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Papst Franziskus: Vor über 100.000 Pilgern spricht er Mutter Teresa heilig

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Mutter Teresa widmete ihr Leben den Ärmsten der Armen

Am Sonntagvormittag hat Papst Franziskus (79) auf dem Petersplatz in Rom Mutter Teresa vor mehr als 100.000 Pilgern heiliggesprochen. Damit darf die indische Ordensschwester albanischer Herkunft knapp 20 Jahre nach ihrem Tod in der katholischen Kirche weltweit als Heilige verehrt werden. Doch wer war Mutter Teresa eigentlich?

Geboren wurde sie 1910 im heutigen Skopje, Mazedonien, als Agnes Gonxha Bojaxhiu. Bereits in jungen Jahren entschied sie sich für ein Leben als Ordensfrau. Als 18-Jährige trat sie dem Orden der Loreto-Schwestern bei und machte eine Ausbildung zur Missionarin. Ihr Weg führte sie daraufhin nach Bengalen, wo sie 1929 als Novizin in der indischen Stadt Darjeeling unter dem Namen "Schwester Teresa" (in Erinnerung an die Heilige Thérèse von Lisieux) arbeitete. Knapp zehn Jahre später legte sie in Kolkata (Kalkutta) das letzte Ordensgelübde ab und nannte sich fortan "Mutter Teresa".

Hier finden Sie zahlreiche Bücher über Mutter Teresa

Im Jahr 1950 gründete sie in Kolkata die Gemeinschaft der "Missionarinnen der Nächstenliebe". Über die Jahre eröffnete Mutter Teresa zahlreiche Hospize und Kinderhäuser. Für ihren unermüdlichen Einsatz wurde sie 1979 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1997 setzte sie sich für die Ärmsten der Armen ein. In Rekordtempo wurde anschließend das Verfahren zur Seeligsprechung eingeleitet, welches 2003 von Papst Johannes Paul II. abgeschlossen wurde. Nun, keine 20 Jahre nach ihrem Tod, ist der "Engel der Armen" heiliggesprochen worden.

Kritik an Mutter Teresa

Das dazu benötigte Wunder erkannte Papst Franziskus im Jahr 2015 offiziell an: Ein Brasilianer, der an mehreren Hirntumoren erkrankt war, soll dank der Hilfe von Mutter Teresa 2008 von seiner Krankheit geheilt worden sein. Er und seine Angehörigen hätten damals zu der bereits gestorbenen Ordensschwester gebetet. Aus medizinischer und wissenschaftlicher Sicht sei die Heilung nicht zu erklären gewesen. Zuvor erkannte im Jahr 2002 bereits Papst Johannes Paul II. (1920-2005) die Heilung einer Inderin von Krebs als Wunder an. Der Frau sei damals ein Bild von Mutter Teresa auf den Bauch gelegt worden. Auch hier habe es keine medizinische Erklärung gegeben.

Doch Mutter Teresa stand auch in der Kritik. So wurde ihr unter anderem in einer Studie kanadischer Wissenschaftler vorgeworfen, dass Spendeneinnahmen unter ihrer Führung wenig transparent verwaltet worden seien. Die "Süddeutsche Zeitung" schrieb vor einigen Jahren mit Bezug auf diese Studie: "Angesichts der sparsamen Informationspolitik und der Konten, die im Verborgenen geblieben seien, stelle sich die Frage, wo die 'Millionen von Dollar für die Ärmsten der Armen geblieben sind'". Immer wieder wurde kritisiert, dass in den Sterbehospizen einfachste Schmerzmittel fehlten. Der Vorwurf der Leidensobsession wurde laut.

Doch mag ihre Person auch kontrovers diskutiert werden, Mutter Teresa hat zahlreichen Menschen auf der ganzen Welt geholfen. Und für die katholische Kirche und ihre über eine Milliarde Mitglieder ist sie seit diesem Sonntag eine Heilige.