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So rechnen die Medien nach der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern mit der CDU ab

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CAFFIER
Keine Feierstimmung: Der mecklenburg-vorpommersche CDU-Chef Lorenz Caffier | Getty
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  • Nach dem starken Ergebnis für die AfD in Mecklenburg-Vorpommern werden die Versäumnisse der großen Parteien sichtbar
  • Beobachter kritisieren zu wenig Kontakt zu den Wählern und plumpe Versuche, die AfD zu kopieren
  • Besonders die CDU habe sich im Wahlkampf schwere Fehler geleistet

In Mecklenburg-Vorpommern sind die großen Parteien zwar stark genug, um eine Regierung zu bilden - sie haben aber große Anteile an die AfD verloren. Die Rechtspopulisten kommen vor der CDU auf den zweiten Platz.

Abgestimmt wurde, darin sind sich die meisten Politiker und Kommentatoren einig, vor allem über die Flüchtlingspolitik von Angela Merkel.

Die Denkzettelwahl galt der Bundesregierung, die im folgenden Jahr neu gebildet wird. So sehen es auch die Kommentatoren der Zeitungen das Signal, das von der Wahl im Nordosten ausgeht. Hier sind die spannendsten Stimmen zur Wahl in Mecklenburg-Vorpommern:

"Schlichtes Erfolgsrezept"

Das "Flensburger Tageblatt" weist auf die Symbolik des Wahlergebnisses hin: "Es ist ein Warnschuss, zumal selbst die Wähler der AfD gar nicht davon ausgehen, dass ihre Partei Wesentliches zur Lösung von Problemen beitragen könne. Es ging ihnen um just dieses Signal - das Signal von Enttäuschten und Besorgten."

Dennoch seien auch die Wähler verantwortlich - von ihnen könne man "verlangen, dass sie vorausdenken."

Die Chemnitzer "Freie Presse" analysiert die Schwäche der großen Parteien, frustrierte und verängstigte Bürger nicht mehr zu erreichen: "Selbst wenn es den Regierenden gelingen sollte, den Menschen ihre bisherigen Ängste zu nehmen, wird die AfD flugs neue Ängste finden. Das ist ihr schlichtes, aber wirkungsvolles Erfolgsrezept."

Problematisch daran sei, dass den etablierten Parteien nun "ein anstrengendes Hase-und-Igel-Spiel" bevorstehe. Am Ende werde derjenige Erfolg haben, "der nachweisen kann, dass er für bestimmte Probleme die bessere Lösung hat."

"SPD und CDU haben sich auf AfD-Themen eingelassen"

Die "Lausitzer Rundschau" vertritt die Ansicht, dass die Volksparteien sich schwer getan haben, sich gegen die AfD abzugrenzen:

"Dass sich Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) und CDU-Chef Lorenz Caffier auf die AfD-Protestthemen Migration und innere Sicherheit eingelassen haben, anstatt eigene Themen zu platzieren, hat der AfD in die Hände gespielt. Die gestrige Wahl galt als Stimmungsbarometer für die ganze Republik. Ergebnis: Die Stimmung ist ziemlich getrübt."

Mit dem schlechten Abschneiden der CDU beschäftigt sich die "Märkische Oderzeitung". Sie wirft Parteichef Caffier billige Taktikspielchen vor:

"Für die CDU wurde der Schlingerkurs von Parteichef Lorenz Caffier zu einem Debakel. Punktete der Innenminister vor Monaten noch als Fleißarbeiter und Krisenmanager, hat er weder als Hardliner bei der inneren Sicherheit, noch als Warner vor Kriminalität von Asylbewerbern überzeugt. Zu durchsichtig war sein Bemühen, der AfD am rechten Rand Stimmen abzujagen."

"Wähler nimmt lieber das Original"

Die "Leipziger Volkszeitung" wirft dem Parteichef vor, er habe ohne Erfolg versucht, sich der AfD-Klientel anzubiedern: "Das Aufspringen auf AfD-Themen ist der Union offenbar schlecht bekommen, da nimmt der Wähler dann doch gleich das Original."

Zugleich handle es sich dabei um ein klares Signal an die Bundespolitik: "Ist Merkels Kandidatur 2017 tatsächlich alternativlos? Ihre bundesweiten Umfragewerte und die der CDU sinken gerade."

Das Abgrenzungsproblem betrifft nach Ansicht der Zeitung "Der neue Tag" vorrangig die CDU: "Die Union sollte einsehen, dass es zwecklos ist, die AfD mit deren Themen schlagen zu wollen. Anbiedern bringt nichts."

Stattdessen sei die Partei aufgefordert, sich der AfD-Meinung deutlich entgegenzustellen: "Die AfD bezieht ihre Unterstützer aus allen Parteien, vor allem aber aus dem Bereich der Nichtwähler. Deshalb müssen auch alle Parteien sich kümmern. Und Haltung zeigen gegen Hass und Hetze. Denn die AfD bleibt gefährlich."

"Andere Parteien haben der Stimmung wenig entgegenzusetzen"

Das "Badische Tagblatt" nennt die Gründe, warum die Parteien in Schwerin zahlreiche Wähler an die AfD verloren haben: "Die AfD wird gewählt, obwohl sie nichts zur Problemlösung beiträgt. Sie wird gewählt, auch wenn wie in Mecklenburg-Vorpommern kaum Flüchtlinge anzutreffen sind. Sie trifft aber eine Stimmung, der die anderen Parteien wenig entgegenzusetzen haben.

Möglicherweise auch, weil diese sie mitverursacht haben: "Es ist Frust über eine Politik, die vermeintlich für Flüchtlinge mehr übrig hat als für die Einheimischen, eine Politik, die offenbar nicht mehr mitbekommt, wie sehr Abstiegsangst und Unsicherheit in der Bevölkerung angekommen sind, eine Politik, die zunehmend eine Veranstaltung der Eliten für Eliten zu sein scheint."

Die "Berliner Morgenpost" empfiehlt, die AfD in gewisser Weise als Vorbild zu betrachten - nicht politisch, sondern in der Art, wie sie die Wähler erreicht hat: "Die großen Parteien - und ganz besonders die CDU - sollten weniger über die AfD reden und mehr darüber, warum sie es nicht mehr schaffen, die Erwartungen ihrer Wähler zu befriedigen.

Das geht nur mit Selbstkritik und der Bereitschaft, auch auf neue Themen zu setzen, die den Bürgern wirklich wichtig sind. Das hat nichts mit Anbiedern zu tun."

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