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Mit diesen perfiden Tricks verschleiern Stromanbieter derzeit massive Preiserhöhungen

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Stromanbieter arbeiten mit dubiosen Tricks bei der Preiserhöhung. | dpa/HuffPost
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Stromanbieter arbeiten mit dubiosen Tricks, um Kostenaufschläge bestmöglich zu tarnen. Preiserhöhungen werden Verbrauchern versteckt untergejubelt – etwa durch Infopost, die bei den meisten ungelesen im Altpapier landet. Das geht aus einer Recherche der Wochenzeitung "Zeit" hervor.

Mindestens 240 Stromanbieter haben demnach seit Jahresbeginn aufgeschlagen. Und laut Gesetz sind die Anbieter dazu verpflichtet, ihre Kunden über die Erhöhung zu informieren. Wie sie das machen, ist allerdings eine andere Sache.

Klar ist: Der versteckte Weg scheint dabei immer beliebter.

Die Preiserhöhung versteckt sich in der Werbung

Ein Beispiel ist der Anbieter Eprimo: Die Billigtochter der RWE weist auf den neuen Preis durch eine Infopost-Broschüre hin. Darin steht in zwei leicht übersehbaren Zeilen, dass der Preis ab Oktober 2016 bei 27,79 Cent pro Killowattstunde liegt – zuvor waren es 25 Cent.

Für eine vierköpfige Familie sind das bei einem durchschnittlichen Stromverbrauch 120 Euro mehr im Jahr, rechnet die Zeitung vor.

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Ähnlich dubios verkündet der Frankfurter Anbieter Enervatis seinen Aufschlag. Im vermeintlichen Werbebrief für das "Top-Angebot: 24 Monate Preisgarantie" findet sich im vierten Abschnitt die Neuberechnung des Tarifs.

Verschleierung durch komplizierte Online-Wege

Aber damit nicht genug. Noch dreister macht es das Magdeburger Unternehmen Stromio: Dem Kunden wird eine Mail zugesandt, worin er über ein "neues Dokument" auf seinem Vertragskonto aufmerksam gemacht wird.

Heißt: Zuerst muss man sich einloggen, das Dokument öffnen, um dann auf der letzten Seite weit unten festzustellen: "Daher beträgt Ihr Arbeitspreis ab dem 17. 10. 2016 29,93 Cent pro kWh."

Generell gilt: Für eine Kilowattstunde sollte nicht mehr als 27 Cent bezahlt werden. Und: Verbraucher haben bei Preiserhöhungen ein Sonderkündigungsrecht - übersehen sie die Preiserhöhung, entfällt es.

Ähnlich wie Stromio macht es der bundesweite Anbieter ExtraEnergie. Die Verbraucherzentrale Sachsen hat das Unternehmen deshalb verklagt und in erste Instanz gesiegt. Das Landgericht Düsseldorf sieht in den Mails hingegen eine zulässige Verschleierung.

Nicht so Jürgen Schröder, Energieexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: "Solche Schreiben sind nach unserer Ansicht unwirksam. Wenn ein Kunde diese Preiserhöhungen nicht mitbekommt, muss er sie nicht bezahlen", sagte er der "Zeit".

Vor allem Strom-Discounter schlagen auf

Stromanbieter halten die Taktik für legitim und notwendig. "Irgendwo müssen wir ja auch noch Geld verdienen", wird ein Manager eines großen Stromanbieters zitiert. Den Schwarzen Peter schieben die Versorger oftmals dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zu, dass die Steuern und Umlagen für Elektrizität aus erneuerbaren Quellen erhöht.

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Allein die Energiewende erklärt die Preisaufschläge jedoch nicht. Zwar sind die Umlagen und Netznutzung teurer geworden, der Beschaffungspreis für Strom aber gefallen. Die Preisaufschläge dürften daher nur einen Bruchteil des realen Aufschlags betragen.

Lockangebote gehen nach hinten los

Dass vor allem die Strom-Discounter den Kunden von Jahr zu Jahr teurere Konditionen unterjubeln, hat seinen Grund.

Zuerst ködern die Anbieter mit Lockangeboten: Neukundenbonus, Sofortbonus, einmalige Verringerung der Stromrechnung. Diese Angebote ziehen aber nicht nur Kunden an, sondern zwingen die Discounter im ersten Jahr ins Minus.

"Bei derartigen Angeboten braucht ein Anbieter in der Regel drei bis vier Jahre, bis er Profit an dem Kunden macht", sagt Andreas Stender, Energieberater bei der Unternehmensberatung AT Kearney. Nach dem ersten Jahr wird meist satt aufgeschlagen.

Verbraucher fühlen sich von den Anbietern zurecht getäuscht und betrogen – und ziehen vor Gericht. Laut Bundesgerichtshof können Kunden unrechtmäßige Preiserhöhungen der vergangenen drei Jahre beanstanden. Und das oftmals mit Erfolg.

Kunden können sich wehren und verhandeln

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Zunehmend im Visier der Verbraucherschützer ist dabei die schon RWE-Tochter Eprimo. Immer wieder würden Beschwerden wegen unerlaubter Telefonwerbung und Vertragserschleichung bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen eingehen, heißt es bei den Verbraucherschützern.

Doch Eprimo-Kunden können sich auch direkt an den Anbieter wenden. Auf Nachfrage bietet das Unternehmen Kunden statt dem Tarif von 27,79 Cent einen mit 25,51 Cent Arbeitspreis je Kilowattstunde an, berichtet die Zeitung. Bei Nachfrage und Verweis auf Vergleichsangebote sei sogar eine Preissenkung auf 23,54 Cent verhandelt worden.

Lockangebote sollten deshalb immer genau geprüft werden: Oft sind sie nur ein Mechanismus, um Kunden zu blenden. Dauerhafte Angebote ohne einmalige Versprechungen sind meist auf längere Sicht rentabler.

Bei einer Erhöhung des Strompreises gilt zudem ein gesetzliches Sonderkündigungsrecht. Der Anbieter muss auch darauf hinweisen.

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