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Stimmen zur Wahl: "Hass und Komplexe" haben der AfD der Triumph beschert

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Reaktionen zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am 4. September 2016 | Carsten Koall / Freier Fotograf
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  • Der Erfolg der AfD in Mecklenburg-Vorpommern ist eine Schlappe für die großen Parteien
  • Reaktionen zu den Wahlergebnissen
  • "Die AfD ist eine Gefahr"

Die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern ist ein schwerer Schlag für die großen Parteien: SPD, CDU und Linke verloren kräftig, die AfD holte sich aus dem Stand mit rund 21 Prozent den zweiten Platz. NPD und Grüne fliegen wohl aus dem Landtag.

Die Wahlergebnisse aus Mecklenburg-Vorpommern im Überblick

So beurteilen die Politiker aus den verschiedenen Lagern die Wahl:

Ralf Stegner (stellv. Vorsitzender SPD): "Persönliche Niederlage für Merkel"

Nach Einschätzung des stellvertretenden SPD-Vorsitzenden Ralf Stegner ist der Erfolg hauptsächlich auf politische Fehler der Bundeskanzlerin zurückzuführen. Er sprach von einer "schweren persönlichen Niederlage" von Angela Merkel.

Bundestagsabgeordneter Dieter Janecek (Grünen): Erfolg zeigt, wie gefährlich die AfD ist

"In der Demokratie bildet sich nun mal auch Schlechtes ab, damit sollten wir uns ein Stück weit abfinden und einen Teufel tun, unsere Haltung dem anzupassen. Bei der AfD finden gerade diejenigen eine Heimat, die ihrem Hass und ihren eigenen Komplexen freien Lauf lassen wollen.

(...) Die AfD und ihre rechtsextremen Helfershelfer arbeiten z.B. systematisch daran, Teile der Bevölkerung in Internetforen zu verdummen. Mit großem Erfolg, wie man sehen kann. (...) Die Politik der AfD befördert Spaltung und Terror.

Die AfD will das Auseinanderbrechen Europas und eine Konfrontation mit den Muslimen in unserem Land. Ihre Ziele decken sich mit denen islamistischer Terroristen. Die Politik der AfD ist eine Gefahr für unsere innere und äußere Stabilität."

Peter Tauber (CDU-Generalsekretär): "Bittere Niederlage für die CDU"

CDU-Generalsekretär Peter Tauber führt die schwere Schlappe seiner Partei bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern auf weit verbreiteten "Unmut und Protest" in der Bevölkerung zurück.

Dies habe offensichtlich zu großen Teilen "mit der Diskussion über die Flüchtlinge" zu tun, sagte er am Sonntagabend in Berlin. "Dieses Ergebnis und das starke Abschneiden der AfD ist bitter", sagte Tauber.

Michael Müller (Bürgermeister Berlin, SPD): "CDU hat mit ihrem Kurs die AfD gestärkt"

Der Berliner Bürgermeister Müller findet klare Worte zum Wahlergebnis seiner Partei: "Die Menschen vertrauen in diesen Zeiten dem Amtsinhaber", erklärte er.

Es käme jetzt auf Klarheit und Führung an. Im Vorfeld der kommenden Wahl in seinem eigenen Bundesland hat sich Müller bereits selbst klar von der AfD distanziert: "Wir werden in Berlin weiter ein klares Zeichen gegen Rechts setzen".

Diesen Fehler kreidet er der CDU an: Mit ihrem "Wackelkurs" habe die Partei die AfD nur noch stärker gemacht.

Dr. Hans-Ulrich Rülke (FDP): "Merkel ist Schuld am Erfolg der AfD"

"Frau Merkel schickt sich mit ihren Fehlern und ihrer Sturheit an, die Radikalen immer stärker zu machen. Nun hat sie es offensichtlich geschafft, dass im ersten Bundesland die AFD sogar die CDU überholt." Laut Rülke sei das Wahlergebnis vollständig von der Flüchtlingspolitik der Kanzlerin überlagert.

"In welcher Konstellation auch immer" kündigte Holm eine konstruktive Mitarbeit im Parlament an.

Helmut Holter (Spitzenkandidat Linke): "Müssen der AfD die Maske des Biedermanns herunterreißen"

Der Spitzenkandidat der Linken reagierte mit Bestürzung auf das schlechteste Ergebnis seiner Partei im Nordosten, der Stimmungswechsel sei offensichtlich nicht gelungen. "Wir haben jetzt ein Wahlergebnis, das ist nicht befriedigend. Wir müssen jetzt analysieren, woran es gelegen hat. Ich gehe davon aus, dass es eine gesamtpolitische Situation ist."

Mit Blick auf den Wahlerfolg der AfD sagte er: "Unsere Aufgabe ist es nun, dieser Partei die Maske des Biedermanns runterzureißen, damit die Fratze des Hasses sichtbar wird."

Lorenz Caffier (CDU-Landeschef Mecklenburg-Vorpommern): "Ziel verfehlt"

"Das Ziel, stärkste Fraktion zu werden, haben wir verfehlt", sagte der Parteivorsitzende der CDU nach der Veröffentlichung der Ergebnisse. Caffier sagte weiter, es gebe weiterhin die Möglichkeit, im Land mit zwei Fraktionen weiterzuregieren.

Sönke Rix (SPD Bundestagsabgeordneter): "AfD überholt diejenigen, die versuchen, mit ihr Schritt zu halten"

Das Potential, das sie in Protestwählern geweckt haben, erkennt auch die AfD-Spitze an:

Frauke Petry (Parteichefin der AfD): "Parteien haben Wähler nicht gehört"

AfD-Chefin Frauke Petry ist überzeugt, der Erfolg ihrer Partei sei ein klares Signal gegen die bisherigen Landesparteien. "Das liegt daran, dass sie die Wähler zu lange nicht gehört haben". Auch habe die "katastrophale Migrationspolitik" von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auch im Nordosten andere Politikfelder überschattet.

Leif-Erik Holm (Spitzenkandidat der AfD): "Wir haben Geschichte geschrieben"

"Wir schreiben hier in Mecklenburg-Vorpommern Geschichte. Es ist das Sahnehäubchen, die CDU von Platz zwei zu verdrängen. Vielleicht ist das heute der Anfang vom Ende der Kanzlerschaft Angela Merkels. Das muss unser Ziel sein."

Björn Höcke (Fraktionsvorsitzender der AfD Thüringen): "Es ist ein historischer Sieg"

Das Wahlergebnis der AfD von 21,5 Prozent deklarierte Höcke als "Minimalziel" für die Bundestagswahl 2017. Das Ergebnis vom Sonntag sei für seine vor gut drei Jahren gegründete Partei ein "historischer Sieg". Er rate seinen Kollegen in Mecklenburg-Vorpommern nun zu einer "harten und stringenten Oppositionspolitik" im Schweriner Landtag.

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(tos)