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Das verrückte Geschäft mit den Gerüchten um den Nazi-Goldzug

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NAZIZUG POLEN
Die Legende um einen vermeintlichen Nazizug voller Gold kurbelt die Wirtschaft im polnischen Walbrzych bereits ohne Fund an | dpa
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  • Die polnische Stadt Waldenburg zieht Profit aus der Nazizug-Legende
  • Besonders profitiert dabei das ansässige Schloss Fürstenberg
  • Die Schatzsucher selbst scheinen bisher leer ausgegangen zu sein

In Walbrzych (Waldenburg) blitzen die Goldbarren - allerdings vorerst nur in der Schokoladen-Abteilung der Souvenir-Shops.

Denn die Suche nach dem angeblichen Nazi-Goldzug, der dort in einem unterirdischen Tunnel vermutet wird, hat zwar jede Menge Aufsehen verursacht, blieb aber zunächst ergebnislos.

Vom vermeintlichen deutschen Panzerzug aus dem Zweiten Weltkrieg, den zwei Hobbyhistoriker vor knapp einem Jahr auf Bodenradar-Bildern gesehen haben wollen, fehlt weiter jede Spur. Aber die Aufmerksamkeit, die sie mit ihren Spekulationen auf die niederschlesische Stadt gezogen haben, ist immer noch hoch.

Goldzug-Legende beschert Waldenburg Werbung in Millionenhöhe

Sie beschert dem 116.000-Einwohner-Ort in Polen eine kostenlose weltweite Werbekampagne. "Müssten wir für die Sendezeit und Zeilen zahlen, die Walbrzych seit Beginn der Suche nach dem Goldzug gewidmet wurden, wären das etwa 115.000 Millionen Euro", schätzt Stadtsprecher Arkadiusz Grudzien.

Dies seien nur vorläufige Zahlen, sagt er im Gespräch mit dem polnischen Finanzportal "money.pl". Trotzdem übersteigen sie das Werbebudget der Kommune bereits um das Dreihundertfache. Die Stadt verdiene mit dem Zug und ihrer Geschichte, sagt Grudzien.

Dabei sind die Bürger äußerst kreativ. Der Goldzug, mit dem Nazis der Legende nach ihre Kriegsbeute vor der Sowjetarmee versteckt haben sollen, prangt auf T-Shirts und Tassen.

Wodka mit 24-karätigem Gold

Für Schatzsucher-Stimmung sorgen in Goldpapier gewickelte Süßigkeiten. Edel glitzert sogar ein eigens hergestellter Wodka: Das polnische Nationalgetränk verfeinert der Walbrzycher Dariusz Gustab mit 24-karätigem Gold.

"Natürlich eine Anspielung auf den Goldzug", sagt der Unternehmer der Zeitung "Gazeta Wroclawska". Die Souvenirs sind ein Trost für angereiste Schaulustige, Touristen und Journalisten.

In Scharen lockte das Goldfieber sie in die südwestpolnische Stadt. Sehr zur Freude örtlicher Hotels und Touristenattraktionen. "Auch Schloss Fürstenberg hat vom Interesse am Goldzug profitiert", sagt die Marketing-Managerin Dorota Karolewska.

"Wir gehen so nah ran an den Goldzug, wie möglich"

Die Burg, zu der ein Hotel gehört, liegt im Norden Walbrzychs. Sie bietet auch Besichtigungen der unterirdischen Gänge in der Region an. Die Nazis hatten dort ein riesiges Stollensystem namens "Projekt Riese" errichten lassen.

Die rätselhafte Geschichte nutzt Schloss Fürstenberg (Zamek Ksiaz) für seine Werbezwecke. Spezielle Wochenend-Pakete, geheimnisvolle Führungen und eine Souvenir-Serie hat die Burg schon im Angebot. Der legendäre Goldzug ist Teil des Geschäfts.

Sein angeblicher Fundort steht bei vielen Touren auf dem Programm. "Wir gehen so nah ran, wie es eben möglich ist", sagt Karolewska. "Dabei kommen wir den Wünschen unserer Gäste entgegen." Das zeigt Wirkung: Bis Juni seien im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fast doppelt so viele Besucher gekommen.

Goldzug-Sucher: "Verdient haben bisher nur die anderen"

"Es ist eine Kampagne, wie die Welt sie noch nicht gesehen hat", stellt Schatzsucher Piotr Koper zufrieden fest. Nur hätten er und sein Kollege Andreas Richter daran bislang keinen Cent verdient. "Wir haben nur hineingesteckt", berichtet Koper der Deutschen Presse-Agentur.

Die Suchkosten, für die er und Richter selbst aufgekommen seien, beliefen sich bislang auf etwa 15.000 Euro. Auf das Doppelte könnten sie noch steigen, schätzt Koper. "Verdient haben bisher nur die anderen", sagt er.

Das könnte sich bald ändern. Inzwischen hat das deutsch-polnische Schatzgräber-Duo Markenschutz für den "Goldzug" angemeldet. Was sie damit vorhaben? Koper bleibt vage: "Mal sehen, was sich so ergibt." Er sei nun damit beschäftigt, Sponsoren für die weitere Suche zu finden. Diese liegt nach den erfolglosen Grabungen erstmal auf Eis.

"Ich hoffe, dass wir es bis Ende des Jahres schaffen", sagt Koper. Eigentlich wollten Koper und Richter schon längst Ergebnisse liefern. Walbrzych und seine Einwohner dürfte die Verzögerung kaum stören. Bis dahin kann das Geschäft mit dem Goldzug munter weitergehen.

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