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Diese eine Sache sollten Eltern wissen, bevor ihr Kind fünf Jahre alt wird

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KINDER SELBSTBEWUSSTSEIN
Das Selbstbewusstsein von Kindern entwickelt sich früher als gedacht | iStock
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Fünfjährige Kinder können vielleicht noch nicht lesen und schreiben, aber ihr Selbstbild ist bereits überraschend komplex. Eine provokative neue Studie legt nahe, dass das Selbstbewusstsein eines Kindergartenkindes bereits so stark ist wie das eines Erwachsenen.

Die Studie, die in der Januar-Ausgabe des Fachmagazins “Journal of Experimental Social Psychology” veröffentlicht wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass die meisten Kinder in diesem Alter bereits ein weitgehend positives Bild von sich selbst entwickelt haben - und dieses Bild hält sich relativ stabil über ihr gesamtes Leben hinweg.

Die Studie macht also deutlich, wie wichtig die Entwicklung eines gesunden Selbstbildes bereits in diesem jungen Alter ist.

Neue Studie löst traditionelle Ansichten ab

“Einige elementare Teile des kindlichen Selbstbewusstseins scheinen bereits im Alter von fünf Jahren gefestigt zu sein”, sagte Dario Cvencek, Wissenschaftler an der Washington University und Hauptautor der Studie, der Huffington Post.

“Das heißt nicht, dass es nicht beim Heranwachsen und durch Erfahrungen im Leben verändert werden kann. Wir glauben, dass Selbstbewusstsein formbar ist, wir glauben aber auch, dass es sich früher herausbildet als bisher angenommen.”

Die Forschung löst traditionelle psychologische Ansichten über die Entwicklung von Selbstbewusstsein in der Kindheit ab.

Wissenschaftler dachten laut Cvencek lange, dass Vorschulkinder zu jung seien, um ein umfassend positives oder negatives Selbstbild zu entwickeln.

“Unsere neue Arbeit zeigt, dass Kinder im Vorschul-Alter eine umfassendes, übergreifendes Wissen über ihre eigene Güte als Mensch haben. Es ist ein Anfang.”

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Forscher entwickelten neues Testverfahren

In vorherigen Studien haben Psychologen auf mündliche Selbsteinschätzungen der Kinder gesetzt, um ihr Selbstbewusstsein zu messen. Diese Methode könnte jedoch zu ungenauen Daten geführt haben, weil kleine Kinder über ein noch begrenztes Vokabular verfügen.

Für ihre Studie haben er und seine Kollegen daher einen neuen Test mit dem Titel “Preschool Implicit Association Test” (PSIAT) entwickelt, um herauszufinden, welche positiven Empfindungen Kinder für sich selbst haben. Die Wissenschaftler haben den Test bei 234 fünfjährigen Jungen und Mädchen aus dem US-Bundesstaat Washington angewandt.

Ähnlich wie bei einem impliziten Assoziationstest für Erwachsene - bei dem Teilnehmer aufgefordert werden, Worte schnell mit Begriffen wie “selbst” und “angenehm” oder “unangenehm” in Verbindung zu bringen - wurden die Vorschulkinder gebeten, Worte mit Objekten in Verbindung zu bringen.

Die Kinder bekamen ein Set mit verschiedenen Fahnen und man brachte ihnen bei, sie in zwei Gruppen zu unterteilen: “deins” und “nicht deins”. Dann bekamen die Kinder eine Aufgabe, bei der sie Knöpfe drücken mussten, um zu signalisieren, ob sie “gute” Wörter (Spaß, glücklich, gut, toll) und “schlechte” Wörter (schlecht, böse, gemein, unangenehm) eher mit “ich” oder “nicht ich” in Verbindung brachten.

Wie können Eltern und Lehrer eine gesunde Entwicklung des Selbstbildes fördern?

Die Ergebnisse dieses und zwei weiterer Assoziationstests zeigten, dass die Kinder sich selbst mehr mit positiven Attributen in Verbindung brachten als mit schlechten.

Die Studie zeigte außerdem, dass ein hohes Selbstbewusstsein mit einer starken Geschlechtsidentität und Präferenzen für Mitglieder des eigenen Geschlechts einhergeht und legt nahe, dass das kindliche Selbstbewusstsein mit anderen prägenden Elementen der Persönlichkeit zusammenhängt.

Jetzt, da wir wissen, dass das Selbstbewusstsein sich zu einem so frühen Zeitpunkt im Leben von Kindern festigt, wie können Eltern und Lehrer eine gesunde Entwicklung des Selbstbildes fördern?

Die herzlichen, unterstützenden Verbindungen, die ein Kind mit anderen Menschen entwickelt, sind laut Cvencek offenbar der wichtigste Faktor.

“Kinder, die sich geliebt fühlen, könnten diese Liebe verinnerlichen, um sich selbst zu lieben”, sagte er. “Unsere Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der ersten fünf Lebensjahre als Fundament des Lebens.”

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Gina Louisa Metzler aus dem Englischen übersetzt.

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(vr)