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Nach AfD-Triumph: Chef des Zentralrats der Muslime will vorerst keinen Urlaub mehr in Meck-Pomm machen

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USEDOM
Nach AfD-Triumph: Chef des Zentralrats der Muslime will keinen Urlaub mehr in Meck-Pomm machen | Getty/HuffPost
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  • Die mecklenburg-vorpommerische Tourismusbranche sorgt sich wegen des AfD-Triumphs um den Fremdenverkehr
  • Nicht nur auf der Urlauber-Insel Usedom fürchten manche Umsatzeinbußen
  • Zumindest der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime will vorerst keinen Urlaub mehr in Mecklenburg machen

Malerische Sandstrände, so viel Sonne wie kaum in einer anderen Region Deutschlands und luxuriöse in der Gründerzeit errichtete Seebäder – Usedom lockt jedes Jahr viele Tausend Menschen. Über 5,1 Millionen Übernachtungen zählten die Tourismus-Verantwortlichen allein 2015 auf der Badeinsel. Ein sattes Plus im Vergleich zum Vorjahr.

Doch nun sind manche Hoteliers offenbar in Sorge. Denn auf Usedom hat die rechtspopulistische AfD mit mehr als 32 Prozent das höchste Wahlergebnis bei den Zweitstimmen im ganzen Land erzielt. "Wir finden das Ergebnis bedauerlich hinsichtlich der möglichen Folgen für die touristische Entwicklung in der Region", sagt Dörthe Hausmann, Geschäftsführerin von Usedom Tourismus, der Huffington Post.

"Die Natur ist über den Rassismus erhaben. Aber nicht wir als Urlauber"

Nicht nur auf Usedom bereitet das Wahlergebnis Sorgen. Tobias Woitendorf, Sprecher des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern, sagt der Huffington Post: "Es gibt Menschen, die das Wahlergebnis beängstigt und die deshalb ihr Reiseziel ändern." Dabei handle es sich zwar nicht um "einen besonders großen Teil der Urlauber". Dennoch nimmt er die Entwicklung ernst.

Der erste Prominente hat jedenfalls bereits angekündigt, einstweilen auf Urlaube in Mecklenburg-Vorpommern zu verzichten. Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime, teilt mit: "Vor kurzem haben wir noch einen Kurzurlaub in Müritz an der mecklenburgischen Seenplatte gemacht. Das dürfte auch bei uns vorerst das letzte Mal gewesen sein."

Seine Boykott-Drohung schließt er mit den Worten: "Die Natur ist über den Rassismus erhaben. Aber nicht wir als Urlauber."

Auch der eine oder andere bisherige Usedom-Reisende scheint offenbar besorgt zu sein. Bereits am Tag nach der Wahl habe man "einige Gäste-Emails und -Stimmen erhalten, die den Ausgang der Wahl nicht gutheißen", berichtet Dörthe Hausmann von Usedom Tourismus. Die Zukunft werde "zeigen, welche Auswirkungen die Wahlergebnisse auf Buchungen und Ankünfte sowie die weitere Entwicklung der touristischen Infrastruktur haben werden".

Verbandssprecher: Wahlergebnis wird "einige verunsichern"

Beim Tourismusverband des Landes redet man Klartext: "Gastfreundschaft und Angst oder Vorbehalte vor Fremden passen nicht zusammen", betont dessen Sprecher Woitendorf und fügt hinzu: Natürlich würden "die starken Werte für Rechtspopulisten einige verunsichern, und vielleicht passen sie auch ins Bild, das einige von Ostdeutschland haben".

Ein warnendes Beispiel ist Dresden. Als die Bilder grölender Pegida-Anhänger Ende 2014 erstmals um die Welt gingen, dauerte es nicht lange, bis der Fremdenverkehr in der sächsischen Hauptstadt darunter litt. Natürlich habe Mecklenburg-Vorpommern zwar weniger ausländische Touristen als das Elb-Florenz, sagt Woitendorf. Doch auch ein Teil der deutschen Touristen mache sich zu diesem Thema Gedanken.

Der Tourismus im Bundesland blickt auf das beste Halbjahr der Geschichte zurück: ein Plus von 4,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bereits 2015 war mit 29,5 Millionen Übernachtungen ebenfalls ein Rekord.

"Tourismus muss sich dem Phänomen AfD stellen"

Woitendorf glaubt, dass der Aufwärtstrend trotz AfD anhält. Doch er warnt: "Der Tourismus muss sich hier und in ganz Deutschland dem Phänomen AfD stellen."

Mit einem Bruttoumsatz von über 5,1 Milliarden Euro im Jahr und einem geschätzten Anteil von rund zehn Prozent am Primäreinkommen ist die Tourismuswirtschaft in dem Bundesland ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Rund 173.000 Menschen in Mecklenburg-Vorpommern bestreiten direkt und indirekt ihren Lebensunterhalt durch den Tourismus.

Mit fast 18.000 Übernachtungen je 1000 Einwohner in 2014 verzeichnet der Nordosten die mit Abstand höchste Tourismusintensität bundesweit. So mancher AfD-Wähler könnte deshalb nicht nur auf Usedom schon bald eine böse Überraschung erleben.

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(tos)