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Polit-Streit in der Türkei: Gericht entlässt Verdächtige nach Anschlag auf Deutsche

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ERDOGAN
"Skandal-Entscheidung": Türkisches Gericht entlässt Verdächtige nach Anschlag auf Deutsche | GREG BAKER via Getty Images
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  • Die Türkei entlässt Verdächtige aus dem Gefängnis, die hinter an einem Terroranschlag im Januar stecken könnten
  • Bei dem Attentat waren auch 8 Deutsche ums Leben gekommen
  • Oppositionsmedien sprechen von einer "Skandal-Entscheidung"

Knapp acht Monate nach einem Selbstmordanschlag in Istanbul mit zwölf getöteten Deutschen ist knapp die Hälfte der Verdächtigen aus der Untersuchungshaft entlassen worden.

Ein Strafgericht in der türkischen Metropole setzte am zweiten Verhandlungstag sechs der 13 Untersuchungshäftlinge in dem Fall bis zu einem Urteil unter Auflagen auf freien Fuß, wie türkische Medien am Dienstag übereinstimmend berichteten.

Gegen sie sei ein Ausreiseverbot verhängt worden. Die Zeitung "Cumhuryiet" schrieb, Grund sei unter anderem die Länge der Untersuchungshaft gewesen.

Acht deutsche Urlauber waren ums Leben gekommen

Die türkische Regierung macht die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für den Anschlag vom 12. Januar verantwortlich, bei dem ein Attentäter zwölf deutsche Urlauber im Istanbuler Altstadtviertel Sultanahmet mit in den Tod riss.

Die Zeitung "Birgün" berichtete, insgesamt seien 26 Verdächtige angeklagt, darunter auch Syrer und Iraker. Das regierungskritische Blatt nannte die am Montag verfügte Entlassung der sechs Verdächtigen eine "Skandal-Entscheidung". Der Prozess soll am 1. Dezember fortgesetzt werden.

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Nach dem Putschversuch vom 15. Juli sind die Gefängnisse in der Türkei Medienberichten zufolge überfüllt. Mehr als 20 000 Verdächtige sitzen wegen angeblicher Verbindungen zur Bewegung des Predigers Fethullah Gülen - den die Regierung für den Umsturzversuch verantwortlich macht - in Untersuchungshaft.

Die Regierung hat kürzlich angekündigt, 38 000 bereits verurteilte Häftlinge freizulassen, die Straftaten vor dem 1. Juli 2016 begangen haben.

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