatten”.

Damit wird klar: Mit jedem Prozentpunkt, den die CDU verliert, wird der Rückhalt für die Kanzlerin geringer.

Merkel hält dennoch an ihrem Kurs fest. Aus China meldete sich zum Wahlausgang in Mecklenburg-Vorpommern zu Wort. Die Flüchtlingspolitik habe alles überlagert, insofern treffe sie eine Mitverantwortung, sie halte ihre Entscheidungen aber weiter für richtig. Geändert werde also nichts.

Die “Teflon-Kanzlerin”, an der alles abperlt, scheint ihre Schutzschicht zu verlieren.

Und damit stellt sich die Frage: Wer steht eigentlich noch hinter der Kanzlerin?

Der Verteidiger: Peter Altmaier

altmaier merkel
Quelle: Getty

Der Kanzleramtschef steht nach wie vor felsenfest zu “seiner” Bundeskanzlerin und Parteichefin. Bei einer Rede im bayerischen Gillamoos am Montag appellierte Altmaier vor CSU-Anhängern an den Zusammenhalt.

“Die Wähler der Union wollen keinen Streit in der Union, sie wollen, dass CDU und CSU gemeinsam erfolgreich sind”, sagte Altmaier. Wem seine ganze Loyalität gilt und wem sie aus seiner Sicht auch in der CSU gelten sollte, daran ließ er auch zum Schluss keinen Zweifel:

“Deutschland ist ein großartiges Land, weil wir in Deutschland nicht nur eine Angela Merkel haben, sondern Zehntausende, Hunderttausende Angela Merkels. In jedem Dorf, in jeder Stadt”, beendete Altmaier sein Plädoyer für das “Wir schaffen das” der Kanzlerin.

Der Optimist: Peter Tauber

peter tauber
Quelle: Reuters

Wie auch Altmaier, knöpfte sich CDU-Generalsekretär Peter Tauber die Schwesterpartei vor. Tauber sprach allerdings nicht direkt zu den CSU-Anhängern.

“Unsere Anhänger und Mitglieder – gerade auch diejenigen, die derzeit in Niedersachsen und Berlin engagiert Wahlkampf machen – erwarten von der Union vor allem eines: Geschlossenheit”, erklärte Tauber am Dienstag in Berlin.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Obwohl die Enttäuschung nach dem Wahldebakel groß sei, lobte er die Arbeit der CDU in Mecklenburg-Vorpommern und die Arbeit der Kanzlerin. "Angela Merkel hat uns durch viele Krisen geführt, sie wird es auch diesmal tun", so Tauber.

Der Verständiger: Volker Kauder

volker kauder
Quelle: AP

Auch der Vorsitzende der CDU-/CSU-Bundestagsfraktion Volker Kauder stärkt Angela Merkel den Rücken.

Kauder rief während unzähligen Flüchtlingsdebatten immer wieder zur Geschlossenheit innerhalb der Union auf. Es sei für die Kanzlerin bereits schwer genug, was sie in der Flüchtlingspolitik zu leisten habe, sagte Kauder bereits im Oktober vergangenen Jahres bei einer Veranstaltung in Osnabrück. “Giftige Attacken” seien deshalb wenig hilfreich.

Der Ruhepol: Armin Laschet

laschet merkel
Quelle: Getty

Auch auf die volle Unterstützung des Landesvorsitzende aus Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet, kann die Kanzlerin hoffen. Laschet nannte das Abschneiden der Partei in Mecklenburg-Vorpommern zwar eine “bittere Niederlage”, hält aber an der Kanzlerin fest.

Laschet hatte sich bereits in der vorigen Woche, als bekannt wurde, dass Merkel ihre Kanzlerkandidatur erst im Frühjahr 2017 bekannt geben wolle, klar für die Kanzlerin ausgesprochen.

Ihren Kurs in der Flüchtlingskrise verteidigte er ebenfalls: Merkel habe in dieser Zeit vor allem Haltung und Führungsstärke bewiesen, sagte er der Nachrichtenagentur dpa im vergangenen Oktober. Davon wich er nicht ab.

Der Quertreiber: Jens Spahn

jens spahn
Quelle: Getty

Einer der ehrgeizigsten in den Reihen der CDU ist zweifelsohne Jens Spahn. Der Generalsekretär hat in den vergangenen Jahren eine steile Karriere hingelegt – und strebt offenbar nach Höherem.

Von der britischen Zeitung “Guardian” wurde Spahn gar schon als nächster Kanzler gehandelt. Davon ist er noch weit entfernt.

Und auch obwohl er zu den engeren Vertrauten der Kanzlerin zählt, distanzierte er sich in der Flüchtlingspolitik deutlich von seiner Chefin.

Spahn gab sogar ein Buch heraus (“Ins Offene”), in dem er in der Flüchtlingspolitik von einem angeblichen “Staatsversagen” spricht und Merkel für das Erstarken der AfD mitverantwortlich macht.

Dennoch: Ein Rebell ist Spahn keinesfalls. Der konservative Jungpolitiker schlug in letzter Zeit wieder ruhigere Töne an und äußerte sich mehr zum Burkaverbot als zur Kurs der Kanzlerin.

Die grünen Beobachter: Habeck und Kretschmann

Doch nicht nur in der Union gibt es noch Stimmen, die zu Merkel halten. Auch bei den Grünen pflichten Politiker der Kanzlerin bei.

robert habeck
Quelle: Getty

Der Spitzenkandidat der Grünen in Schleswig-Holstein, Robert Habeck, findet das “Merkel-Bashing” nach der Landtagswahl “fadenscheinig” und “verlogen”, wie er dem Bayerischen Rundfunk (BR) sagte.

Der Umweltminister hielt Merkel-Kritikern bei Union und SPD zudem vor, nicht glaubwürdig zu sein. “Nur aus taktischen Gründen seine eine Verantwortung, seine eigene Geschichte zu verkennen – das ist dann zu viel Perfidie, und (…) Zynismus in der Politik.”

kretschmann merkel
Quelle: AP

Ebenfalls einen guten Draht zur Kanzlerin pflegt der baden-württembergische Landesvater Winfried Kretschmann. Der Ministerpräsident betonten schon mehrmals, dass er Merkels Haltung in der Flüchtlingspolitik für absolut richtig ansehe.

Zudem flirtet Kretschmann immer wieder mit der Union und wirbt für ein Schwarz-Grün nach der Bundestagswahl 2017.

Rückhalt könnte nach Wahl in Berlin weiter schwinden

Am 18. September findet die Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin statt. In Prognose liegt die CDU bei 19 Prozent. Damit würde die Partei, wie schon in Mecklenburg-Vorpommern, etwa vier Prozent einbüßen.

Sollte die CDU als großer Verlierer und die AfD erneut als großer Gewinner hervorgehen, dürfte die Kanzlerin wieder einige Verbalattacken über sich ergehen lassen müssen.

Mit Material der dpa

Auch auf HuffPost:

Warum Angela Merkel Angst vor dem 16. September haben muss

(lk)